Jessica Schwarzer
Journalistin, Moderatorin, BuchautorinNachricht senden

Die besten Anlagestrategien Teil 12: Mischfonds in der Kritik

Sie gelten als Allheilmittel in der Niedrigzinsphase und sind ein echter Kassenschlager. Selbst konservative deutsche Anleger trauen sich plötzlich an die Börse. Doch nun gerät der Mischfonds in die Kritik.

Dieses Urteil ist hart für die Branche: Die wenigsten Mischfonds sind ihr Geld, sprich ihre Gebühren wert. Das ist - stark verkürzt - das Ergebnis einer Analyse von Morningstar-Analystin Barbara Claus. Sie hat sich mal wieder die Fondskategorien „Flexible globale Mischfonds“ und „ausgewogene globale Mischfonds“ angeschaut. Eine spannende Analyse, in den vergangenen Jahren waren die Multi-Asset-Lösungen schließlich der Verkaufsschlager. Doch das Fazit von Barbara Claus ist ernüchternd, für die Branche und für die Investoren: „In den letzten Jahren hat sich die Flexibilität der Mischfonds ganz klar nicht ausgezahlt, und zwar noch einmal deutlich weniger bei den flexiblen Fonds, was impliziert, dass der durchschnittliche Fondsmanager die höhere Flexibilität nicht zum Vorteil der Anleger genutzt hat“.

Verglichen hatte sie die angeblichen Alleskönner mit der Kategorie „globale Large-Cap Aktienfonds“ und den jeweiligen Vergleichsindizes. „Während die gemischten Fonds langfristig ungefähr die Hälfte der Erträge eines reinen Aktienfonds erzielen konnten, fallen die kurzfristigen Ergebnisse über drei und fünf Jahre desaströs aus“, schreibt Claus. Die Fonds lieferten beispielsweise in den vergangenen drei Jahren lediglich 2,86 Prozent (ausgewogen) oder 2,59 Prozent pro Jahr ab (flexibel), während aktiv gesteuerte globale Aktienfonds Jahr für Jahr im Schnitt 8,05 Prozent erzielten. „Der durchschnittliche ausgewogene und flexible Mischfonds konnte also weder ansatzweise die Hälfte der Performance eines reinen Aktienportfolios erzielen noch mit seiner Kategorie-Benchmark mithalten“, schreibt Claus in ihrer Analyse.

 

Mischfonds halten nicht, was sie versprechen

Verbraucherschützer kritisieren die Fondskategorie schon länger. „Die Mischfonds, die Verbrauchern von den Banken gerne verkauft werden, halten nicht, was sie versprechen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Die Kosten für Ausgabeaufschlag, Management und fortlaufende Vertriebsprovision sind so hoch, dass von den am Markt erzielbaren Renditen für Anleger oft nichts mehr übrig bleibt.“

Diese Kritik trifft die Branche und sie hält natürlich dagegen. „Gescheitert sind nur Manager, die an der Benchmark ‚kleben‘, nicht das Konzept an sich“, sagt beispielsweise Stefan Meinhold, Senior Portfolio Advisor in der Multi Asset Boutique von Vontobel. „Fahren Fonds keine aktiven Wetten, können die Fondskosten nicht verdient werden und Mehrwert für den Anleger kann auch nicht generiert werden.“ Gerade die Steuerung der Aktienquote biete einen großen Hebel, um Mehrwert zu schaffen. Er nennt den Flagschiff-Fonds Vontobel Fund II – Vescore Active Beta als Beispiel, in dem die Aktienquote zwischen null und 60 Prozent liegen dürfe. „Und diese Grenzen haben wir historisch nahezu ausgenutzt. Das hat sich ausgezahlt, der Fonds zeigt über nunmehr 17 Jahre ein sehr robuste Wertentwicklung“, sagt er. „Wir managen den Fonds mit einem quantitativen System, hiermit schalten wir die Schwerkraft der neutralen Quote aus, die viele Fondsmanager im Kopf haben.“

 

