Der Masterplan von WeWork

Wer sich das erste Mal mit dem Coworking-Start-Up WeWork beschäftigt, wird sich über manche der Zahlen vermutlich verwundern. Nicht alleine über die 1,22 Milliarden Dollar Verlust, die das Unternehmen in den ersten drei Quartalen gemacht hat. Noch bemerkenswerter sind die Zahlen der Unternehmensbewertung: 42 Milliarden Dollar soll das Start-Up inzwischen wert sein. Der wichtigste Investor ist das Unternehmen Softbank, das mit 8 Milliarden Dollar Investmentsumme beteiligt ist.

Gerade ein Blick auf die eher kleine Konkurrenz zeigt, dass sich WeWork binnen der letzten zwei Jahre zu einem wichtigen Player auf dem Markt entwickelt hat. Um sich gegen eventuelle Schwankungen in der eigenen Branche abzusichern, setzt man vor allem auf Expansion und Diversifizierung. In Deutschland werden neue Standorte eröffnet und gleichzeitig versucht das Unternehmen durch strategische Investitionen das eigene Geschäftsfeld zu erweitern. So will man einen ganzheitlichen Service anbieten können.


Unabhängigkeit von Start-Ups ist der erste Schritt

In den ersten Jahren des Unternehmens hat man vor allem auf andere Start-Ups gesetzt, die die verschiedenen Räume anmieten. So kam es durchaus vor, dass manche der Mieter nur für wenige Wochen oder Monate in den Räumen zu finden waren. Das machte das Unternehmen natürlich anfällig für Schwankungen in der Konjunktur - eine Erfahrung, die auch schon die Konkurrenz machen musste. In der letzten Zeit hat man das Geschäft aber weg von den kleinen und jungen Unternehmen gelegt und somit die durchschnittliche Mietdauer deutlich steigern können. Inzwischen nutzen die Mieter zwischen sieben und acht Monaten die Leistungen von WeWork. Dazu passt auch, dass man heute viele Kunden aus dem gehobenen Segment hat: IBM, Amazon und AirBnb sind nur einige Beispiele für etablierte Mieter.


Der Blick in die Zukunft

Man möchte sich nicht nur zu einem reinen Immobilienunternehmen entwickeln, sondern sich durch geschickte Investitionen und Forschung sicher sein, dass man auch in anderen Branchen tätig wird. Daher wird hinter den Kulissen mit Hochdruck an neuen Konzepten und Ansätzen gearbeitet. So setzt man zum Beispiel inzwischen eigene Immobilienfonds ein und leaset nicht mehr nur Büros, sondern kauft gerade an den wichtigen Standorten ganze Häuser auf. Der eigentliche Fokus des Unternehmens liegt aber auf neuen Modellen und darauf, nicht mehr alleine von den Mieten der Startups und Unternehmen abhängig zu sein.

So sehen die neuen Konzepte zum Beispiel vor, dass man bald selbst als ein Makler agiert. Dabei will man an den entsprechenden Provisionen verdienen. Ein anderes interessantes Konzept beschäftigt sich damit, für die Angestellten in den vermieteten Büros eine umfängliche Leistung an den Standorten zu bieten. Es sollen etwa Coliving-Blöcke entstehen, eigene Fitness-Studios und Spas sowie eigene Bildungseinrichtungen. In Kombination mit Dienstleistungen, bei denen das Networking zwischen den Unternehmen und den Angestellten erleichter wird, erhalten die Mieter in den Plänen der Zukunft also eigentlich alle benötigten Leistungen aus einer Hand. Dafür ist es aber nötig, das WeWork weiterhin stark investiert - was natürlich auch zu weiteren Verlusten führen wird.


Investitionen bestimmen die Gegenwart des Unternehmens

Dass der Investor Softbank eine Bewertung von über 100 Milliarden Dollar nicht ausschließt, liegt auch daran, dass WeWork in den vergangenen Jahren verschiedenste Unternehmen gekauft hat. Auf der einen Seite sind dabei natürlich Projekte zu finden, die vor allem der Optimierung der eigenen Prozesse dienen. Besonders interessant ist aber der strategische Einkauf in Unternehmen, die Synergien mit den großen eigenen Plänen schaffen können. Von einer Verwaltung für Immobilienprojekte an den eigenen Standorten bis hin zu Firmen, die sich auf die Konzeption von neuen Büros für kleine Unternehmen spezialisiert haben, ist in dem neuen Portfolio einfach alles zu finden.

WeWork wird also auch in der Zukunft weiter stark expandieren und ist dabei sich neu zu erfinden. Das Ziel ist, dass man zu groß ist, um von einer einfachen Konjunkturschwäche in die Knie gezwungen zu werden. Dabei befindet man sich auf einem guten Weg - hat aber auch immer noch viele Risiken und ist konstant damit beschäftigt, die eigenen Verluste auszugleichen. Wann das Unternehmen konstant schwarze Zahlen schreiben wird, ist derzeit nicht wirklich absehbar.