Der Boom der Onlineshops für Luxusgüter

Onlinehandel von Luxusartikeln gewinnt an Fahrt 

Im vergangenen Jahr gaben wohlhabende Kunden rund 1,2 Billionen Euro für Luxusartikel im stationären Handel aus. Doch auch der Onlinehandel gewinnt immer mehr Kunden und kann den Umsatz ausbauen.

Für viele Kunden besteht der Mittelpunkt des Luxuskonsums im Betreten des Designergeschäfts, bei dem bereits ein Mitarbeiter mit einem Champagnerglas aufwartet. Nachfolgend nimmt sich einer der zahlreichen Stilberater den Wünschen des Kunden an, sodass dieser das Geschäft mit mehreren Artikeln verlässt. Diese werden von einem weiteren Mitarbeiter bis zum Fahrzeug getragen, sodass die Investition einen Mehrwert und eine tiefere, innere Zufriedenheit bewirkt. Doch diese User Journey ist nicht mehr das Maß der Dinge, denn immer mehr Menschen kaufen die Luxusgüter auch per Webshop.

 

Der Onlinehandel als Wachstumstreiber 

Bei einer globalen Betrachtung des Marktes für Luxusgüter wuchs dieser im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent. Laut der Beratungsgesellschaft Bain & Company ergibt sich somit ein absoluter Wert von 1,2 Billionen Euro, welcher von Konsumenten in Luxusgüter investiert wurde. Rund 489 Milliarden Euro entfielen dabei auf Luxusautos, welche somit den Großteil des Konsums ausmachten. Doch auch Hotel- und Restaurantbesuche sind auf Basis der Studie ein Highlight für die Reichen, denn auch hier wurden 191 Milliarden Euro investiert. Für Weine und Spirituosen wurden weitere 70 Milliarden Euro aufgebracht. Nachfolgend beliefen sich die Investitionen in Delikatessen auf ein Investitionskapital von 49 Milliarden. Darauffolgend wurden 40 Milliarden Euro für Kunst, 35 Milliarden Euro für Möbel, 23 Milliarden für Privatjets und Yachten und 2 Milliarden für Luxuskreuzfahrten ausgegeben.

Den zweitgrößten Anteil am Luxuskonsum nehmen persönliche Luxusgüter ein. Hierzu gehören etwa Mode, Schmuck und Kosmetika. Auf diesen gesamten Markt entfiel ein Anteil von 262 Milliarden Euro. Zudem wurde ein Großteil dieses Konsums über den stationären Handel realisiert, da die Kunden bisher vermehrt auf die persönliche Erfahrung setzen. Allerdings erwarten Experten, dass sich dieser Umstand in Zukunft ändern könnte, da der Onlinehandel als disruptiver Faktor immer populärer wird. Bereits 2017 konnte der Onlinehandel ein Wachstum von 24 Prozent realisieren. Das bedeutet, dass der Marktanteil des E-Commerce nun bei rund 9 Prozent liegt. Auch in den vorherigen Jahren konnte der Onlinehandel ein durchschnittliches Wachstum von 25 Prozent pro Jahr verzeichnen, sodass der absolute Marktanteil weiterhin ausgebaut werden kann.

 

Generationswechsel beschleunigt das Wachstum des Onlinehandels 

Laut den Experten der Bain & Company ist insbesondere der Generationswechsel ein Treiber für diese Entwicklung. Rund 85 Prozent des Wachstums entfallen auf junge, online-affine Menschen. Diese sind im Schnitt zwischen 20 und 35 Jahre alt und haben in Normalfall lediglich Zugriff auf die Familienkonten. Eine bezeichnende Eigenschaft dieser Konsumentengruppe ist die Erfahrung beim Online-Shopping.

Der zweitgrößte Luxuskonzern der Welt, Richemont, hat diese Entwicklung erkannt und setzt nun auf eigene Onlineshops. Insbesondere Uhren sowie Schmuck werden von den Käufern nachgefragt. Im Zuge des digitalen Wandels kauft das Management des Unternehmens den italienischen Online-Verkäufer Yoox Net-a-Porter (YNAP), sodass sich der Anteil auf 94,99 Prozent beläuft. Sollte der eigene Aktienanteil auf mindestens 95 gesteigert werden, so wurde bereits ein Squeeze-Out-Verfahren angekündigt. Um den Anforderungen der Richemont-Kunden gerecht zu werden, entwickelt YNAP einen neuen Bereich, welcher für die teuren Juwelen und Uhren genutzt werden soll. Laut YNAP werde es zudem kein Limit für Kunden geben, sodass diese unendlich viele Güter für den eigenen Bedarf erwerben können.

Doch Richemont ist nicht der einzige Konzern, der einen stärkeren Fokus auf den Onlinehandel legt. Auch Konzerne wie LVMH, Kering oder Hermes verfügen über ausreichend Kapital, welches in den Ausbau des Kerngeschäfts investiert werden soll. Laut Experten sollen diese Kapitalreserven zur Akquise von passenden Onlineplattformen genutzt werden.