Das Wiener Startup Snics: Kalorien zählen per Foto

Das österreichische Startup 360Factory hat eine Smartphone-App entwickelt, die anhand eines Fotos den Kaloriengehalt einer Mahlzeit berechnet. Da Google und Samsung ebenfalls an einer solchen App arbeiten, muss sich das Unternehmen auf einen harten Konkurrenzkampf einstellen.

Auf der Verpackung einer Fertigpizza steht, wie viele Kalorien sie enthält. Doch wer seine Pizza beim Italiener um die Ecke bestellt, muss auf Angaben zum Nährwert verzichten. Nicht mehr! Denn das Wiener Startup 360Factory hat mit "Snics" eine App entwickelt, die die Informationslücke schließen soll.

Dazu genügt es, das Essen auf dem Teller zu fotografieren. Die App gleicht das Foto anschließend mit einer Bilddatenbank ab. Dank künstlicher Intelligenz erkennt sie das Gericht und liefert Angaben zu Kalorien-, Fett-, Kohlenhydrat- und Eiweißgehalt. Die Nährwertangaben beziehen sich auf ein Standardrezept und eine typische Portionsgröße.

Trefferquote von 60 Prozent

Die Bilddatenbank der App enthält im Moment rund 40.000 Fotos von Speisen und Getränken. Um ein Gericht richtig zu erkennen, muss der Bilderkennungs-Algorithmus von Snics mit 50 bis 100 verschiedenen Fotos trainiert werden. Die österreichische Kalorienzähler-App befindet sich derzeit im Beta-Stadium. Ihre Trefferquote liegt bei 50 bis 60 Prozent.

Die Macher von Snics setzen darauf, dass die Nutzer fleißig neue Food-Fotos liefern, mit deren Hilfe sich die Erkennungsleistung der App verbessert. Erkennt Snics statt der fotografierten Pizza einen Pfannkuchen, hat der Nutzer die Möglichkeit, die korrekte Speise aus einem Katalog auszuwählen. Darüber hinaus kann er die Portionsgröße anpassen und Zutaten hinzufügen oder löschen.

Ist Snics nicht in der Lage, eine Speise zu identifizieren, weil die Datenbank noch nicht genügend Vergleichsfotos aufweist, kümmern sich professionelle Ernährungsberaterinnen um die Zuordnung. Snics erkennt nur verarbeitete Lebensmittel, die sich auf einem Teller, und Getränke, die sich in einem Glas befinden. Mit rohem Fleisch vermag die App ebenso wenig anzufangen wie mit einer Tüte Chips oder einer Flasche Bier. In Zukunft soll sie allerdings Strichcodes verarbeiten können.

Finanzierung durch Crowdinvesting

Das Startup 360Factory richtet sich mit seiner App in erster Linie an Ernährungsberater und Unternehmen, die die Gesundheit ihrer Mitarbeiter verbessern wollen. Zu den ersten Geschäftskunden des Wiener Unternehmens gehört die Arbeiterkammer Oberösterreich. Sie stellt die Kalorienzähler-App ihren Mitgliedern während eines Jahres kostenlos zur Verfügung. Privatnutzer müssen sich zurzeit noch mit einer eingeschränkten Gratis-Version von Snics begnügen. Eine Premium-Version für knapp 60 Euro ist erst im Herbst verfügbar.

Treibende Kraft hinter Snics ist der Wiener Unternehmer Gerd Sumah. Zusammen mit Robert Bodenstein und Thomas Frank gründete er 2015 das Unternehmen 360Factory. Das Startkapital von 682.000 Euro stammt von verschiedenen österreichischen Förderagenturen und von der Investorin Daniela Angeli-Morandell.

Seit Mitte Februar läuft auf der Plattform Green Rocket eine Crowdinvesting-Kampagne, mit der das Startup zusätzliche 300.000 Euro sucht. Eine weitere Finanzierungsrunde soll – ebenfalls in diesem Jahr – eine Million Euro einspielen, um das Unternehmen, das zurzeit elf Mitarbeiter beschäftigt, für die internationale Expansion zu rüsten.

Die Konkurrenz schläft nicht

Das österreichische Startup muss sich auf einen harten Konkurrenzkampf einstellen. Mit "Lose It" besteht bereits eine Kalorienzähler-App, die auf Bilderkennung setzt. Während Snics seit der Veröffentlichung im Februar erst 7.000 Mal heruntergeladen wurde, hat Lose It drei Millionen aktive Nutzer. Zudem arbeitet Google seit 2015 an einer App namens "Im2Calories". Und Samsung plant, seinen virtuellen Assistenten Bixby um einen fotobasierten Kalorienzähler zu erweitern.