Daimler-Aktie sinkt nach Gewinnwarnung

Neben dem Handelskonflikt zwischen China und Amerika und der sich ausweitenden Dieselaffäre, hat Daimler am Mittwochabend eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Gestern brach der Kurs der Daimler-Aktie um 4,29 Prozent ein.

Am späten Mittwochabend hat Daimler mitgeteilt, dass das operative Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres voraussichtlich unter dem Vorjahreswert von 14,7 Milliarden Euro liegen wird. Die Prognoseänderung – bisher ging der Autohersteller von einem Gewinnwachstum aus – ist in erster Linie auf die Auseinandersetzung zwischen den USA und China zurückzuführen. Damit ist der Handelskonflikt definitiv in Deutschland angekommen.

 

Handelskonflikt und Dieselskandal machen Daimler zu schaffen

Die Chinesen wollen als Retorsionsmaßnahme auf die dieses Jahr verhängten Strafzölle der Trump-Administration im Juli die Einfuhrabgaben auf US-Autos von 25 auf 40 Prozent erhöhen. Daimler ist davon betroffen, weil der Autokonzern einen Teil seiner Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten produziert. Insbesondere die in China beliebten SUVs der GLE- und GLS-Klasse stammen aus dem Werk in Vance im US-Bundesstaat Alabama. Die Daimler-Verantwortlichen erwarten deshalb, dass die chinesische Nachfrage nach Geländelimousinen zurückgehen wird. Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem das Stuttgarter Unternehmen zu kämpfen hat. Zu schaffen macht ihnen auch die Dieselaffäre. Da bei diversen Mercedes-Modellen unzulässige Abgasmanipulationen festgestellt wurden, hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer den Rückruf von 238.000 Fahrzeugen angeordnet. Europaweit muss Daimler sogar 774.000 Dieselfahrzeuge – Vans der Modellreihe Vito, Autos der C-, E- und S-Klasse sowie verschiedene SUVs – zurückrufen. Ein weiterer Faktor, der die Ertragsaussichten von Daimler schmälert, sind die Kosten im Zusammenhang mit der Umstellung auf das weltweit harmonisierte Abgasmessverfahren WLTP. Darüber hinaus ist die Bus-Sparte des Stuttgarter Autokonzerns von einem Nachfragerückgang in Lateinamerika betroffen.

 

 

Geteilte Analystenmeinungen

Analysten beurteilen die Gewinnwarnung unterschiedlich. So stuft die DZ Bank die Daimler-Aktie von "Halten" auf "Verkaufen" zurück und senkt das Kursziel von 63 Euro auf 49 Euro. JPMorgan setzt hingegen weiterhin auf "Übergewichten" und erachtet einen Kurs von 85 Euro als realistisch. Auch die Deutsche Bank und die UBS halten an ihren Kaufempfehlungen fest. Sie rechnen mittelfristig mit einem Kurs von 90 Euro beziehungsweise 92 Euro. UBS-Analyst Patrick Hummel erwartet zwar einen um fünf bis sieben Prozent kleineren Betriebsgewinn. Die Aussicht auf eine Umstrukturierung – etwa auf einen Verkauf der Lkw-Sparte – könne jedoch Bewegung in die Kurse bringen. Allerdings zeigte die Bewegung am Donnerstag vorerst nach unten. Die Daimler-Aktie verlor 4,29 Prozent und schloss bei 58,04 Euro. Die Konkurrenten Volkswagen und BMW, die weitgehend unter denselben Problemen leiden wie Daimler, verloren mit 3,98 Prozent respektive 3,03 Prozent ebenfalls deutlich.