Der türkischen Lira droht eine Abwärtsspirale

Der Wohlstand der Menschen in der Türkei ist in Gefahr. Der Grund hierfür ist der zunehmende Verfall der türkischen Währung. Geht dieser noch weiter und verlieren noch mehr Investoren das Interesse an der Lira, so könnte das Land am Bosporus in eine schwere Krise stürzen.

Der türkischen Währung droht eine Abwärtsspirale, die den Wohlstand der Menschen gefährden könnte. Denn immer mehr Investoren verlieren das Interesse an türkischen Anleihen und so wertet die Landeswährung immer weiter ab. Momentan steigen die Preise rapide. Egal, ob Lebensmittel oder Benzin - alles wird teurer. Seit Anfang des Jahres hat die Lira gegenüber dem Dollar fast 40 Prozent an Wert verloren. Für Investoren ist das Interesse an türkischen zehnjährigen Staatsanleihen so gering, so dass ihre Rendite inzwischen auf über 20 Prozent gestiegen ist. Experten sehen es als nicht unwahrscheinlich an, dass der Internationale Währungsfonds helfend einspringen muss. Dann wären auch Kapitalkontrollen nicht unwahrscheinlich.


Wachstum wurde mit Krediten erkauft

Auf den ersten Blick sieht es gar nicht so schlecht aus: Die Konjunktur scheint intakt und viele Firmen haben volle Auftragsbücher. Auch die Banken verfügen über eine solide Kapitalmenge und die Menschen in der Türkei konsumieren ordentlich. Das Wirtschaftswachstum stieg im Jahr 2017 um mehr als 7 Prozent. Allerdings wurde das Wachstum auf Kredit erkauft. Das führte schließlich zu einem großen Wertverlust der Landeswährung. Eine mögliche Gegenreaktion könnte von der Zentralbank ausgehen. Hierfür müssten die Zinsen angehoben werden. Das jedoch möchte Staatschef Erdogan verhindern und macht erfolgreich seinen Einfluss geltend.



Sicherheuten der türkischen Banken in Gefahr

Momentan liegt der Leitzins bei 17,75 Prozent. Die Inflation hat einen Wert von 15,4 Prozent. Das kann auch negative Auswirkungen auf die Banken haben. Doch anstatt die Zinsen anzuheben, verringerte die Zentralbank den Anteil der Mindestreserven für türkische Banken noch. Anscheinend trauen sich die Notenbanker nicht, die Zinsen zu erhöhen, oder sie dürfen es schlicht gar nicht. Der Einfluss von Staatslenker Erdogan ist überall spürbar. Die türkische Währung wertet momentan rasant ab und droht damit auch die Kapitalpuffer der türkischen Banken abzuschmelzen. Steigt der US-Dollar von derzeit 5,29 auf 7,10 Lira, so verfügen die türkischen Banken über keine ausreichende Sicherheiten mehr. Währungsexperten sind sich einig, dass die türkische Währung anfällig für negative Nachrichten ist. Ausländische Investoren verlieren immer mehr das Vertrauen in die Türkei.

 

Es besteht noch Hoffnung

Einen großen Einfluss auf die Märkte hat auch der Streit über einen im Land inhaftierten Pastor aus den USA. Der Streit beunruhigt die Märkte und geht sogar so weit, dass beide Länder Sanktionen gegen Minister des jeweils anderen Landes verhängten. Immerhin haben sich die beiden Regierungen bei bestimmten Themen mittlerweile verständigt. Das sorgte schließlich dafür, dass die türkische Währung ein wenig Auftrieb erhielt. Investoren haben nun die Hoffnung, dass damit ein Gesetz keine Anwendung findet, wonach die USA einem IWF-Hilfsprogramm für das Land die Zustimmung verweigern könnten. Hierdurch könnte der Ausverkauf des Landes noch abgewendet werden. Allerdings drohen dem Land am Bosporus mit einem Hilfsprogramm des IWF nicht weniger schwierige Zeiten.