Komplettfusion von Nissan und Renault möglich

Laut Insiderberichten, die von Bloomberg veröffentlicht wurden, arbeitet Renault-Chef Ghosn weiter an einer vollständigen Fusion von Nissan und Renault.

Laut Insiderberichten, die von Bloomberg veröffentlicht wurden, arbeitet Renault-Chef Ghosn weiter an einer vollständigen Fusion von Nissan und Renault.

Fusion von Nissan und Renault zu Automobilweltkonzern

Die Größe des Konzerns wird in der Automobilindustrie immer wichtiger, da so Kostenvorteile in der Produktion profitabel ausgespielt werden können. Beim Übergang zur Elektromobilität soll in hoher Stückzahl produziert werden, während gleichzeitig verschiedene Antriebsvarianten angeboten und auch herkömmliche Antriebe weiter eingesetzt werden können. Das Vorhaben einer Komplettfusion von Nissan und Renault treibe der 64-jährige Renault-Chef Carlos Ghosn in Gesprächen voran, teilte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider mit. Anteilseigner der beiden beteiligten Unternehmen sollten dann jeweils Aktien am neuen Konzern erhalten.
 

Bereits bestehenden Verflechtungen

Die Verbindung der beiden Unternehmen geht ins Jahr 1999 zurück. Derzeit besitzt Renault 43 Prozent der Anteile von Nissan. Nissan hält 15 Prozent an Renault. Beide Konzerne, die zusammen einen Börsenwert von über 60 Milliarden Euro haben, kooperieren derzeit vor allem bei Technik und Einkauf und beschäftigen weltweit zusammen über 250 000 Mitarbeiter. Nissan hält zudem Anteile von 34 Prozent an Mitsubishi. Die Gesamtverkaufszahlen an Automobilen – ohne Nutzfahrzeuge und Lkw – aus der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi liegen damit bei 10,6 Millionen im Vergleich zu Volkswagen mit insgesamt 10,7 Millionen verkauften Pkw. Durch eine Fusion könnte Renault-Nissan zu den Branchenführern Volkswagen und Toyota endgültig aufschließen. Noch führt Volkswagen die Weltrangliste an, da die Lkw-Tochterunternehmen MAN und Scania mit den von ihnen verkauften Fahrzeugen für insgesamt höhere Verkaufszahlen sorgen.
 

Spekulationen sorgen für Börsenhoch

Schon Anfang des Monats war von der Nachrichtenagentur Reuters gemeldet worden, Ghosn wolle Renault bei der französischen Regierung herauskaufen. Die Regierung in Paris, die derzeit 15 Prozent an Renault hält, solle dazu einen Großteil ihrer Anteile an Nissan verkaufen. Das wurde von allen Beteiligten dementiert. Auch jetzt wollten weder Renault noch das französische Finanzministerium zu den neuen Meldungen Stellung nehmen. Sollten die Unternehmen tatsächlich fusionieren wollen, muss dazu auch die japanische Regierung ihre Zustimmung geben. Wird die Fusion tatsächlich vollzogen, stellt sich die Frage nach dem rechtlichen Sitz des daraus hervorgehenden Unternehmens. Dem Bericht von Bloomberg zufolge wird neben einem Hauptsitz in Paris und Tokio zusätzlich die Registrierung einer Gesellschaft in den Niederlanden oder Großbritannien diskutiert, die von steuerlichem Vorteil für den Konzern sein könnte. Der italienisch-amerikanische Autokonzern Fiat Chrysler profitiert bereits von einem solchen Konstrukt. Der Kurs von Renault an der Pariser Börse stieg infolge der Spekulationen um rund 7 Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren.