Der grüne Anleihemarkt wächst schnell

Nach 73 Milliarden Euro im Jahr 2016 kam es 2017 bei Nachhaltigkeits-Anleihen zu Neuemissionen in Höhe von 112 Milliarden Euro. Für 2018 erwarten Experten ein Volumen in Höhe von 120 Milliarden Euro. Für Anleger kann das sehr spannend sein, sie müssen sich aber die Konzepte und Kennziffern genau anschauen.

Rentenpapiere stehen momentan im Fokus, und das auf zwei Ebenen. Für die einen sind Anleihen genau das richtige Instrument, mit einem glücklichen Händchen die Volatilitäten der Aktienmärkte für laufende Ausschüttungen zu nutzen; für die anderen sind die Risiken zu groß, die sich aus der Zinsentwicklung für Anleihen ergeben können.

Sowohl für den einen als auch den anderen Anleger gehören Anleihen trotz möglicher Bedenken als zweite der drei großen Anlageklassen ins Depot. Das Gute daran: Letztlich lassen sich Anleihen genauso diversifizieren wie Aktien und dementsprechend auch auf besonderen Themen aufbauen. Eines davon: die Nachhaltigkeit. Die Zahlen zeigen die Bedeutung nachhaltiger Anleihen. Der grüne Anleihemarkt wächst schnell: Nach 73 Milliarden Euro im Jahr 2016 kam es 2017 zu Neuemissionen in Höhe von 112 Milliarden Euro. „Für 2018 erwarten wir Neumissionen von grünen Anleihen in Höhe von 120 Milliarden Euro“, heißt es bei der Investmentgesellschaft NN Investment Partners.

Bram Bos, leitender Portfoliomanager für grüne Anleihen bei NN Investment Partners, sagt zu dem Themenkomplex: „Wir sind zuversichtlich, dass das Interesse an sozialen und nachhaltigen Anleihen weiter zunehmen wird. Wie am grünen Anleihemarkt bereits geschehen, als die International Capital Markets Association 2014 die Green Bond Principles einführte, gehen wir davon aus, dass auch mehr Standardisierung kommen wird, die den Markt für soziale und nachhaltige Anleihen anheizt. Mit der Einführung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen beobachten wir bereits eine steigende Nachfrage nach Anleihen, die sich auf diejenigen Ziele konzentrieren, die nicht von grünen Anleihen abgedeckt werden.“

Interessant sind die Beobachtungen von NN Investment Partners hinsichtlich der Emittentenstruktur. Die Märkte für grüne, soziale und nachhaltige Anleihen seien bislang von staatlichen oder staatsnahen Emittenten dominiert. Die Regierungen zahlreicher Länder hätten Ziele zur Förderung von Investitionen in nachhaltige Projekte formuliert und finanzierten sie durch die Emission grüner, sozialer oder nachhaltiger Anleihen. Staatliche Emittenten hätten derartige Anleihen für über 150 Milliarden Euro ausgegeben, darunter vor allem grüne Anleihen. Dieser Trend verändere sich jedoch allmählich: Die Finanzbranche repräsentierten mittlerweile den zweitgrößten Sektor am Markt für grüne, soziale und nachhaltige Anleihen und seien für 32 Prozent der Emissionen grüner Anleihen und jeweils für 19 Prozent der ausgegebenen sozialen und nachhaltigen Anleihen verantwortlich, heißt es weiter.

Dazu Bram Bos: „In der ersten Jahreshälfte 2018 haben wir eine zunehmende Beteiligung von Finanzinstituten und Unternehmen beobachtet, vor allem aus den Branchen Versorgung und Industrie. Insgesamt erwarten wir für grüne, soziale und nachhaltige Anleihen, dass die Bandbreite an Ländern, Branchen, Währungen und Bonitätsratings zunehmen wird. Für Investoren, die eine nachhaltigere Ausrichtung ihrer Anlagen anstreben, eröffnet das mehr Möglichkeiten, in soziale Verbesserungen und Umweltschutz zu investieren, ohne ihre Strategie zu verändern oder auf Rendite zu verzichten.“

Bei den Anlegern kommen nachhaltige Anlagen gut an. Das Volumen des in nachhaltigen Fonds gemanagten Vermögens belief sich zum 30. Juni dieses Jahres auf rund 118 Milliarden Euro. Ende 2017 waren es noch 106 Milliarden Euro Gesamtfondsvermögen. Weltweit sind rund 1,5 Billionen Euro nachhaltig angelegt, der Wertzuwachs lag laut einer Studie im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 27 Prozent.

Das heißt aber nicht, dass sie blindlinks jedes Produkt mit einer Erfolgsgarantie kaufen können. Der „Lebenswerte Zukunft Rentenfonds“ investiert in Anleihen nachhaltig geführter Unternehmen, hat aber seit der Auflage mehr als 25 Prozent verloren; im Jahresvergleich liegt der Wertverlust bei knapp elf Prozent. Auch beim „Salm-Salm Sustainability Progressive Convertible Fund“ sieht das Jahresergebnis nicht allzu gut aus. Rund 7,5 Prozent hat der Fonds seit vergangenem November verloren – aber auf lange Sicht ganz gute Ergebnisse präsentiert. Auf fünf Jahre gesehen sind es immerhin knapp sieben Prozent, seit Auflage vor mehr als elf Jahren sind es knapp zwölf Prozent.

Eine rote Null seit Auflage 2015 hat der „LIGA-Pax-Laurent-Union“ erreicht. Das Fondsvermögen wird überwiegend in Unternehmensanleihen weltweiter Emittenten angelegt. Ein Teil des Anlagevermögens kann auch in hochverzinsliche Anlagen sowie in Anleihen von Emittenten aus Schwellen- beziehungsweise Entwicklungsländern investiert werden. Auf Zwölf-Monatssicht hat der „LIGA-Pax-Laurent-Union“ ebenfalls mit einem Verlust von rund 3,7 Prozent produziert.

Ein kleines Plus immerhin hat der „European Corporate Sustainable Bond Class I“ von Danske Invest erwirtschaftet. Diese liegt seit Auflage bei knapp 1,25 Prozent. Der Fonds investiert hauptsächlich in Anleihen, die von Unternehmen emittiert wurden, die im Bereich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung ein starkes Nachhaltigkeitsprofil besitzen und die in Bezug auf den Klimawandel und CO2-Emissionen ein Nachhaltigkeitsbewusstsein integrieren. Jeder Anleiheemittent muss die internationalen Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren einhalten, und der Fonds investiert nicht in umstrittene Sektoren.