Das Vermögen der Deutschen schmilzt

Den Deutschen schmilzt ihr Vermögen dahin. Laut einem aktuellen Bericht der Bundesbank erhalten erstmals seit mehreren Jahren die Deutschen negative Renditen auf ihr Privatvermögen.

Der deutsche Sparer hat es nicht leicht. Erstmals seit 6 Jahren befindet sich das durchschnittliche Vermögen der deutschen Privathaushalte im Negativ, stellte die Bundesbank in ihrem Monatsbericht fest. Für das erste Quartal 2018 lag die Gesamtrendite eines durchschnittlichen deutschen Haushaltes bei minus 0,8 Prozent. In ihrem im August veröffentlichten Monatsbericht berücksichtigte die Bundesbank die Geldbestände, Ansprüche gegenüber Versicherungen, Aktien und Fonds. Aufgrund der komplizierten Preisbestimmung wurden Immobilien nicht berücksichtigt.

Die Bundesbank orientiert sich bei ihren Berechnungen an der Struktur des Geldvermögens in Deutschland. 40 Prozent der deutschen privaten Vermögen liegen in Bankeinlagen und Bargeld. Die Ansprüche gegen Versicherungen, zum Beispiel in der Form von Lebensversicherungen, machen 30 Prozent aus. Anlagen betragen lediglich 10 Prozent des Vermögens privater Haushalte.
 

Inflation und niedrige Zinsen machen Sparern zu schaffen

Die Inflation liegt in Deutschland schon seit Jahren bei stabil 1,5 bis 2 Prozent und reduziert dadurch die bislang schon geringen Normalrenditen. In 2016 betrug die Inflation noch gerade mal 0,5 Prozent, in 2017 lag sie bei 1,8 Prozent und im Juli diesen Jahres lag sie bereits bei 2,0 Prozent. Der Aktienmarkt lieferte letztes Jahr noch gute Renditen. Im ersten Quartal sind die Aktienkurse jedoch gefallen. Noch schwerer wiegt die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Aufgrund der fehlenden Zinsen der EZB sind die Renditen der Bankeinlagen so niedrig wie noch nie.
 

Die Nullzinspolitik der EZB

Damit wird eine lange geführte Debatte zwischen den Gegnern und Unterstützern der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wieder angefacht. So sieht der Bundesbankpräsident Jens Weidmann in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein, dass die Nullzinspolitik der EZB auf Dauer der über Jahrzehnten aufgebauten Altersvorsorge der Menschen schadet.

Den Unmut der deutschen Sparer über die Nullzinspolitik der EZB kann der Bundesbankpräsident nachvollziehen. In dem Interview weist er daraufhin, dass es in der Vergangenheit bereits negative Realzinsen gab. Dabei waren laut einer Studie der Bundesbank negative Realzinsen in der Vergangenheit eher die Regel als die Ausnahme. Negative Realzinsen bedeuten, dass das Sparvermögen auch nach Abzug der Inflation schrumpft. Schon von 2001 bis 2008 gab es laut dem Bericht negative Realzinsen.

 

Wann kommen die Zinserhöhungen?

Befürworter der Nullzinspolitik weisen daraufhin, dass die Entscheidungen der EZB auch viele Vorteile mit sich bringen. So nutzen die nicht vorhandenen Zinsen vor allem den Ländern und Gemeinden. Privatleuten ermöglichen die Nullzinsen leichter, sich ein Eigenheim anzuschaffen und ein ebenso positiv empfundener Effekt sind niedrigere Steuern. Außerdem sei die Einstellung der EZB von Vorteil für Deutschland während der Finanzkrise gewesen. Auch das gute Wachstum der deutschen Wirtschaft und die niedrige Arbeitslosigkeit sei auf die Politik der EZB zurückzuführen.

Jedoch deutet Jens Weidmann in dem Interview auch an, dass die Europäische Zentralbank in der Zukunft die Zinsen anheben wird, wenn sich die geldpolitische Normalisierung wiedereinstellt. Die jüngsten Entscheidungen der EZB deuten an, dass es bald zu einer Umstellung der Nullzinspolitik der EZB kommen könnte. Noch bis zum Ende des Jahres will die Europäische Zentralbank Anleihen kaufen, dann könnte die erste Zinserhöhung folgen. Gleichzeitig weist Weidmann darauf hin, dass sich das deutsche Portfolio doch relativ gut rentiert hat. So gab es 2016 noch 0,9 Prozent, 2017 dann 1,4 Prozent. Laut den neuesten Zahlen der Bundesbank liegt das Geldvermögen privater Haushalte auf einem Rekordniveau von 5.875 Milliarden Euro. Jedoch ist es kaum gewachsen.