Dawanda geht offline

Konkurrenz war zu groß – Dawanda wird stillgelegt

Dawanda, die bekannte und in Deutschland führende Online-Plattform für Selbgemachtes, wird eingestellt. Für viele Nutzer und Investoren kommt dieser Schritt überraschend, denn finanziell konnte die Plattform einen Aufwärtstrend verzeichnen. Allerdings glaubt die Unternehmensführung um Claudia Helming, die als Koryphäe der deutschen Startup-Gemeinde gilt nicht an eine Fortführung des positiven Trends. Vor allem die Konkurrenz aus den USA gewann immer mehr Marktanteile. Demnach sei das Unternehmen in den letzten Monaten nicht mehr stark genug gewachsen und schlussendlich einen langsamen Tod gestorben. Um dieses Szenario zu vermeiden, entschloss sich Claudia Helming für eine Abschaltung der Plattform. Für viele Nutzer kommt dieser Schritt unvorhergesehen. Bereits zum Ende August soll die Plattform offline gehen. Sämtliche Nutzer sollten laut den Aussagen des Unternehmens das Angebot von Etsy, dem direkten Konkurrenten aus den USA, nutzen.

Die Gründung von Dawanda erfolgte bereits 2006. Damals schlossen sich Michael Pütz und Claudia Helming zusammen, um eine Plattform für professionelle Kunsthandwerker und talentierte Privatpersonen zu entwickeln. Noch vor zwei Jahren galt das Unternehmen als drittinnovativstes Startup Deutschlands. Nun wird Dawanda verkauft und der Name abgelegt. Zudem werden 150 Mitarbeiter entlassen. 50 Mitarbeiter werden in der Übergangszeit, in der die Infrastruktur in die auf die Etsy-Plattform integriert wird, die Integration begleiten. Helming selbst wird zeitgleich als Beraterin tätig sein.

 

Dawanda konnte nicht schnell genug wachsen

In ganz Europa verzeichnete die Plattform mehr als 380.000 aktive Verkäufer, welche rund sechs Millionen verschiedene Produkte anboten. Rund 140 Millionen Euro konnten an Waren umgesetzt werden. Rund alle 20 Sekunden wurde ein Schmuckstück, alle 30 Sekunden ein Babyartikel verkauft.

Insbesondere der Umstand, dass Dawanda nicht gescheitert ist, sorgt für Verwunderung. Dennoch führte Helming einen harten Kampf, um die Plattform zu etablieren, da das Geschäftsmodell kein Selbstläufer war. 2012 folgte der erste Einschnitt und bereits im Sommer 2017 musste ein Viertel aller Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Nach dieser Kostensenkung ging es jedoch finanziell aufwärts. Bisher erzielte das Unternehmen keinen Gewinn, jedoch konnte der Umsatz im Jahr 2017 um 21,4 Prozent erhöht werden, sodass die Plattform auf 16,4 Millionen Euro Umsatz kam. Zudem konnte der Vorsteuerverlust auf eine Million Euro reduziert werden.

Der Flaschenhals für den Erfolg des Geschäftsmodells bildete jedoch die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Vor allem die deutsche Sprache, die verschiedenen Gesetzgebungen in den einzelnen Ländern und die Feinjustierung der Plattform für jedes einzelne Land sorgten für eine geringe Skalierbarkeit. Zudem war die technische Anpassung eine große Herausforderung für die Plattform. Laut Helming waren es schlichtweg zu viele Baustellen, sodass ein weiterer Betrieb kaum einen Sinn ergab. Dahingegen konnte der direkte Konkurrent Etsy ein stärkeres Wachstum verzeichnen. Dies lag vor allem an der Größe des US-Marktes und der hohen Verbreitung der englischen Sprache. Allein der hohe Umsatz von 121 Millionen Dollar offenbart die Diskrepanz zwischen den beiden Plattformen. Des Weiteren konnte Etsy einen Gewinn von 13 Millionen Dollar erwirtschaften. Nun steht Etsy ein weiteres Wachstum voraus, denn 70.000 aktive Do-It-Yourself-Verkäufer aus Deutschland werden einen neuen Marktplatz suchen müssen.