Das nahe Ende für den globalen Immobilienmarkt

Aufgeheizter Immobilienmarkt kurz vor dem Abschwung

Die Navy Yard, welche sich am Anacostia River in Washington befindet, galt für mehr als 160 Jahre als Produktionsstätte der mächtigsten Schlachtschiffe der Welt. Nun da die gesamte Branche von Hightech-Lenkwaffen überholt wurde, ist aus der ehemaligen Produktionsstätte ein angesagtes Quartier im Zentrum der US-amerikanischen Hauptstadt geworden.

Das Bild des rund einen Quadratkilometer großen Geländes wird nun von Wohn- und Bürohäusern geziert. In den Erdgeschossen befinden sich Geschäfte und Restaurants. Die darüberlegenden Wohnungen werden dahingegen rasant vermietet. Laut Andreas Löcher, dem Leiter des Hotelinvestment-Geschäfts der Union Investment Real Estate sieht den Standort als einen Magneten für Trendsetter. Dies ist einer der Gründe, warum die Immobilienfondsschmiede der Volks- und Raiffeisenbanken seit März zu den Investoren dieses wachsenden Viertels gehört. Im Rahmen des Investments wurden rund 120 Millionen Dollar in das neuerbaute „Thompson Lifestyle-Hotel“ investiert.


Steigende Anzahl konservativer Anleger investiert in Hotels

Das Relevante an diesem Investment ist der sich abzeichnende Trend, welcher sich am globalen Immobilienmarkt zu erkennen gibt, denn Investoren legen immer häufiger Hotels in die eigenen Portfolios. Ein weiteres repräsentatives Beispiel ist die Bayerische Versorgungskammer, die gegen Ende des vergangenen Jahres in das Hamburger „Moxy-Hotel“ investierte. Der Hauptgrund für diese Entwicklung sind die attraktiven Renditen, welche durch den Erwerb von Büro- und Wohnimmobilien kaum mehr erzielt werden können. Das liegt an den Kaufpreisen, die sich noch nicht so stark von den Mietpreisen entkoppelt haben.

Wie Henrik Hertz, der Sprecher des Maklerverbunds Deutsche Immobilien-Partner berichtet, lassen sich durch solche Investments Renditen von rund 5,7 Prozent erzielen, wohingegen Wohnungen und Büros teilweise weniger als drei Prozent abwerfen.

Aufgrund dieser Entwicklung hätten Profiinvestoren im vergangenen Jahr Herbergen im Wert von 52,1 Milliarden Euro erworben. Somit konnte dieser Investmentzweig ein Wachstum von 242 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnen. Diese Entwicklung wird durch die steigenden Geschäfts- und Urlaubsreisenden angekurbelt. Allein im letzten Jahr wurden sieben Prozent mehr Reisen auf dem globalen Markt registriert. Eine besondere Entwicklung konnte bei den Hotelinvestments auf dem europäischen Markt verzeichnet werden, denn dieser wuchs um 17,5 Prozent. Dahingegen legte der Büromarkt nur um 4,4 Prozent zu.

Auf dem deutschen Markt sind Hotelimmobilien ebenfalls ein gefragtes Investment, sodass allein im vergangenen Jahr Immobilien im Wert von vier Milliarden Euro den Besitzer wechselten. Rund 50 Prozent dieses Geldes kam von ausländischen Investoren.



Niedrigzinsphase stützt die Nachfrage

Laut den Experten der Immobilienberatungsgesellschaft Catella sind Investments in Spezialimmobilien wie Hotels erst bei einem zu hohen Preisniveau in den anderen Immobilienklassen gefragt.

Doch ein baldiger Abschwung ist weiterhin nicht zu erwarten, denn die niedrigen Zinsen sowie die geringen Renditen der Anleihenmärkte sorgen weiterhin für eine hohe Nachfrage durch professionelle Investoren. Doch auch der Hotelmarkt zeichnet sich mittlerweile durch ein steigendes Preisniveau und somit sinkende Renditen aus. So ging allein in Deutschland die Nachfrage nach den Spezialimmobilien um 40 Prozent zurück. Solch ein Rückgang sei zwar nicht in jedem Quartal zu erwarten, denn die volatilen Märkte könnten erneut die Nachfrage ankurbeln. Dennoch sehen die Experten einen klaren Trend, welcher sich in der Verknappung passender Immobilen abzeichne.