Das Autodaten-Startup Otonomo greift Google und Apple an

Otonomo, ein israelisches Startup, fokussiert den Aufbau eines eigenen Marktes für Fahrzeugdaten. Dieser Markt soll Automobilhersteller dabei unterstützen sich gegen Datenriesen wie Google oder Apple zu schützen.

Daten werden für die Automobilindustrie immer wichtiger 

Das Autofahren wird zu einem Geschäftsmodell für Unternehmen mit einem Datenfokus. Bereits heute sind moderne Fahrzeuge voller Sensoren, sodass ein durchschnittliches Fahrzeug bereits mehr als 25 Gigabyte Daten pro Stunde produziert. Dahingegen produziert ein autonomes Fahrzeug rund 4.000 Gigabyte an Daten pro Tag. Etwas verwunderlich ist dahingegen der Umstand, dass diese Daten kaum genutzt werden. Otonomo möchte diesen Umstand nachhaltig verändern und entwickelt aus diesem Grund einen Marktplatz für Fahrzeugdaten. Auf diesem Marktplatz sollen die Daten anschließend an ein Ökosystem von Dienstleistungsanbietern verkauft werden.

Ben Volkow, der Geschäftsführer des Startups, erklärte die Strategie des Unternehmens im Rahmen eines Interviews mit dem Blog „2025 AD“. Demnach möchte das Unternehmen die Daten für Fahrer, Passagiere und das Transport-Ökosystem besonders wertvoll machen. Somit sollen die Automobilkonzerne eine Chance erhalten, um sich vor Anbietern wie Apple oder Google zu schützen. Als besonders relevanten Use-Case hat das Unternehmen etwa das vernetzte Auto mit Crash-Erkennung identifiziert. Dieses kann automatisch Ersthelfer informieren und Informationen zur Personenanzahl oder zur Unfallschwere bereitstellen. Auch intelligente Städte können vom Angebot des Startups produzieren und beispielsweise die Qualität der Infrastruktur anhand von Fahrdaten bewerten. Die Stauschwerpunkte können durch die Auswertung der Fahrzeugdaten ausgelesen und angepasst werden. Des Weiteren werden auch Versicherungen und Flottenmanager vom Angebot der Fahrzeugdaten profitieren.

 

Ökosystem umfasst bereits 75 Partner 

Das Startup ist sich bewusst, dass Daten und vernetzte Fahrzeuge das Leben der Menschen nachhaltig beeinflussen werden. Aus diesem Grund fokussiert sich Otonomo auf die Verbindung der Nutzer mit dem Interface des Fahrzeugs. Laut den Aussagen des CEOs sollen die Nutzer an der Mittelkonsole des Fahrzeugs hängen, wie dies auch bei Smartphones der Fall ist. Ein Fahrer eines autonomen Fahrzeugs soll keinen Grund besitzen, einen Blick auf das Smartphone zu werfen, während das Fahrzeug unterwegs ist. Um dieses Ziel zu realisieren, hat Otonomo ein Ökosystem entwickelt, welches bereits heute mit 75 auftrumpfen kann. Unter diesen Partnern befinden sich mitunter auch Automobilhersteller, die Daten zur Verfügung stellen oder vermarkten. Der zentrale Faktor bei diesem Geschäftsmodell ist jedoch der Autofahrer, dessen Einverständniserklärung vorliegen muss, um eine Datennutzung zu realisieren. Um die Nutzer von der Sicherheit der Plattform zu überzeugen, setzt das Unternehmen auf die neue Datenschutzrichtlinie, die den Schutz des Nutzers in den Vordergrund stellt.

 

Otonomo ist bereits Volkows drittes Startup 

Laut Volkow wird sich das Geschäft durch die Innovation des Startups nachhaltig verändern. Automobile Daten werden immer wichtiger und die Auswirkungen auf Fahrer sowie die gesamte Transport-Ökonomie werden spürbar sein. So werden beispielsweise Fahrzeugsensoren über den Verschleiß von Komponenten berichten und frühzeitig Termine zur Wartung vereinbaren. Somit sollen langfristig teure Reparaturen verhindert werden. Solche Innovationen werden langfristig auch dazu beitragen, dass ein neuer Markt für Fahrzeugdaten entsteht, von dem Fahrer, Hersteller und Dienstleister profitieren können. Die Idee für Otonomo bekam der Unternehmer bei seinem früheren Startup. Nachdem er den entscheidenden Einfall hatte, kündigte er seine Stelle als Geschäftsführer und gründete das Startup.