Deutsche Versicherer arbeiten an digitalen Lösungen 

Viele Branchen zeichnen sich durch anhaltende Trends wie autonomes Fahren, künstliche Intelligenz oder Machine Learning aus. Doch auch die Versicherungsbranche feilt an der Digitalisierung und möchte somit Kostenersparnisse erzielen. 

Innovation Labs als Brutkasten für Innovationen 

Sogenannte Innovation Labs sind mittlerweile in jeder größeren Branche normal. Auch die Versicherungsbranche fokussiert auf die Digitalisierung und forciert die Entwicklung neuer, digitaler Produkte. Ein Beispiel liefert etwa die R+V-Versicherung, die das Innovation Lab MO14 betreibt. Hier werden für die Versicherungssparte Kraftfahrt die aktuellen Mobilitätstrends erforscht und passende, innovative Lösungen für die Kunden entwickelt. So betreibt die Versicherung bereits heute Forschungen am autonomen Fahren sowie zwei hoch automatisierte Kleinbusse auf dem Frankfurter Flughafen. Ziel ist die innovative Versicherung von autonomen Fahrzeugen, wobei die R+V-Versicherung bereits heute als Führer in diesem Gebiet gilt. 

Zudem fokussiert das Innovation Lab die Entwicklung von Geschäftsmodellen, die einen Mehrwert für die Sharing Economy bieten. So sollen etwa Lkw-Parkplätze zwischen Speditionen vermittelt werden, sodass die Spediteure die Lkw-Fahrer entlasten können. Auch die Entwicklung einer Plattform, die automatische Lkw-Fahrten organisiert, gehört in das mögliche Produktportfolio der Versicherung. Die ursprüngliche Idee hat das Entwicklerteam im Rahmen eines Startup-Pitchs des Bundesverkehrsministeriums vorgestellt. 

Digitalisierung bei der Zurich-Gruppe Deutschland im Fokus 

Die Zurich-Gruppe Deutschland setzt auf einen anderen Ansatz. Hierbei kommen sogenannte „Champion-Teams“ zum Einsatz, die im Design Lab stationiert sind und kundenorientierte und innovative Ansätze entwickeln sollen. Alle Teams sind dabei in flexiblen Strukturen organisiert, welche dazu angehalten werden, die Kundenperspektive zu analysieren. Alle Ideen, die aus den Champion-Teams kommen, haben innerhalb des Unternehmens einen besonderen Stand, wenn sie durch das jeweilige Team und den Fachbereich zur Marktreife entwickelt werden können. 

Die Champion-Teams arbeiten seit 2016 bereichsübergreifend und über die bestehenden Strukturen hinweg. Diese agile Arbeitsweise erlaubt es, dass die Zurich-Gruppe alle neuen Ideen im kleinen Rahmen testen kann, bevor diese auf dem Markt ausgerollt werden. Dieses Vorgehen soll dazu beitragen, dass die Entwicklungszeiten für neue Produkte von mehreren Monaten auf wenige Wochen reduziert werden. Die Kultur im Unternehmen begrüßt dabei das Querdenken, Ausprobieren, Ändern und Verwerfen neuer Ideen.

Für die unternehmenseigenen Startups liegt der Fokus zudem auf der Entwicklung neuer Kunden-Ökosysteme. Diese Ökosysteme sollen einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, welche das Erfassen der Kundenbedürfnisse bis hin zum Kontakteintritt mit der Versicherung umfasst. Laut Dr. Alexander Bernert, dem Head of Retail Market Management bei der Zurich-Gruppe, arbeitet das Unternehmen zudem an neuen Kunden-Touchpoints, welche auf dem Smartphone oder neuen Sprachassistenten basieren. Doch auch künstliche Intelligenz und Machine Lerning sind Themen, die bei der Zurich-Gruppe eine wichtige Rolle einnehmen. 

Startups mischen den Markt auf 

Besonders hohen Einfluss auf die Innovationen des Versicherungsmarktes haben zudem Startups wie „Element“, die als digitale Versicherer auftreten. Der Ursprung von „Element“ war der Startup-Inkubator „Finleap“, der zudem den Versicherungsmakler „Clark“ herausbrachte. „Element“ legt als neuer und digitaler Versicherer einen besonderen Fokus auf Sachversicherungen, wobei Kfz-Versicherungen nicht zum Angebot gehören. Zudem sehen die aktuellen Planungen kein Endkundengeschäft vor, sodass lediglich Versicherer und Makler zur Zielgruppe zählen. 

Enge Zusammenarbeit von Banken und Versicherer 

Um Kunden ein besseres Angebot bieten zu können, arbeiten mittlerweile auch Banken und Versicherer im Rahmen digitaler Dienstleistungen zusammen. Ein renommiertes Beispiel ist etwa die Deutsche Bank, die zum aktuellen Zeitpunkt mit dem Insurtech „Friendsurance“ zusammenarbeitet. Das Ziel der Kooperation ist die Entwicklung eines digitalen Versicherungsmaklers.

Laut Michael Koch, dem Leiter der Digitalfabrik und der Leiter des Bereichs für Online & Mobile Banking bei der Deutschen Bank, spielt der Plattformgedanke eine besonders große Rolle bei Finanzprodukten. Beim Plattformgedanken rücken die klassischen Finanzprodukte enger mit Versicherungsprodukten zusammen, sodass dem Kunden ein ganzheitliches Produktangebot auf einer gemeinsam entwickelten Plattform bereitgestellt werden kann.