Dax spielt Risiko

Der sich deutlich verschärfende Handelskonflikt zwischen den USA und China, von dem auch deutsche Unternehmen betroffen sind, ist nur ein wirtschaftspolitischer Brandherd. Die Türkei könnte in eine Rezession schlittern, was angesichts der dortigen Situation - Krieg in Syrien - einen prekären Abwärtsstrudel einläuten könnte. Zwar hat die türkische Notenbank mit ihrer jüngsten Leitzinserhöhung auf sagenhafte 24 % (EZB: 0,0 %) ihre Unabhängigkeit von Präsident Erdogan bewiesen. Das stabilisierte die türkische Lira, mit ihr eng verbundene Schwellenländerwährungen erholten sich ebenfalls. In einem Staat mit 24 % Leitzinsen werden allerdings Kreditaufnahmen sagenhaft erschwert, der Zins könnte die Wirtschaft abwürgen. Leitzinserhöhungen kündigt auch die US-amerikanische Fed an, das belastet wiederum die Wirtschaft der Schwellenländer mit ihren Handelsbilanzdefiziten in Dollar. Dieser Risikofaktor bleibt für die Weltbörsen bestehen. Ein europäisches Sorgenkind ist das schuldengeplagte Italien, wo es immer noch keinen neuen Haushalt gibt.


Analysten uneins über die Richtung 

Wohin es an den Börsen im Allgemeinen und beim Dax im Speziellen nun gehen könnte, scheint nach Durchsicht der Expertenmeinungen sehr unklar zu sein. Einige Analysten wie Andreas Hürkamp von der Commerzbank glauben an nachgebende Kurse. Der Markt zeige gegenwärtig Parallelen zu 1997 bis 1998, damals hatte es ebenfalls Probleme in Schwellenländern gegeben. Helaba-Experte Christian Schmidt glaubt an eine kurzfristige Erholung, die jedoch nicht sehr weit reichen dürfte. Die Uneinigkeit setzt sich bei den Charttechnikern fort. Zumindest bis 12.120 Punkte könne der Dax steigen, danach stehe Abgabedruck an, hieß es am Montag von einigen Experten. Diese Schwelle wurde am Dienstag zunächst überschritten, am Nachmittag allerdings pendelte der Leitindex glatt um diese Marke, die tatsächlich eine große Bedeutung haben dürfte. Nach unten befürchten einige Pessimisten ein tiefes Korrekturziel unterhalb von 11.868 Punkten, falls der Dax die 12.000 Zähler deutlich unterschreitet. Sogar die 10.700 Punkte wurden als vorläufige Stütze bei einem signifikanten Einbruch genannt (Godmode-Trader).


Kaum Impulse vom Markt 

Es gibt aktuell keine wichtigen Nachrichten außerhalb der beschriebenen Sorgenkinder, welche die Kurse deutlich bewegen könnten. Die Konjunkturagenda beruhigt sich momentan, die Leitzinsentscheidungen sind (fast) alle gefallen: Die Fed, EZB, die BoE und die türkische Notenbank haben sich in den letzten Tagen und Wochen positioniert, es steht nur noch die Entscheidung der BoJ aus. Am Donnerstag wird noch der Philly Fed Index, am Freitag folgen die PMI (Einkaufsmanagerindizes) der USA und der EU veröffentlicht. Die Berichtssaison endet damit, lediglich Rocket Internet meldet als Nachzügler noch am Donnerstag wichtige Zahlen. Anlegern rät man aktuell, einige Tage an der Seitenlinie zu bleiben, bis sich erste Folgen der neuen US-Zölle und möglicher chinesischer Vergeltungsmaßnahmen zeigen.