Der Trug der deutschen Stiftungen

Deutschland kann als Land der Stiftungen bezeichnet werden, denn kein anderes Land der EU hat mehr Organisationen mit einen wohltätigen Zweck. Allerdings sind deutsche Stiftungen besonders wirkungslos und sollten sich ein entsprechendes Beispiel am Ausland nehmen.

Deutschland ist der Europameister, wenn es um Stiftungen geht 

Deutschland, bekannt als das Land der Dichter und Denker, ist das Land innerhalb der EU mit den meisten Stiftungen. Laut den Forschern der Harvard Kennedy School existieren 20.700 Stiftungen in Deutschland und somit viermal soviel wie in Frankreich. Auch England wurde bei dieser Auswertung distanziert und unterliegt mit 8.000 Stiftungen. Allerdings ist der Schein trügerisch, denn die reine quantitative Anzahl der Organisationen lässt noch keinen Rückschluss auf deren Wirksamkeit zu. Vielmehr muss hierfür ein Blick auf die Budgets geworfen werde. Mit durchschnittlichen Ausgaben von 1,1 Millionen Euro jährlich pro Stiftung liegt Deutschland nur auf einem Mittelfeldplatz.

Das kritische an dieser Kennziffer ist, dass dies nur ein Durchschnittswert ist, sodass sich ein noch größeres Dilemma abzeichnet. Laut dem Bundesverbandes Deutscher Stiftungen verfügen rund drei von vier Stiftungen jährlich über ein Budget von weniger als 100.000 Euro. Wird statt des arithmetischen Mittels der Median zur Berechnung des mittleren Wertes herangezogen, so liegt dieser bei lediglich 26.600 Euro. Werden die Verwaltungskosten abgezogen, so lässt sich mit diesem Geld kaum noch ein guter Zweck verfolgen.

 

 Stiftungen fokussieren sich auf fünf Bereiche 

Aus einer Untersuchung der UBS geht hervor, dass rund 35,1 Prozent der Stiftungen im Bereich Bildung investieren. Als zweitwichtigstes Einsatzgebiet werden soziale Dienstleistungen genannt. Hier beläuft sich der Anteil der erfassten Engagements auf 21,2 Prozent. Im Bereich der Gesundheit sind weitere 20,4 Prozent der Stiftungen aktiv. Der Bereich Kunst und Kultur (17,7 Prozent) und Armutsbekämpfung (16,3 Prozent) folgen anschließend.

Laut dem Chef des Bundesverbands Deutscher Stiftungen, Felix Oldenburg, müssten Organisationen neue Wege gehen, um gute Tage zu realisieren. Es muss demnach nicht immer die etablierte Stiftung sein, sondern in Anhängigkeit vom Zweck kann es sich auch um eine Zustiftung, eine StiftungsGmbH oder eine Verbraucherstiftung handeln. Eine wichtige Rolle bei der Zukunftsfähigkeit der Stiftung nimmt die Bundesregierung ein, die nun in der Situation befindet und, um eine adäquate Änderung im Gesetz zu etablieren. Bereits im Juni soll ein neues Gesetz erscheinen, welche das Stiftungsrecht verändern soll. Das Ziel soll dabei vor allem eine größere Variabilität beim Verfolgen der Stiftungsziele sein, denn diese könnten andere veränderte Zeiten und neue Zwecke angepasst werden. Zusätzlich soll das Gründen und Auflösen von Stiftungen erleichtert werden. Dies soll dazu beitragen, dass die Stiftungszahl in Deutschland sinkt und die Wirkkraft der einzelnen Stiftung erhöhen.

 

Große Stiftungen kommen aus den USA 

Der jüngst veröffentlichte „Global Philanthropy Report“, welcher 260.000 Stiftungen aus 39 Länder umfasste, wurde durch die Harvard-Forscher im Auftrag der UBS erstellt. Bisher handelt es sich um die wohl größte Sektoranalyse der Geschichte. Laut den Erkenntnissen sind zudem mehr als 70 Prozent der Stiftungen noch sehr jung, sodass deren Alter noch keine 25 Jahre erreicht hat. Zudem liegen die größten Stiftungsunternehmen in den USA, da das Land einen attraktiven Investitionsbereich bietet. Ein brisantes Detail der Untersuchung ist, dass rund 58 Prozent der Stiftungen nicht mit anderen Stiftungen zusammenarbeiten. Durch das Nutzen von Synergien könnte laut den Experten die Effizienz des Netzwerks einmal eingeschränkt.

Das Deutschland innerhalb der EU eine Vorreiterrolle einnimmt ist positiv, doch in den USA sind wesentlich mehr Stiftungen gegründet wurden. Mittlerweile stieg die Anzahl auf 86.000 an. Durch den Einsatz des OECD-Berichts zeigt sich nun, ob und wie eine Regulierung wirkt. Bereits Bill Gates und Melinda Gates zeigten im Jahr 2013 bis 2015, dass eine Entwicklungshilfe ein teures Projekt ist. Mittlerweile belaufen sich die Erlöse auf 11,6 Milliarden Euro.