Der neue Daimler-Boss ist Schwede

Daimler-Chef Dieter Zetsche gibt seinen bisherigen Posten an den zielgerichtet entwickelten Nachfolger Ola Källenius ab. Zetsche bleibt aber dem Konzern treu, er steigt intern auf - aus dem Vorstand wechselt er in den Aufsichtsrat. Der Wechsel erfolgt wie üblich in Schritten. 2019 hört Zetsche im Vorstand auf, 2021 soll er dann Aufsichtsratschef werden, was per Wahl geschieht. Der Zetsche-Nachfolge Ola Källenius (49) ist Schwede, duzt seine Mitarbeiter und will die Führungskultur des Konzerns erneuern.

Källenius wurde schon lange als Zetsches Kronprinz gehandelt, auch wenn er selbst bislang in Interviews eher abwiegelte. Man spreche bei Mercedes intern nicht über die neue Führung, ließ er kontinuierlich verlauten. Das Unternehmen gab nun offiziell bekannt, dass der Schwede schon ab Mai 2019 die Nachfolgervon Zetsche (65) als Chef der Daimler-Benz AG antreten wird. Die Ankündigung überrascht Insider nicht wirklich, auch wenn sie mit einer entscheidenden Veränderung einhergeht. Källenius ist per Ausbildung Finanzmanager, nicht - wie alle Daimler-Chefs vor ihm - Ingenieur. Er wurde 1969 im schwedischen Västervik geboren und studierte Internationales Management an der Stockholmer Handelshochschule sowie Finance and Accounting an der Schweizer Universität St. Gallen. Auf seine neue Rolle wurde er - vermutlich als einer von mehreren Kandidaten - sehr langfristig vorbereitet. Schon 1993 begann seine Karriere in der Talenteschmiede des Daimler-Benz-Konzerns, der sogenannten “Internationalen Nachwuchsgruppe“. Das ist bei großen Konzernen so üblich. Die Karrieren beginnen in so einem Schmelztiegel der klügsten Köpfe und führen dann vertikal im Unternehmen nach oben. Wechsel zu anderen Konzernen sind eher selten. Källenius bestätigt das. Er habe immer mit Autos arbeiten wollen, zugleich sei sein Wunschunternehmen immer “nur Mercedes“ gewesen, sagte er kürzlich in einem Interview. So viel Entschlossenheit muss wohl auch sein, wenn es jemand in einem Weltkonzern bis an die Spitze schaffen will.


Die Källenius-Stationen

Nach seiner internen Ausbildung bei Daimler arbeitete Källenius im Controlling und dann als Bereichsleiter für den Einkauf. Ab 2010 war er Geschäftsleiter der Mercedes-AMG GmbH, 2013 wechselte er in den Bereichsvorstand Vertrieb von Mercedes-Benz Cars. 2015 schließlich wurde er Mitglied des Konzernvorstands, seit 2017 leitet er die FuE-Abteilung. Mit seinen Mitarbeitern pflegt er das skandinavische Du, spricht gern frei und dabei fließend deutsch, bevorzugt aber bei Vorträgen Englisch wegen des Satzbaus, der dem im Schwedischen gleicht. Damit fühle er sich wohler, sagte er einmal der WELT.


Källenius-Statements

Der Manager gilt intern als Perfektionist. Interviews gibt er eher selten, doch dann möchte er exakt verstanden werden. Mit der BILD am SONNTAG sprach er 2018 über günstige E-Autos. Seiner Meinung nach könnte es diese ab Ende der 2020er Jahre geben. Begeistert ist er vom autonomen Autofahren. Der Computer solle dem Menschen alle Dinge abnehmen, die er abnehmen kann, so seine Auffassung. Dazu gehöre auch das Autofahren nach einem langen Arbeitstag. Es sei eine gewaltige Entlastung, wenn einen dann das computergesteuerte Auto auf Knopfdruck heimbringe, so Källenius. Dennoch werde die Funktion des manuellen Fahrens wohl niemals aufgegeben werden. Daran glaube er als passionierter Autofahrer.


Källenius privat

Der Manager lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Stuttgart. Die Söhne wachsen zweisprachig auf, daheim wird gleichermaßen Deutsch und Schwedisch gesprochen. Dieter Zetsche hält große Stücke auf seinen Zögling. Dieser werde von den KollegInnen unterschiedlichster Bereiche sehr geschätzt und könne seine wertvolle internationale Perspektive einbringen. Die Personalentscheidung des Aufsichtsrats sei daher zukunftsweisend, so Zetsche.