„Das Warenhaus lebt!“ – erstmals seit 12 Jahren Gewinne bei Karstadt

Die 2009 vom damaligen Vorstandschef Karl-Gerhard Eick ausgegebene Durchhalteparole, als das Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren gegen Karstadt eröffnete, erweist sich endlich für das Unternehmen mehr als nur ein frommer Wunsch.

Die 2009 vom damaligen Vorstandschef Karl-Gerhard Eick ausgegebene Durchhalteparole, als das Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren gegen Karstadt eröffnete, erweist sich endlich für das Unternehmen mehr als nur ein frommer Wunsch.

Erstmals Gewinne nach Sanierungsprogramm bei Karstadt

Das radikale Sanierungsprogramm unter dem neuen Eigentümer, dem Österreicher René Benko und seiner Signa-Gruppe, die Karstadt 2014 übernommen hatte, zeigt Wirkung. Die Warenhausgruppe Karstadt hat im abgelaufenen Geschäftsjahr nach 12 Jahren erstmals wieder einen Nettogewinn erzielt. Das Essener Unternehmen hat das vergangene Geschäftsjahr nach Angaben des Karstadt-Chefs Stephan Fanderl mit einem Plus von 1,4 Millionen Euro beendet.

Schon im Vorjahr waren die Verluste deutlich zurückgegangen. Der Gewinn soll direkt wieder in das Unternehmen investiert werden. Der Stellenabbau soll zu einem Ende kommen und neue Warenhäuser eröffnet werden. Schon in den nächsten Monaten wird eine neue Filiale im Tegel-Center Berlin eröffnen.

Innerstädtische Warenhäuser gezielt ausgelastet

Die Produktivität der Verkaufsflächen werde durch die teilweise Vermietung an Drogeriefilialen von dm, Aldi, Edekaoder Apollo Optik besser ausgeschöpft. Nachdem man intern eine Studie zur Handelsstruktur der einzelnen Städte mit Karstadt-Niederlassungen durchgeführt habe, könne man sich gezielt nach lokalen Bedürfnissen richten. Nach deren Analyse entscheide man beispielsweise, ob eine Karstadt-Filiale Lebensmittel verkaufe, welches Preissegment bedient werde und welche Partner - wie beispielsweise Backwerk oder goAsia - vor Ort für eine Zusammenarbeit ausgewählt würden.

Logistische Vorteile der Karstadt-Warenhäuser erfolgreich genutzt

Die eigenen Filialen werden auch erfolgreich in das logistische Netzwerk des Unternehmens eingebaut. Aus 30 Häusern wird direkt Ware versandt, die online bestellt wurde. Bis zum Jahresende soll sich die Anzahl der an diesem Versandkonzept partizipierenden Filialen mehr als verdoppeln. Das damit dezentral organisierte Verteilungssystem der zuzustellenden Bestellungen verschaffe Karstadt einen logistischen Wettbewerbsvorteil gegenüber Firmen mit Zentrallagern. Lieferungen könnten aus innerstädtischen Warenhäusern, die Teile ihrer Lagerflächen für den Online-Handel nutzen, viel schneller und in klarer definierten Zeitfenstern erfolgen.

Die Digitalisierung und die Verknüpfung des E-Commerce mit dem stationären Geschäft sollen weiter im Fokus der Unternehmensentwicklung stehen. Karstadt verweist auf die Erfahrungen und das erworbene Digitalisierungswissen von Signa Retail, der Mutterfirma, die den Internethändler für Sportbekleidung und -schuhe Stylefile übernommen hatte.
Man will konsequent die gefahrene Linie weiterverfolgen und bis zum Geschäftsjahr 2019/20 den Anteil des Onlineumsatzes auf etwa zehn Prozent steigern.

Galeria Kaufhof derzeitiger Verlierer

Benko und Signa verfolgen überdies trotz Widerstands weiter Pläne, zusammen mit der rivalisierenden Galeria Kaufhof eine einheitliche Deutschen Warenhaus AG zu gründen. Im Unterschied zu Karstadt fährt die Kölner Gruppe Galeria Kaufhof unter dem kanadischen Eigentümer HBCderzeit Verluste ein, obwohl auch dort unter dem neuen Chef Roland Neuwald ein Sanierungskurs eingeschlagen wurde. Immer wieder werden Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von Galeria Kaufhof laut.