Der Mann, der Brasiliens Rechtsruck managt

Jair Bolsonaro hat in seinem Wahlkampf durch große Töne, aggressive Reden und das typische Rezept der Populisten auf sich aufmerksam gemacht. Es ist wenig verwunderlich, dass er sich selbst als einen großen Fan von Donald Trump bezeichnet, hat sein Erfolg doch ähnliche Züge wie die Kampagne des US-Präsidenten. Er ist aber auch ein Anhänger von Hugo Chaevz. Der ehemalige Diktator von Venezuela hat sich langfristig zu einer schweren Bürde für sein Land entwickelt. Es bleibt zu hoffen, dass Bolsonaro trotz aller Ankündigungen nicht das gleiche Problem für Brasilien werden wird. Für den Moment bleibt abzuwarten, was seine ersten Handlungen sein werden. Interessant ist aber ein Blick hinter die Kulissen seiner erfolgreichen Kampagne für das Amt des Präsidenten von Brasilien.

Paulo Guedes ist das genaue Gegenstück zu seinem neuen Präsidenten. Er ist ein Wirtschaftsberater, der eher zu leisen Tönen neigt und die Öffentlichkeit scheut. Dafür gilt er als ein Experte auf seinem Gebiet - und schon bald als der neue mächtige Mann im Staat Brasilien. Das liegt daran, dass er wohl ein Superministerium bekommen wird. Eine Mischung aus Finanz-, Wirtschafts- und Industrieministerium, das die komplette wirtschaftliche Entwicklung von Brasilien kontrollieren wird. So recht mag er nicht zu den vielen Versprechen des Kandidaten passen, den er im Wahlkampf unterstützt hat. Seine Agenda sieht eine Vielzahl von Privatisierungen vor - eine Behörde, die ihm mit seinem neuem Amt ebenso unterstellt ist.

Nicht nur in charakterlicher Hinsicht ist Guedes ganz anders als der neue Präsident. So hat dieser als Abgeordneter quasi in jedem Punkt gegen die Dinge gestimmt, für die Guedes nun steht. Privatisierungen? Kein Problem mehr. Neue Ordnung der Rente? Wird wohl erledigt. Steuersenkungen? Alles zum Wohle des Volkes. Guedes hat den neuen starken Mann salonfähig bei den Menschen gemacht, die am Ende über die Wahl entschieden haben. Trotzdem stellt sich die Frage, wie das, von Korruption zerfressende und tief gespaltene, Land, diese verschiedensten Strömungen in den nächsten Jahren verarbeiten kann.

 

Unsichere und ungewisse Zukunft mit Bolsonaro

Die Widersprüche in Bolsonaros Aussagen und sein Lebenslauf bringen Erinnerungen an linke wie rechte Diktaturen in Südamerika mit sich, wo diese eine lange Tradition haben. Als ehemaliger hochrangiger Militär ist seine Nähe zu den Truppen bewiesen, wobei diese sich in den letzten Jahren und somit 50 Jahre nach der letzten Militärdiktatur bisher zurückgehalten haben. Wichtig dürfte die Frage werden, wie diese vielen Widersprüche im brasilianischen Volk ankommen werden. Guedes und sein Präsident stehen für komplett unterschiedliche Strömungen. Dazu kommt, dass der neue Finanzminister selbst im Zentrum von verschiedenen Affären steht.

Militär, Glaube und wirtschaftlicher Umschwung - Brasilien ist das fünfgrößte Land der Welt und gilt als eines der Schwellenländer, das zu den führenden Nationen aufsteigen könnte. Es bleibt die Frage, ob das unter diesem neuen Präsidenten gelingen kann und ob das gespaltene Volk seinen Willen bekommt. Erst einmal darf er seinen Erfolg feiern. Dann beginnt die Frage nach dem Stil seiner Regierung und wie die starke Opposition einen Einfluss darauf nehmen kann, was die Pläne von Guedes angeht.