Convoy - Das Uber für LKW-Transporte wird zum Unicorn

Heute werden Aufträge in der Logistik in der Regel durch Makler vermittelt, die zwischen den Transporteuren und den Lagerhäusern sitzen und Kapazitäten verteilen. Dieses System ist extrem ineffizient, in der Regel bleiben 15 bis 25 Prozent der Ladefläche leer. Convoy will diese Vermittlung effizienter machen, indem der Mittelsmann ausgeschaltet wird und Transporteur und Lagerhäuser in Echtzeit via App Aufträge koordinieren. In der App werden verfügbare Transportaufträge angezeigt, für die Logistikunternehmen bieten können. So finden Angebot und Nachfrage unmittelbar zusammen.
Das Unternehmen hat es sich zu seiner Hauptaufgabe gemacht, ineffiziente Strukturen der Branche aufzubrechen und technische Lösungen für die komplexen Probleme anzubieten. Für Fahrer bietet das die Chance, ihre Dienstleistung direkt zu verkaufen und schnelle Auszahlungen zu erhalten. Dafür arbeitet das Unternehmen unter anderem daran, schnell und unkompliziert verschiedene Aufträge zu kombinieren und einem einzelnen Fahrer zu vermitteln. Damit soll sichergestellt werden, dass Lastwagen nicht mehr fast leer lange Strecken zurücklegen und dauerhaft eine bessere Auslastung erreichen.
Mit seinen Ideen konnte Convoy bereits zwei der größten Marken der Welt überzeugen. Sowohl der Konsumgüterhersteller Unilever wie der Getränkeriese Anheuser-Busch nutzen bereits die Dienste des frisch gebackenen Uicorns.

 


Zersplitterter Markt bietet Chancen

Große Chancen für die neue Unternehmung bietet neben festgefahrenen ineffizienten Strukturen auch die starke Zersplitterung des Marktes. In den USA machen die fünf größten Player der Branche gerade einmal 20 Prozent des gesamten Marktes aus. Insgesamt ist die Logistik von kleinen und spezialisierten Firmen geprägt. Daraus ergibt sich die Gelegenheit, Marktanteile abzugreifen und auf einen effizienten Akteur zu vereinen. Weil gerade die große Zahl kleinerer Unternehmen stets Schwierigkeiten hat, eine volle Auslastung zu erreichen, bietet Convoy eine interessante Technologie für einen Milliardenmarkt. Gleichzeitig holt sich Google eine Kompetenz ins Haus, die auch für eine andere Entwicklung in der Logistik von Interesse sein dürfte. Mit Waymo ist die Google-Mutter Alphabet bereits in der Entwicklung autonom fahrender LKW aktiv. Das Unternehmen bietet seine Dienste bereits an eine kleine Zahl von Kunden an. Das autonome Fahren alleine wird die strukturellen Probleme der Branche allerdings nicht beheben können. Deswegen stellt die Ergänzung mit Convoy eine wichtige Schnittstelle in die Branche dar.
Starke Konkurrenz ist ein Risiko

Neben den enormen Chancen, die Convoy mit seinem Produkt auf dem Markt hat, stehen allerdings auch einige Risiken. Vor allem die bereits aktive Konkurrenz im Bereich der Zuteilung von Transportkapazitäten ist stark. Uber, das bereits das Taxigewerbe weltweit aufgemischt hat, ist ebenfalls seit einiger Zeit mit Uber Freight in der Logistik aktiv und bietet ähnliche Dienstleistungen wie Convoy. Dabei kann es auch auf seine bisherigen Erfahrungen mit der Vermittlung von Taxifahrten zurückgreifen. Ebenfalls in der Branche aktiv sind Tesla oder Mercedes-Benz mit eigenen Lösungen im Bereich des autonomen Fahrens. Den fragmentierten Markt für sich entscheiden kann am Ende vermutlich nur derjenige mit den smartesten Lösungen. Auf diesem Weg ist Alphabet nun einen Schritt weitergekommen und setzt auch seine Akzente auf einen bedeutenden Aspekt des Transportgewerbes: gute Auslastung.