Der Zins-Horror wird Normalität für Sparer

32 Jahre war der Portugiese Vitór Constancio Teil der EZB. „Mir wird deine Passion für immer in Erinnerung bleiben“, so Mario Draghi, der EZB-Präsident. Plötzlich wurde man das Gefühl nicht los, Notenbanker hätten doch Gefühle. Wenig gefühlvoll war hingegen die letzte Rede des Portugiesen. „Wir müssen uns bewusst sein, dass die unkonventionelle Geldpolitik jetzt ein Teil des normalen geldpolitischen Instrumentariums geworden ist. Das heißt, dass sie zu jeder Zeit benutzt werden kann“, so der Währungshüter, der damit klar machte, dass auch dann, wenn sich wieder alles normalisieren würde, eine Rückkehr zur alten Geldpolitik ausgeschlossen werden kann.


Reale Rendite ist seit 2011 negativ

Wie sehr sich das einstige Koordinatensystem veränderte, zeigt die EZB-Bilanzsumme. Es waren billionenschwere Anleihekäufe, die sich auf mehr als 4,5 Billionen Euro aufblähten. Der Anteil liegt, sofern die Wirtschaftsleistung innerhalb der Euro-Zone zur Hand genommen wird, bei 40 Prozent. Das heißt, die EZB hat beispielsweise mehr Papiere in den Büchern als die FED, deren Bilanzsumme aber gerade einmal bei einem Fünftel der Wirtschaftsleistung liegt. Das beweist, dass die EZB wesentlich aggressiver bei der unkonventionellen Geldpolitik als die USA sind. Natürlich haben derartige Entwicklungen auch Folgen für die Anleger - die Zinsen bleiben nämlich niedrig. Constancios Worte haben zudem auch gleich die zehnjährige Bundesanleihe in Bedrängnis gebracht - diese ist auf 0,59 Prozent gerutscht. Berücksichtigt man also die reale Rendite, so macht der Anleger, sofern er sich für die zehnjährigen Bundesanleihen entscheidet, ein Minus von rund 1,1 Prozent, da die Inflation bei rund 1,6 Prozent liegt. Das ist jedoch nicht neu - seit dem Jahr 2011 sind nämlich die realen Renditen negativ.

 

Anlagestrategien müssen überdacht werden

Doch was bedeutet die Entwicklung für die Anleger? In der Regel müssen die Anlagestrategien neu überdacht werden. Mit sicheren Zinspapieren wird man in naher Zukunft nämlich keinesfalls Geld verdienen. All jene, die für das Alter vorsorgen wollen, sind gut beraten, wenn sie sich für „riskantere Anlagen“ entscheiden. Wohl auch deshalb, weil nicht klar ist, ob die EZB das milliardenschwere Anleihekaufprogramm verlängern oder mit September beenden wird. „Im Rat wurde nicht über die Geldpolitik diskutiert“, so Mario Draghi. Eine ausgesprochen verwirrende Aussage - schlussendlich könnte man meinen, es würde sich bei den Notenbankern immer um die Geldpolitik handeln.


Leitzins bleibt unverändert bei 0 Prozent

Die Konjunkturdaten haben sich für den Euro-Raum überraschend eingetrübt - so brach in Deutschland etwa der Ifo-Index ein. „Natürlich ist nach einem starken Wachstum eine Normalisierung normal“, so Draghi“, „wir müssen aber die aktuellen Entwicklungen besser verstehen lernen, bevor über neue Maßnahmen diskutiert wird.“ Aus diesem Grund bleibt der Leitzins im Euro-Raum bei 0 Prozent. Auch der Einlagenzinssatz bleibt unverändert - dieser beträgt aktuell Minus 0,4 Prozent.