Deutschland ist erneut Weltmeister beim Handelsüberschuss

Das Ifo-institut aus München macht regelmäßig mit spektakulären Ergebnissen aus der Wirtschaftsforschung auf sich aufmerksam. Die kürzlich veröffentlichte Bilanz für den deutschen Außenhandel hat gar das Potenzial zu internationalen Verwerfungen. Nach Berechnungen der Wissenschaftler wird Deutschland in diesem Jahr einen Weltrekord beim Leistungsbilanzüberschuss erzielen, mit großem Abstand vor Japan auf Platz 2 und den Niederlanden auf Rang 3.

Schon zum dritten Mal in Folge wird Deutschland laut den Experten des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung 2018 den weltweit größten Leistungsbilanzüberschuss ausweisen. Die Experten rechnen für das laufende Jahr mit einem Überschuss in Höhe von 265 Milliarden Euro (umgerechnet fast 300 Milliarden US-Dollar). Diesen Wert werden die Waren und Dienstleistungen erreichen, die die Bundesrepublik mehr ins Ausland exportiert, als sie Waren und Dienstleistungen importiert. Vor allem geht der Exportüberschuss auf den Verkauf von Waren in das EU-Ausland und die Vereinigten Staaten zurück. Bei den Dienstleistungen dagegen verzeichnet Deutschland gar ein Defizit von 18 Milliarden Euro.

 

Wasser auf die Mühlen des Protektionismus

Vor allem in Übersee erregt der alljährliche deutsche Überschuss große Empörung. Er ist ein Grund für die protektionistische Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Angesichts der aktuellen Prognose für das laufende Jahr dürfte sich dessen Einstellung gegenüber der deutschen Wirtschaft nicht ändern. Zu den Kritikern zählen aber auch Institutionen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die Europäische Kommission, die gewöhnlich nicht zu den populistischen Scharfmachern gezählt werden. Dauerhaft führen wirtschaftliche Ungleichgewichte dieser Größenordnung denn auch zu gravierenden Problemen. Wo auf der einen Seite Überschüsse erwirtschaftet werden, entstehend auf der anderen Seite entsprechende Defizite. Die in Deutschland erwirtschafteten Überschüsse müssen in Form von Kapital in die Defizitländer übertragen werden. Können diese ihre Schulden nicht mehr bedienen, führt das zu starken Rückkopplungen in Deutschland, wo Investitionen im Ausland abgeschrieben werden müssen.

 

Größtes Defizit in den USA

Rekordhalter auf der anderen Seite der Skala sind mit einem für das laufende Jahr erwarteten Defizit von 420 Milliarden US-Dollar die Vereinigten Staaten. Anders als viele andere Defizitländer sind diese allerdings durch die weltweite Bedeutung des Dollar geschützt. Die Rolle als Anbieter der Leitwährung ist auch teilweise für dieses Defizit verantwortlich. Nicht eingerechnet sind bisher zudem die Auslandsgeschäfte der Digitalkonzerne aus dem Silicon Valley. Nach der Steuerreform in diesem Jahr wird damit gerechnet, dass Gewinne aus dem Ausland vermehrt in den USA verbucht werden, was positive Effekte auf das US-Defizit haben dürfte. Außerdem wird sich zumindest kurzfristig auch die Handelspolitik von Donald Trump positiv auf die US-Handelsbilanz auswirken.

 

Deutsche Wirtschaft sieht kein Problem

Die deutschen Industrie- und Handelsvertreter sehen derweil keine Probleme beim Außenhandel. Die Zahlen seien lediglich Ausdruck der Stärke und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen im internationalen Umfeld. Man verweist außerdem auf die deutschen Investitionen in der ganzen Welt, die Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen. Davon profitierten vor allem China und die USA.

 

China reduziert Handelsüberschuss

Zu einer Veränderung in der Rangliste der Länder mit den größten Überschüssen dürfte China führen. Das Land wird im laufenden Jahr nicht mehr unter den Top 3 landen. Dazu beigetragen hat nicht nur, dass China im Jahr 2018 weniger Waren ausführen wird als im vergangenen Jahr. Gleichzeitig steigen auch die Einfuhren stark an, sodass die Bilanz ausgeglichener wird. Vor allem die Exporte nach Amerika und Europa werden in diesem Jahr schwächer ausfallen.