Der Preiskampf bei ETFs

Auf dem deutschen Markt werden aktuell rund 1.200 ETFs gelistet, wobei die durchschnittlichen Gebühren bei 0,34 Prozent liegen.

ETFs sind ein besonders beliebtes Finanzinstrument, welches es Investoren erlaubt, günstig in einen diversifizierten Markt zu investieren. Die Fondsgesellschaft Fidelity hat nun eine neue Runde des Preiskampfes eingeläutet, der den Erwerb eines ETFs noch günstiger als bisher macht.

Preisschraube wird fester gezogen

Der Preiswettbewerb im Fondsgeschäft wird immer heikler, denn nachdem der französische ETF-Anbieter Lyxor im März 2018 neun Fonds vorstellte, die lediglich 0,07 Prozent Gebühren erheben und zudem zwei weitere präsentierte, die lediglich 0,04 Prozent Gebühren berechnen, legt nun der amerikanische Anbieter Fidelity nach.

So kosten nun zwei Index-Fonds auf japanische sowie zwei Index-Fonds auf europäische Aktien lediglich 0,1 Prozent an Gebühren. Des Weiteren wurden zwei neue Index-Fonds auf den S&P-500 vorgestellt, die sogar mit Gebühren von 0,06 Prozent berechnet werden. Dieser Schritt soll dazu beitragen, dass Fidelity einer der Preisführer auf dem europäischen Markt wird. Zudem wird ein MSCI-World-Index mit lediglich 0,12 Prozent und ein Pazifik-ex-Japan mit 0,13 Prozent berechnet. Laut Fidelity sollen diese neuen Indexfonds für alle Investorengruppen die gleichen Gebühren erheben, sodass der Anlagebetrag keine Auswirkung auf die Gebühren hat.

Fidelity gilt im Gegensatz zu Lyxor allerdings nicht als klassischer Emittent von ETFs, sondern als eine Investmentgesellschaft. Die vorgestellten Fonds gelten zudem nicht als ETF, vielmehr als „Open Ended Investment Companies“ (OEIC). Diese sind ebenfalls börsennotiert, jedoch weniger liquide, da sie auf einer täglichen Nettoinventarkalkulation basieren. Für Nick King, dem Leiter für Indexfonds und ETFs ist die neue Preispolitik des Unternehmens einer der Gründe, warum das Unternehmen nun eine breite Auswahl an Produkten zur Verfügung stellen kann.

Preisbrecher sollen Neukunden locken

Auf dem deutschen Markt werden aktuell rund 1.200 ETFs gelistet, wobei die durchschnittlichen Gebühren bei 0,34 Prozent liegen. Lediglich 35 Fonds schaffen es, Kunden mit einem Preis von unter 0,1 Prozent zu begeistern. Insbesondere der iShares Core Fund, welcher auf dem S&P-500 basiert, führt den Markt mit einem investierten Kapital von 21 Milliarden Dollar an. Zudem basieren 15 Fonds auf dem Euro, die anderen auf Dollar, Pfund oder Yen.

31 dieser Fonds gelten zudem als klassischer Aktienfonds, sodass lediglich vier Rentenfonds verfügbar sind. Als beliebtester Index kann der S&P-500 identifiziert werden, da mittlerweile acht Fondsausführungen verfügbar sind. Der Dax ist lediglich dreimal vertreten und gilt als eher uninteressant.

Fidelity macht mit der aktuellen Initiative zwei Umstände besonders deutlich, denn einerseits nähern sich Investmentfonds und ETFs immer näher an. Andererseits ist aktuell ein Preiskampf zu beobachten, welcher die Gebühren für ETFs gegen null drückt und den Kampf zwischen den ETFs und klassischen Fonds anfeuert. Auch die Fondsspielarten werden immer identischer, sodass Anleger kaum eine Chance haben, diese zu unterscheiden.

Dieser Aspekt sollte besonders kritisch bewertet werden, denn die Entscheidung zwischen einem ETF und einem klassischen Fonds kann aufgrund der Liquidierbarkeit eine wichtige Rolle einnehmen. Grundsätzlich sollte festgehalten werden, dass OEICs eher illiquide sind und zu Krisenzeiten nur mit einem hohen Abschlag veräußert werden können.

Die günstigsten ETFs bietet zum aktuellen Zeitpunkt Lyxor an. Hierbei handelt es sich um einen ETF auf britische Aktien. Gefolgt wird dieser Index von dem Lyxor-ETF, welcher einen Fokus auf US-Equity setzt.