Deutsche Bank: globaler Anspruch bleibt

Auch wenn sich die Deutsche Bank in neuerer Zeit wieder mehr auf den Heimatmarkt konzentrieren möchte, und deshalb Teile des Unternehmens aus den USA abzog sowie etliche Stellen streichen musste, glaubt der neue Chef des Unternehmens, Christian Sewing, weiterhin an die Bedeutung einer globalen Aufstellung für sein Geldhaus. Die Deutsche Bank will daher auch unter seiner Führung nicht an ihrem globalen Anspruch und der weltweiten Aufstellung des Bankhauses rütteln.


Ein krisenfestes und global aktives Unternehmen

Sewing meinte, dass die Deutsche Bank auch vor dem Hintergrund aktueller Polit-Krisen eine wichtige Position im internationalen Bankengeschäft innehaben sollte. Für die Kunden und die deutsche Volkswirtschaft sei es wichtig, dass die globale Ausrichtung der Deutschen Bank erhalten bleibe - sogar wichtiger denn je. Gerade in einer Zeit zunehmender Spannungen zwischen den USA und Europa sei es riskant, elementare Funktionen wie Finanzierung oder Risikomanagements nur einigen wenigen, vornehmlich außereuropäischen Geldhäusern zu überlassen, sagte Sewing.

Erst im April 2018 hatte Christian Sewing die Leitung der Deutschen Bank übernommen. Die Frankfurter Großbank hatte drei Jahre nacheinander Verluste eingefahren. Dadurch fiel die Deutsche Bank in der finanzpolitischen Bedeutung weit hinter die großen amerikanischen und außereuropäischen Banken zurück. Die von Sewing verordnete Schrumpfkur, die vor allem das US-Geschäft betraf, sei zugleich eine Rückbesinnung der Bank auf die Standorte Deutschland und Europa.

In den USA war der Bedeutungs-Absturz des Geldinstituts am spürbarsten geworden. Der Bedeutungsverlust kratzte auch am Anspruch, als Global Player eine bedeutende Rolle zu spielen. Es geht Sewing jedoch nicht darum, weiterhin als einer der Weltmarktführer zu gelten. Diesen Anspruch hatte die Deutsche Bank noch vor der Finanzkrise 2008/09 bei einigen ihrer Geschäftszweige aufrechterhalten.


Der Anspruch wurde heruntergeschraubt

Den Anspruch, unter den wichtigsten drei Geldinstituten zu rangieren, hat Sewing aufgegeben. Sein erklärtes Ziel sei es nicht, in sämtlichen Bereichen die Spitzenpostion zu repräsentieren. Die Deutsche Bank, so Sewing, sei jedoch beim Zahlungsverkehr, im Devisenhandel oder beim Clearing von Euro- und Dollargeschäften weiterhin unter den Top-Banken vertreten. Viele Kunden der deutschen Bank wollten zudem, dass die Bank trotz des schwächelnden Investment-Bereiches am Ball bleibt.

Es ginge nach den Bereinigungen der vergangenen Jahre nun darum, die Deutsche Bank wieder profitabel zu machen. Für dieses Ziel müsse sich das Bankhaus in den nächsten anderthalb Jahren aber noch deutlich verbessern. Sewing hofft, dass sein Unternehmen danach an den Finanzmärkten neu bewertet wird. Allerdings seien die anstehenden Herausforderungen angesichts strenger Regulierung, zunehmender Digitalisierung und veränderten Kundenverhaltens größer als je zuvor.

Sewing sagte, die aktuelle Situation dürfte viele Geldhäuser überfordern. Er sieht einen steigenden Konsolidierungsdruck für Banken in Europa. Daher sei ersichtlich, dass Europa nicht viele, sondern vor allem starke Banken brauche.


Die Diskussion um eine Fusion

Weder Sewing noch der bei derselben Finanzkonferenz anwesende Commerzbank-Chef wollten sich zu den Diskussionen um eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank äußern. Außerdem hätte der Staat bei einer Fusion der beiden Großbanken ein Wort mitzureden. Er hält derzeit 15 Prozent der Commerzbank-Aktien - eine Folge aus der überstandenen Finanzkrise. Auch der derzeitige Unions-Fraktionschef Volker Kauder erteilte einer Fusion der Frankfurter Großbanken im "Handelsblatt" eine klare Absage. Er sagte, er sei überzeugt, dass zwei finanzkräftigen Großbanken für den Geldmarkt profitabel sein könnten. Man müsse sich überlegen, wie man in Deutschland wieder zu leistungsfähigen Großbanken kommen könne.

Bevor die Frankfurter Großbanken wieder in größeren Dimensionen denken können, steht bei der Commerzbank aber angesichts der demnächst anstehenden Neuordnung des Dax an, den angestammten Rang an den Online-Zahlungsabwickler "Wirecard" abzugeben. Davon unabhängig fällt die Deutsche Bank möglicherweise bald aus dem Top-Index der Euro-Zone heraus: dem "EuroStoxx50". Erst wenn auch diese Einschnitte und Bedeutungsverluste überstanden sind, können beide Banken wieder nach vorne sehen.