"Day Zero" für Kapstadt vorerst abgesagt - Wassermangel bleibt globales Problem

Seit Anfang des Jahres wurde für Kapstadt mit dem "Day Zero" am 11. Mai gerechnet. Die Wasserversorgung für 3,7 Millionen Einwohner werde wegen einer Jahrhundertdürre zusammenbrechen, Soldaten müssten den Kampf der Menschen um Wasser verhindern und Rationen von 25 Litern pro Kopf täglich an Wasserausgabestellen verteilt werden. Nach zwei sehr schwachen Regenjahren war man im dritten Jahr bei weiter ausbleibendem Regen von einer Dürre ausgegangen.

Seit Anfang des Jahres wurde für Kapstadt mit dem "Day Zero" am 11. Mai gerechnet. Die Wasserversorgung für 3,7 Millionen Einwohner werde wegen einer Jahrhundertdürre zusammenbrechen, Soldaten müssten den Kampf der Menschen um Wasser verhindern und Rationen von 25 Litern pro Kopf täglich an Wasserausgabestellen verteilt werden. Nach zwei sehr schwachen Regenjahren war man im dritten Jahr bei weiter ausbleibendem Regen von einer Dürre ausgegangen.


Entwarnung in Kapstadt

Der Vorsitzende der liberalen Oppositionspartei Demokratische Allianz (DA) Mmusi Maimane sagte den "Day Zero" nun ab und gab Entwarnung. Auch, wenn noch unklar ist, wie stark der zu erwartende Winterregen zwischen Mai und August sein wird.

Allerdings sind die meteorologischen Vorhersagen zuversichtlich, dass der Regen ausreichend fallen wird. Der ungewöhnliche kühle März hatte zudem verhindert, dass Wasser, das in Dämmen um Kapstadt lagert und die Stadt fast vollständig mit Wasser versorgt, verlustreich verdunstet - wie zunächst befürchtet worden war.


Vor allem die Kampagnen zum Wassersparen hatten Erfolg gezeigt

Es gelang, den Wasserverbrauch in Kapstadt seit 2015, dem Beginn der Dürrephase, um 60 Prozent zu reduzieren. Der ungewöhnliche hohe Wasserverbrauch der Einwohner sank damit auf 94 Liter pro Tag und Person. Weltweit liegt der Durchschnitt bei 160 Litern täglich pro Person. Er wurde in Kapstadt vor drei Jahren noch mit 235 Litern beziffert.

Die alarmierten Landwirtschaftsbetriebe im Umland von Kapstadt sparten nach dem Ende der Erntezeit im Februar radikal an Wasser und spendeten zehn Milliarden Liter aus den eigenen Wasserreservoirs, was den Wasserbedarf der Stadt einen ganzen Monat zu decken hilft.


Wasserversorgung in Zukunft gewährleisten

Kaum wurde Entwarnung gegeben, stieg der Wasserverbrauch wieder um zehn Prozent an. Dabei dürfen Kapstädter bis auf Weiteres täglich nur 50 Liter pro Person verbrauchen, wollen sie zusätzliche Gebühren vermeiden.

Die Wasserversorgung der Stadt wird nun langfristig überdacht und neu organisiert. Mit Investitionen von 250 Millionen Euro soll in den nächsten zwei Jahren nach Grundwasser gebohrt, die Abwasseraufbereitung optimiert und eine Meerwasserentsalzungsanlage in Betrieb genommen werden, die weitere 300 Millionen Liter Wasser täglich bereitstellen kann.

Viele Touristen hatten ihre Reisen nach Kapstadt storniert, um nicht Teil des Problems zu werden. Nun kostet die Krise viele Arbeitsplätze im saisonalen Hotel- und Gastronomiegewerbe. Nur ein Sektor profitiert von der Mangelsituation: die Getränkehersteller mitsamt der Flaschenindustrie.


Weltwasserforum nimmt sich dem Streit zwischen Kommunen und Privatunternehmen an

Beide sind Profiteure und Mitverursacher des Problems zugleich: Dürren, die infolge des Klimawandels immer wahrscheinlicher werden, werden von ihnen mit ausgelöst. Eine 1-Liter-PET-Flasche wird mit einem Aufwand von drei Liter Wasser produziert und unter zusätzlichem, weiteren Aufwand zum Verkaufsort transportiert. Die hohen Kohlestoffemissionen bei der Bereitstellung von Produkten aus dem Getränkebereich sind mitverursachend für den Klimawandel, der wiederum Dürren immer wahrscheinlicher macht.

So gibt es bereits warnende Hinweise auf drohende Wasserknappheit in Melbourne, Jakarta, Mexiko-Stadt und São Paulo. Gerade in Brasilien sind wasserreiche Gebiete mit Zugang zu Quellen im Eigentum von Privatunternehmen wie Nestlé. Starker Widerstand regt sich daher in der lokalen Bevölkerung, die ihrerseits Wasser nicht als Ware, sondern als öffentliches Gut begreift.

Auf Initiative von Nestlé, Coca-Cola und Pepsi fand zwischen dem 18. - 23. März das Weltwasserforum in Brasilia statt. Konflikte um Wasserressourcen entstehen weltweit immer zahlreicher. Gemeinsam mit betroffenen Regionen sucht man nach Lösungen.

Das World Resources Institute geht davon aus, dass im Jahr 2025 etwa 3,5 Milliarden Menschen von Wassermangel betroffen sein werden.