Das Volk der Sparer und nicht der Aktionäre

Dass die deutschen Anleger eher von der konservativen Sorte sind, ist Fondsmanagern weltweit bewusst. Sie scheuen das Risiko der Aktienmärkte und setzen lieber auf bewährte Anlageformen, selbst wenn diese nur eine immer kleinere Rendite bieten. Mit der konservativen Strategie verlieren die deutschen Anleger Tag für Tag Geld. Gerade in der heutigen Zeit lässt sich mit der richtigen Strategie auch an der Börse ohne großes Risiko handeln.

Schon seit vielen Jahren werden die Deutschen für ihre eher konservativen Anlagegewohnheiten belächelt. Geprägt wurden diese vor allem durch die Finanzskandale der letzten Jahre. Bis heute weigern sich viele Menschen in Deutschland, vorhandenes Kapital in Fonds, den Aktienmärkten oder anderen vermeintlich riskanten Anlageformen zu investieren. Das geht so weit, dass sie auf Geld bei der Anlage und beim Vermögensaufbau verzichten. Die Fondsgesellschaft Flossbach von Storch wollte es genau wissen und hat interessante Zahlen zu den Angewohnheiten der Deutschen veröffentlicht.

10.000 Bürger wurden befragt und offenbarten, dass alleine 2 Billionen Euro an Sparguthaben auf niedrig verzinsten Konten liegen. Zehn Prozent der Anleger investieren ihr Geld exklusiv in Festgelder, Tagesgelder, Sparbücher oder andere Anlageformen mit einer geringen Rendite. Basierend auf den Ergebnissen aus der Umfrage wurden insgesamt sieben Erkenntnisse entwickelt, die einen Einblick in das deutsche Anlageverhalten gegeben.


1. Festgeld und Tagesgeld sind die Dauerbrenner

Bei der Umfrage wurde gefragt, wie die Anleger 100 Euro jeden Monat nach der Geburt eines Kindes investieren würden. 55 Prozent der Befragten antworteten, dass sie ein Sparbuch, Festgeld oder Tagesgeld wählen würden. Sicherheit ist ihnen so wichtig, dass sie eine kleine Rendite bevorzugen würden. Stattdessen lohnt sich aber auch hier ein Investment auf dem Aktienmarkt: Gerade diejenigen, die langfristig investieren wollen, haben mit dem Aktienmarkt eine deutlich bessere Rendite bei gleichzeitig hoher Sicherheit. Kurzfristige Schwankungen sind egal, wenn über ein Jahrzehnt Zeit ist, auf eine Rendite zu hoffen.


2. Frauen und junge Menschen sind besonders vorsichtige Anleger

Gerade die weiblichen Befragten zeigen besondere Vorsicht bei der Antwort. 30 Prozent von ihnen würden ein Girokonto oder ein Sparbuch wählen - bei Männern sieht das Verhältnis anders aus. Interessanterweise sind auch junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren am ehesten bereit, das Geld in eine fest verzinste und konservative Anlage wie ein Sparbuch zu investieren.


3. Keine Veränderungen in der Null-Zins-Phase

Nach dem Ende der Finanzkrise 2008 begannen die Zentralbanken mit einer Null-Zins-Politik. Das sorgte auch dafür, dass die ohnehin geringen Renditen von Tagesgeld und Festgeld noch weiter gesunken sind. Allerdings hat es zu keiner Veränderung bei den Anlegern geführt. Nur rund ein Drittel hat die eigenen Angewohnheiten bei der Geldanlage überdacht. Vor allem Männer und ältere Bürger waren bereit, sich auf neue Möglichkeiten einzulassen.


4. Schwankungen gehören zu den größten Ängsten

Ein Grund für den fehlenden Mut für das Investment am Aktienmarkt sind die Schwankungen. Anleger fürchten, dass sie zum falschen Zeitpunkt an ihre Ersparnisse müssen und dann in der Situation sind, dass das Portfolio gerade zu wenig wert ist. Entsprechend scheuen sie die Börsen, bei denen periodische Niedrig-Phasen absolut normal sind.


5. Menschen mit niedrigen Einkommen zögern am meisten

Gerade im Niedriglohn-Bereich und gerade jene mit wenig verfügbarem Kapital sind darauf angewiesen, gute Möglichkeiten und gute Renditen zu finden. Allerdings sind es auch gerade diese Gruppen, die am wenigsten in Fonds oder an den Börsen investieren. Dabei sind es diese Menschen, die am ehesten im Alter von entsprechenden Renditen leben müssen. Hier braucht es eine bessere Beratung und Unterstützung bei der Suche nach einer guten Anlage.


6. Der Vermögensaufbau wird zu spät begonnen

Aufbau von Vermögen ist eine der wichtigsten Aufgaben in der heutigen Zeit. Die Rentensysteme ächzen und es ist nicht sicher, inwiefern die Absicherung für das Alter in zehn oder zwanzig Jahren aussehen wird. Entsprechend wichtig ist es, dass bereits jetzt vorgesorgt wird. Allerdings beginnen viele Deutsche zu spät damit, sich mit Anlagen zu beschäftigen. Erst bei den 50-59-Jährigen wird eine Quote von knapp 50 Prozent erreicht.


7. Die Deutschen haben einen falschen Blick auf die Realität

Ein oder zwei Prozent sei die Wunschrendite vieler Anleger in der Befragung. Gleichzeitig investieren sie ihr Geld aber in Anlageformen, die maximal eine Rendite von rund 0,4 Prozent pro Jahr hergeben. Es wird deutlich, dass viele deutsche Anleger mangelnde Erkenntnisse über die Realität an den Anlagemärkten haben. Auch hier braucht es mehr Aufklärung und eine Unterstützung durch Banken oder Fonds, die auf Möglichkeiten hinweisen und dabei helfen, passende Anlagen zu finden.