Denkbare Szenarien an den Börsen

Donald Trump wird Strafzölle verhängen, das kann er als US-Präsident allein bestimmen. Nicht umsonst trat sein wichtigster Wirtschaftsberater Gary Cohn zurück, der um seinen eigenen Ruf fürchtete, was wiederum sofort die US-Börsen auf Talfahrt schickte. Auf die US-Zölle werden die EU und andere Staaten reagieren. Es wird also einen handfesten Handelskrieg geben, der die Finanzwirtschaft nicht kalt lassen kann. Die Auswirkungen auf den konkreten Handel wurden schon hinlänglich beschrieben. Unter anderem wird asiatischer Stahl die europäischen Märkte fluten und damit unsere Schwerindustrie belasten, was zuletzt zu starken Kursabgaben bei Stahlwerten wie Thyssen-Krupp führte. Der Handelskrieg wird damit auf Nebenschauplätzen ausgefochten und betrifft Kontrahenten (wie China und die EU), die sich in wirtschaftlicher Hinsicht eigentlich über den Freihandel einig sind. Die WTO wird Urteile sprechen, die Akteure werden fieberhaft nach neuen Märkten und Produktionsstandorten suchen. Deutsche Automobilwerte werden - falls unsere Autoexporte in die USA mit Strafzöllen belegt werden - sehr unterschiedlich reagieren. BMW und Daimler etwa produzieren in großem Stil in den USA und verkaufen vor Ort, sie sind von Zöllen daher kaum betroffen. Anders sieht es bei VW, Audi und Porsche aus, diese Werte könnten gewaltig unter Druck geraten. Die politischen Auswirkungen eines Handelskrieges sind ebenfalls sehr schwer einzuschätzen, denn wir brauchen die USA auch als militärischen Verbündeten sehr dringend. Andererseits hatte es Strafzölle auf Stahl auch unter Georges W. Bush (US-Präsident zwischen 2001 und 2009) gegeben, ihre Auswirkungen auf die globale Wirtschaft blieben begrenzt. Dementsprechend hatte der Dax in der letzten Woche zwar mit Kursabgaben, aber längst nicht mit einem Crash reagiert. Es gibt nämlich auch den Gegentrend der sehr robusten Konjunktur, sodass sich das aktuelle Sentiment wohl mit einem Wort am treffendsten beschreiben lässt: Verunsicherung. 
Aus unserer Sicht lautet der womöglich vernünftigste Ratschlag, der auch als dieses Beitrags dienen kann, wie folgt: Anleger sollten einen womöglich gewaltigen Kursrutsch in den nächsten Wochen durchaus in Rechnung stellen, aber nicht unbedingt auf ihn wetten. Das wäre immerhin mit Put-Optionen möglich, aber ein Crash lässt sich nicht kalkulieren. Auch mit der vermeintlichen Dummheit von Donald Trump lässt sich kein Geld verdienen. Das hat die Spekulanten-Legende Georges Soros kurz nach dem Amtsantritt von Trump erfolglos probiert. Soros hält Trump für einen ökonomischen Dummkopf (wogegen Trumps wirtschaftlicher Erfolg als Immobilien-Tycoon spricht) und wettete mit Put-Optionen und Aktien-Leerverkäufen auf eine abschmierende Wirtschaft. Die Kurse stiegen aber permanent, seit Trump im Amt ist. Soros verlor rund eine Milliarde Dollar, und einen älteren Hasen unter allen Spekulanten dieser Welt als Soros gibt es kaum. So kann man sich irren. Daher ist wohl in den kommenden Wochen und Monaten Vorsicht und bestenfalls kurzfristiges Agieren angesagt. 

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