Die meisten Fonds haben „ambitionierte Kosten“

Natürlich ist die Analyse von Barbara Claus auch kein pauschales Urteil. Fakt ist aber, dass die meisten Fonds schlecht abgeschnitten haben. Doch wie immer gibt es - zum Glück für Investoren - auch positive Beispiele. Morningstar hat mittlerweile nachgelegt und einige aktiv verwaltete Mischfonds identifiziert, „die sich positiv aus der schwachen Masse der Mischfonds abheben“. Ein wichtiger Faktor, das zeigen beide Auswertungen, sind die Kosten. Ein Punkt, der ja auch dem Verbraucherschützer wichtig ist. Die Mischung verschiedener Anlageklassen könne durchaus eine solide, individuell passende Anlagestrategie darstellen, sagt Nauhauser. Vorausgesetzt die laufenden Kosten seien überschaubar. Die Morningstar-Analystin attestiert den meisten Mischfonds allerdings  „ambitionierte Kosten“. Im Durchschnitt liegen diese inklusive Handelskosten bei 1,83 Prozent pro Jahr. Das belaste die Performance deutlich, vor allem im Hinblick darauf, dass Mischfonds einen Teil ihres Vermögens in als sicher geltenden Anlageformen investieren, wie beispielsweise Anleihen hoher Bonität, deren Ertragspotential begrenzt scheint.

Nauhauser ist überzeugt: „Dass es den Fondsmanagern auf Dauer gelingt, durch eine aktive Gewichtung von Aktien und Zinspapieren für Anleger eine höhere Rendite rauszuholen, ist ein Mythos, der längst von der Realität widerlegt worden ist.“ Und das hat nach Ansicht des Verbraucherschützers vor allem einen Grund: „Market-Timing funktioniert nicht, daher lohnt es sich auch nicht, dafür Geld auszugeben.“ Das bestätigt auch die Analyse von Morningstar.  „Typischerweise trägt das flexible Management der Aktienquoten bei den meisten Fonds wohl weiterhin nicht positiv zum Gesamtergebnis bei“, schreibt Claus. „Vor allem in volatileren Märkten mit Trendbrüchen können sich die aktiven Manager zum Handeln verleitet fühlen, was aktive Performance für Anleger kosten kann.“

Das habe sich auch an den Aktienquoten in den ziemlich turbulenten und schwachen Monaten Oktober und Dezember 2018 sowie Mai 2019 gezeigt. Die Fondsmanager hätten ihre Aktienquoten im Kategoriedurchschnitt prozyklisch reduziert, wodurch die Fonds Verluste realisierten und unterproportional von der darauf folgenden Erholung - vor allem im Januar und Juli 2019 - profitierten. Besonders bei den flexiblem Mischfonds wurden die Aktienquoten in den negativen Monaten deutlich reduziert, beispielsweise von September auf Oktober 2018 von 51 auf 47 Prozent. „Insgesamt sind die Erklärungen für die stark unterdurchschnittliche Entwicklung der Mischfonds nichts Neues“, schreibt Claus. Neben dem Market-Timing erwiesen sich in den vergangenen zwölf Monaten das Europa-Übergewicht und die kurze Duration „jedoch als besonders fatal“.

 

Mischfonds können dennoch sinnvoll sein

Abschreiben will die Morningstar-Analystin die Anlageklasse aber natürlich auch nicht. „Gemischte Portfolios sind nach wie vor sinnvoll, es kommt aber auf die Umsetzung an“, stellt sie fest. Auch Meinhold ist überzeugt: „Erfolgreiche Fondsmanager machen es Sparern leichter ihre finanziellen Ziele, zum Beispiel in der Altersvorsorge, zu erreichen.“ Damit würden sie entscheidend dazu beitragen, die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Branche zu erfüllen. „Gut konstruierte Mischfonds bieten Anlegern die Möglichkeit mit einer effizienten Ertrags-Risiko-Kombination in den Markt zu investieren“, sagt auch Vontobel-Experte Meinhold. „Anleger können also von Diversifikation, regelmässigem Rebalancing und dem Alpha-Potenzial des Managers profitieren.“ Dass das auch funktionieren kann, zeigt der zweite Teil der Morningstar-Analyse.

 

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Die besten Anlagestrategien Teil 1: Der Blick in deutsche Depots ist erschreckend

Die besten Anlagestrategien Teil 2: Qualität zahlt sich aus, auch an der Börse

Die besten Anlagestrategien Teil 3: Börsenzwerge als Renditebringer

Die besten Anlagestrategien Teil 4: Low Vola für unruhige Zeiten

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