Deutsche Börse: Kein Handel mit Cannabis-Aktien

Cannabis-Aktien liegen im Trend. Innerhalb der letzten drei Jahre vervierfachte sich der North American Marijuana Index. Allein während des letzten Jahres legte er 130 Prozent zu. An diesem Trend sollen nun die deutschen Anleger nicht mehr teilhaben können – zumindest nicht auf dem deutschen Markt. Denn ab dem 28. September will der Zentralverwahrer Clearstream, eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Börse, keine Cannabis-Aktien mehr abwickeln. Gestützt auf die Entscheidung von Clearstream stellt die Deutsche Börse den Handel der betroffenen Titel bereits am 24. September ein.

 

Luxemburger Finanzmarkaufsicht verbietet Cannabis-Wertpapiere

Grund für diese Entwicklung sind neue Leitlinien der Luxemburger Finanzmarktaufsicht CSSF. Sie verbieten den Handel von Wertpapieren, deren Emittenten hauptsächlich im Geschäft mit der Produktion und Finanzierung von Cannabis oder vergleichbaren Drogen tätig sind. Die Luxemburger Finanzmarktaufsicht ist zuständig, da Clearstream ausländische Wertschriften – die Cannabis-Titel stammen hauptsächlich von amerikanischen und kanadischen Unternehmen – in Luxemburg verwahrt. Und Luxemburg versteht in Bezug auf Cannabis keinen Spaß. Nicht nur Herstellung, Verkauf, Besitz und Konsum von Drogenhanf sind verboten. Auch die Verwendung von THC-haltigem Cannabis zu medizinischen Zwecken verstößt gegen das Gesetz. Der Handelsausschluss an der Deutschen Börse betrifft 145 Unternehmen, darunter Canopy Growth, Aurora Cannabis, Aphria und Cronos Group. Zu den Betroffenen zählen auch Unternehmen, die medizinisches Marihuana vertreiben. Pharmaunternehmen hingegen, die die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze zu Medikamenten verarbeiten, bleiben verschont. So darf der britische Arzneimittelhersteller GW Pharmaceuticals – er produziert das MS-Medikament Sativex – seine Aktien weiterhin an der Deutschen Börse handeln. Ohnehin nichts zu befürchten haben Unternehmen, die sich bloß nebenbei mit der Herstellung oder dem Vertrieb von Hanfprodukten beschäftigen.

 

Legale Hanfprodukte – ein Wachstumsmarkt

Der legale Cannabis-Markt hat Potenzial. Dazu trägt insbesondere die erst letzte Woche beschlossene Hanflegalisierung in Kanada bei. Der Wirtschaftsprüfer Deloitte erwartet, dass legale Hanfprodukte in Kanada nächstes Jahr ein Marktvolumen von umgerechnet 3,3 bis 4 Milliarden Euro erreichen. Die Consulting-Firma Grand View prognostiziert für das Jahr 2025 einen weltweiten Umsatz von 146 Milliarden US-Dollar. Etwas zurückhaltender ist das Marktforschungsunternehmen Brightfield Group: Es schätzt das weltweite Marktpotenzial im Jahr 2021 auf 31 Milliarden US-Dollar. Allerdings gibt es auch Rückschläge für die Hanfbranche. Beispielsweise will US-Justizminister Jeff Sessions ein Rundschreiben aus der Obama-Zeit, das die Cannabis-Legalisierung in den Bundesstaaten erlaubte, rückgängig machen.