Der nächste große Crash?

Die nächste Krise könnte die schwerste der letzten 50 Jahre werden. Dies bestätigte ein JP Morgan Star-Analyst. Er ist der stellvertretende Generaldirektor der US-Bank. Vor einiger Zeit verfasste er einen Bericht, welcher die einzelnen Risiken der mechanisierten Investitionsmethoden behandelt und den Bezug zur Weltwirtschaft darstellt.

Marko Kolanovic ist der Mann, der ausführlich über die Risiken der Weltwirtschaft berichtet hat. Er ist Senior Analyst sowie Global Director of Quantitative Macro Strategy bei JP Morgan Chase & Co. Es ist weltweit bekannt, dass sich die Börse von automatisierten Strategien und Algorithmen dominieren lässt. Kolanovic trat in den letzten Wochen und Monaten immer häufiger in den Medien auf, da er die Entwicklungen der Börse erklären und vorhersagen konnte. Bei seiner letzten Vorhersage erläuterte Marko Kolanovic, dass die Börse vor einem sehr großen Problem stehen würde. Die nächste Krise würde größer sein als jede andere der letzten 50 Jahre.



Wie kann so eine Krise entstehen?

Nach der Finanzkrise aus dem Jahre 2008 wurden moderne Investitionsmechanismen entwickelt. Beispiele hierfür sind der automatisierte Handel oder die passive Vermögensverwaltung. Investitionsmechanismen sind heute für Börsenbewegungen verantwortlich. Diese Denkweise schrieb Marko Kolanovic in einem Bericht nieder, welcher über 169 Seiten verfügt und 48 Analysen von unterschiedlichen Ökonomen und Analysten der US-Bank enthält. Darin wird erwähnt, dass sehr starke Rückgänge der Vermögenswerte möglich sind, welche allesamt sehr schnell eintreten können. Sogar heute können schon einige dieser extremen Veränderungen erkannt werden. Als Beispiele könnte hierbei der Dow Jones der Industriellen genannt werden. Er erreichte einen starken Rückgang, von 1.100 Punkten im August 2015 und fast 1.600 Punkten im Februar 2018. Aufgrund dieser Erkenntnisse kam Kolanovic zu seiner Warnung, dass die Auswirkungen immer schlimmer werden könnten.


Die Sache mit der Liquidität

In dem verfassten Bericht von Marko Kolanovic erläuterte ein Analyst von JP Morgan, dass der Verkauf von Vermögenswerten zu passiven Investitionen, in Zeiten wie diesen, sehr schwierig werden könnte. Da viele Wertpapier-anbietende Unternehmen ihre Werte so positionieren, dass sich diese automatisch verkaufen, wenn aus dem Markt eine Schwäche hervorgeht. Laut einer Schätzung von Marko Kolanovic, sei letztes Jahr eine Mindestsumme von zwei Billionen Dollar automatisiert verkauft worden. Bei diesen Wertpapieren fehlt die Gruppe von Käufern, welche den Markt retten könnte, indem sie fallende Bewertungen abgibt. Kolanovic kritisiert außerdem, dass es mittlerweile viele Investoren gibt, welche lediglich mechanisch sind. Diese Gruppe sei angeblich sehr groß. Der Nachteil von mechanischen Investoren sei, dass der Verkauf auf der Grundlage von bestimmten Signalen basiert und nicht auf fundamentalen Entwicklungen. Dies bedeutet, die Erhöhung des Volatilitätsindex oder eine Änderung der Korrelation zwischen der Wirkung von Kursen, Aktien oder dem Wert von Anleihen, werden bei der Entscheidungsfindung nur kaum beachtet. Vereinfacht gesagt, kann somit angenommen werden, dass die Aktien von mechanischen Investoren dann verkauft werden müssen, wenn der Markt zum Beispiel um zwei Prozent sinkt. Kolanovic kritisiert, dass diese Prozesse viele Probleme mit sich bringen und in weiterer Folge zu einer sogenannten Liquiditätskrise führen könnten. Zum Beispiel  könnte ein Fall der Aktienmärkte um 40 Prozent oder mehr eintreten. Dann müssten unkonventionelle Maßnahmen von der US-Notenbank ergriffen werden. Andernfalls könnte ein negativer Feedback-Zyklus nicht abgewehrt werden, was sich nicht nur auf den Kauf von Vermögenswerten auswirken würde.


Wie wirkt sich die ganze Dramatik aus?

Selbstverständlich bringt die Angst vor der großen Krise Auswirkungen mit sich. Einerseits versuchen Anleger, welche lediglich einen geringen Wert an Wertpapieren ergattert haben, diese in kürzester Zeit wieder loszuwerden.  Andererseits kommt es zu einer geringeren Summe an Ausgaben von einzelnen Personen. Aber damit nicht genug, die Pensionsfonds in den Vereinigten Staaten sind sehr stark unterfinanziert. Wenn der Teufelskreis einmal eingetreten ist, ist es enorm schwer, diesen wieder zu verlassen und aus dem negativen Feedback-Zyklus zu entkommen.


Was könnte bei der Flucht aus dem Teufelskreis behilflich sein?

Kolanovic sieht die einzige Möglichkeit in einer Ankurbelung der Wirtschaft. Hierfür müssten die Steuern allerdings weiter gesenkt werden und letztlich vielleicht sogar im negativen Bereich bleiben. Nur wenn diese Maßnahmen durchgeführt werden, kann eine direkte Intervention beim Preis der Anlagegüter geschehen. Dies würde in weiterer Folge zu möglichen Aktien, Gutschriften oder Bindungen führen.


Entspricht Kolanovics Bericht der Wahrheit?

Kolanovic hat in einem Interview mit CNBC bestätigt, dass sein Bericht keine Vorhersage, sondern lediglich eine Warnung vor fürchterlichen Ereignissen, darstellen sollte. Mit einer Krise innerhalb des nächsten Jahres müsse wohl nicht gerechnet werden. Er vermittelte aber auch, dass die Auswirkungen keinesfalls unterschätzt werden sollten. Er schlussfolgerte aus seinem Bericht, dass die Zentralbanken, im Falle einer Krise, Boden für fallende Aktienkurse schaffen müssten, um Renditen nicht längerfristig negativ zu beeinflussen.