Das analoge Logbuch wird mit Nautiluslog endlich digital

Nehmen wir zum Beispiel ein Containerschiff auf dem Wege nach Japan. Jede Stunde, so die Anweisung, hat der Kapitän seine Logbucheinträge zu ergänzen. Zu den Notizen gehören unter anderem:

 

  • die Geschwindigkeit
  • der aktuelle Kurs
  • die Wetterverhältnisse und ihre Änderungen
  • gegebenenfalls die Abdrift von der Planroute
  • korrigierende Fahrmanöver

 

Damit ist die Führungsmannschaft zu jedem Zeitpunkt im Bilde des Geschehens und die notwendigen Schichtwechsel stellen keine Gefährdung des Unterfangens dar. Dieses Logbuch-Verfahren geht schon auf die alten Seefahrer des 17. Jahrhunderts zurück und hat sich im Prinzip bewährt, allein, die Tatsache, dass auf so manchem Schiff schon mal zehn Logbuch-Versionen parallel zueinander kursieren, ist wahrscheinlich ein Grund für das schöne alte Liedchen: „Eine Seefahrt, die ist lustig.“

 

Mit der digitalen App von Nautiluslog wird alles eindeutig

Nun hat ein junges Hamburger Familienunternehmen eine App entwickelt, die dem guten alten analogen Logbuch an den Kragen will. Die Galionsfiguren dahinter sind die jungen Informatiker Otto Klemke und Sven Hamer, beide 35 Jahre alt, sowie der 68-jährige Physiker Ingo Klemke, der Vater von Otto Klemke.

Moritz Klemke, ein Bruder von Otto Klemke, war beruflich lange Jahre für große Schiffsklassen tätig, und zwar als nautischer Sachverständiger. In dieser Eigenschaft war er auch viel in Asien unterwegs und äußerte sich eines Tages erstaunt darüber, dass sich deutsche Kapitäne für äußerst fortschrittlich halten, wenn sie ihr Logbuch digital als Excel-Liste führen. Dies war Anstoß genug, für die Gründung der Firma Nautiluslog GmbH etwas Geld in die Hand zu nehmen und sogleich mit den Programmierarbeiten zu beginnen.

Beispielsweise kann das Schiff per GPS automatisiert getrackt werden, indem die Positionsdaten im Hintergrund permanent ins digitale Logbuch eingetragen werden, wobei die Erfassungsrate vom Anwender frei wählbar ist. Bei eher seltenen oder plötzlichen Änderungen von Parametern erinnert eine Push-Benachrichtigung daran, dass das besondere Ereignis dokumentiert werden möge. Als Beispiel dafür sei der rechtzeitige Treibstoffwechsel genannt, um den Bedingungen in der Emissionskontrollzone (ECA) zu genügen.

All diese Daten werden in einer Datei zusammengeführt und in der Cloud immer wieder synchronisiert. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass alle Besatzungsmitglieder zu jedem Zeitpunkt auf die aktuelle, eindeutige Logdatei zugreifen.

 

Auf der Suche nach den Kunden

Tatsächlich hat wohl eher die Mehrzahl aller Kapitäne seit geraumer Zeit Bleistift und Papier gegen unterschiedliche digitale Datenerfassungssysteme getauscht. So wurde und wird zum Beispiel viel mit vorgefertigten Makros für Excel-Tabellen gearbeitet. Doch die Auswertung der erhobenen Daten kann bei diesen Lösungen erst später an Land richtig vorgenommen werden.

Das Freemium-Modell von Nautiluslog ist in seiner Grundausstattung kostenlos zu haben. Mit den hier integrierten Tools können die Schiffsbetreiber schon einen wesentlichen Teil ihrer Dokumentation anfertigen. Wer aber den hilfreichen Cloud-Zugang möchte und die ständig aktualisierten Informationen zur Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften erhalten will, bekommt diesen Service für eine monatliche Gebühr.

Ein Interesse an dieser digitalen Lösung für die zunehmenden Dokumentationspflichten ist bei den Reedern sehr wohl erkennbar, dennoch reden wir hier von einer eher konservativ ausgerichteten Branche, die unter einem hohen Wettbewerbsdruck zu kämpfen hat. Es sind gerade die vielen, verängstigend wirkenden Regulierungen, die einer Innovation diametral gegenüberstehen.

Das Kürzel IHM steht für "Inventory of Hazzardous Materials". Dahinter verbirgt sich die gewiss kommende Verpflichtung der Schiffseigner, alle Gefahrstoffe an Bord zu dokumentieren. Dies gilt dann für alte und neue Schiffe gleichermaßen. Im Jahre 2020 muss jeder Reeder vollständige, überprüfbare Listen für alle seine Schiffe vorlegen können.

Genau diese wichtige Funktion beinhaltet nun die Nautiluslog-App. Anfang des Jahres 2018 wurde während der Tour eines Containerschiffs von Hamburg nach Rotterdam eine solche Bestandsaufnahme sehr erfolgreich durchgeführt. In der Konsequenz führt Nautiluslog zurzeit verschiedene Verhandlungen über Preise und Zertifizierungen. Aus Sicht der Firmenleitung gibt es ein sehr großes Potenzial an Kunden für die App. Weltweit sind heute über 78.000 Schiffe mit einem Gesamtgewicht von circa 100 Gigatonnen auf den Weltmeeren unterwegs. Für all diese Schiffe bedeutet die Nautiluslog-App eine Bereicherung. Geht man von einem Marktanteil von nur fünf Prozent aus und rechnet mit einer Einnahme von 1.000 Euro pro Jahr und Schiff, ergibt sich daraus ein beachtliches Marktpotenzial von 3,9 Millionen Euro.

Das erste frische Geld soll nach Einschätzung der Firmenleitung schon in diesem Jahr fließen. Bis das Unternehmen wirklich profitabel arbeiten kann, dauert es noch einige Zeit, die aber gut genutzt werden kann, indem externe Investoren von der profitablen Mitfahrt auf Nautiluslog überzeugt werden. Die Investitionssumme, die hier zu stemmen ist, ist mit 500.000 bis eine Million Euro vergleichsweise gering. Gebraucht wird das Geld vor allem für die Schaffung von Arbeitsplätzen, indem weitere Entwickler Nautiluslog hochgradig professionell ausbauen.