Rolf Tilmes
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Crowdinvesting – smarte Idee, aber nicht für Jedermann

Crowdfunding erfreut sich bei Investoren zunehmender Beliebtheit. Doch es macht Sinn, sich vorher genau mit den Risiken auseinanderzusetzen, empfiehlt CAPinside-Experte Professor Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB) in seiner aktuellen Kolumne.

Crowdinvestments locken immer mehr private Anleger mit hohen Renditeversprechen, geringen Mindestanlagesummen und einfachstem Zugang per Mausklick. Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach Crowdfunding wächst. Laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale Hessen spielt jeder siebte Bürger hierzulande mit dem Gedanken, künftig Geld über Crowdfunding-Plattformen anzulegen. 

Denn die Idee dahinter ist simpel: Die Crowd (zu deutsch Menschenmenge) beteiligt sich mit kleinen Beträgen an jungen Unternehmen, an Immobilien, an grünen Projekten oder gar an einer Filmproduktion. Dafür bekommen sie eine Verzinsung, die weit über der marktüblichen Rendite liegt.

Allerdings bekommen die Investoren nicht in jedem Fall einen finanziellen Ertrag. Vielmehr müssen Anleger vier verschiedene Arten des Crowdfundings unterscheiden. Bei der spendenbasierten Variante geben die Geldgeber Kapital für einen bestimmten Zweck, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen. Beim gegenleistungsbasierten Crowdfunding erhalten sie zumindest eine symbolische Gegenleistung. Das könnte bei der Finanzierung eines Buchprojekts zum Beispiel das am Ende fertig gedruckte Buch sein, aber kein Geld.

 

Von Zinszahlungen profitieren

Das ist beim so genannten Crowdlending oder dem kreditbasierten Crowdinvesting anders: Wie der Name sagt, geht es hier um die Vergabe eines Kredits, den der Empfänger seinen Kreditgebern am Ende der zuvor festgelegten Laufzeit zurückzahlt. Zudem können Anleger bei dieser Art des Investments, sofern vereinbart, zusätzlich von regelmäßigen Zinszahlungen während der Laufzeit profitieren.

Die populärste und für manche Anleger vielleicht auch attraktivste Art der Investition dürfte  das Equity-based Crowdfunding sein, bei dem der Anleger sich an einem Unternehmen, in der Regel eine noch junge Firma oder ein Startup, beteiligt. Dies ist mit der Vergabe von Risiko- oder Wachstumskapital im Rahmen von Venture Capital oder Private Equity vergleichbar. Die Idee dabei ist, dass die Firma mit ihrer Geschäftsidee oder ihrer Expansionsstrategie erfolgreich ist, ihr Wert dadurch steigt und sie schließlich ihren Investoren ein Rückkaufangebot macht, das deutlich über dem Wert der ursprünglichen Beteiligung liegt. 

Diese Art der Finanzierung hat aus volkswirtschaftlicher Sicht durchaus seine Berechtigung. Schließlich verschwinden immer wieder viele – vielleicht auch gute – Geschäftsideen mangels Finanzierungsmöglichkeiten in der Schublade. Oder Unternehmen können Wachstumschancen nicht wahrnehmen, weil ihnen der Zugang zum nötigen Kapital fehlt. Genau dafür erscheint Crowdfunding eine gute Lösung zu sein. Zudem gilt es nicht zu vergessen, dass Unternehmen dadurch auch die eigene Bekanntheit steigern können und unter Umständen sogar Zugang zu einem Netzwerk bekommen, das die Entwicklung der eigenen Firma voranbringt.

 

Im schlimmsten Fall kommt es zum Totalverlust

Ebenso ist das Interesse auf Investorenseite gut nachvollziehbar. Schließlich leben wir in einem Umfeld mit nach wie vor extrem niedrigen Zinsen, in dem Bankeinlagen keinen Ertrag abwerfen und die Inflation das reale Vermögen auffrisst. Anleger sind deshalb laufend auf der Suche nach höher rentierlichen Anlagen. Tatsächlich bietet Crowdlending beispielsweise Verzinsungen im mittleren einstelligen Bereich. Beim Equity-based Crowdinvesting ist die Phantasie bezüglich der zu erzielenden Renditen sogar nach oben offen.

Dazu kommt noch etwas, was gerade diese letztgenannte Variante, also die Finanzierung über Eigenkapital, besonders interessant erscheinen lässt: Während Private-Equity- oder Venture-Capital-Investments häufig nur ab höheren Anlagebeträgen zugänglich sind, können sich Privatanleger bei der Schwarmfinanzierung bereits mit kleinen Beträgen auf eine  vergleichbare Art und Weise an Startups oder jungen Firmen beteiligen.

Doch genau an dieser Stelle sollten sich Privatanleger einen solchen Schritt sehr genau überlegen. Denn was niemand vergessen darf: Eine hohe und attraktive Rendite gibt es nur unter Inkaufnahme entsprechend hoher Risiken. Und das bedeutet in diesem Fall schlicht und ergreifend den Totalverlust des eingesetzten Geldes. Scheitert die Firma oder geht das Immobilienprojekt schief, dann wird auch der Anleger kein Geld zurückbekommen.

 

Geschäftsidee genau analysieren

Crowd-Investoren kommen deshalb nicht darum herum, sich den Businessplan sowie das Zahlenwerk eines Unternehmens zusätzlich selbst gründlich anzusehen. Dabei ist auch von besonderer Bedeutung, dass ein Anleger die Firma und deren Geschäftsidee komplett versteht.

Dabei gilt es aber auch zu berücksichtigen, dass es selbst im Private-Equity- oder Venture-Capital-Bereich vorkommt, dass Investments – trotz gründlichster Analyse durch erfahrene Profiinvestoren – abgeschrieben werden müssen. Das heißt, Anleger müssen auch beim Crowdinvesting damit rechnen, dass es zu Ausfällen kommt. Wer also folglich mit dem Schwarm investieren will, sollte auf keinen Fall sein ganzes Geld auf ein Pferd setzen, sondern das Risiko streuen und in verschiedene Projekte investieren.

 

Professor Dr. Rolf Tilmes ist Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB)