Die Börse feiert Typen wie Bolsonaro

Der nächste Präsident, der Brasilien regiert, stammt aus dem ultrarechten Lager. Obwohl dieser Punkt eigentlich Anlass zur Sorge geben müsste, feiern ihn die Märkte. Es kam zu deutlichen Kursgewinnen. Es stellt sich daher die Frage, wie dies sein kann und welche Punkte dafür ausschlaggebend sind.

Es kommt hier schnell zu Veränderungen, auf welche die Marktteilnehmer reagieren müssen. Nur auf diese Weise schützen sie ihr Kapital und können dieses vermehren. Politische Entscheidungen sind dabei ein wichtiger Faktor. Sie rufen Reaktionen hervor, die man an den Kursen ablesen kann. Positive Entscheidungen führen zu einem Anstieg. Negative Nachrichten hingegen sorgen für Kursrutsche. Doch es ist schwierig herauszufinden, was genau wann passieren wird. Das liegt auch daran, dass sich die Kapitalmärkte von der bürgerlichen Gesellschaft unterscheiden. Beschlüsse, die sich für einzelne Personen negativ auswirken, jedoch wirtschaftsförderlich sind, sorgen beispielsweise dafür, dass es zu Kurszuwächsen kommt. Stabile Landesregierungen sind dabei ein wesentlicher Aspekt. Hier achten die Anleger darauf, dass Mehrheiten gesichert sind und es zu Beschlüssen kommt, die der Nation den dort ansässigen Firmen helfen.

Auch in Brasilien ist es zu einer solchen Reaktion gekommen. Der dortige Aktienindex Bovespa stieg um gleich sechs Prozent an, als klar wurde, dass Jair Messias Bolsonaro ein klares Ergebnis einfährt. Der 63-jährige, der bisher als Hinterbänkler im Parlament saß, schaffte einen Überraschungssieg. Er erhielt 46 Prozent aller Stimmen und konnte so seine Konkurrenten weit hinter sich lassen. Er geht in die in zwei Wochen stattfindende Stichwahl als klarer Favorit. Dort tritt er gegen den sich auf dem zweiten Platz befindenden Fernando Haddad an, der für die Arbeiterpartei PT aufgestellt ist. Ein Sieg für Bolsonaro nach Experteneinschätzungen sicher.

Wer sich mit den Landesverhältnissen und den Regeln an den Börsen nicht so gut auskennt, könnte meinen, dass sich die Finanzexperten mit dem Überraschungskandidaten freuen und ihm daher einen Vertrauensvorschuss gewähren. Doch wer sich genauer mit der Materie und den Landesbedingungen befasst, bemerkt schnell, dass dies nicht der Fall ist. Es ist eher abstoßend, dass diese Person für ein Kursfeuerwerk verantwortlich ist. Schon seine Lebenseinstellung spricht dafür, dass es bei einem Außenstehenden zu Irritationen kommt. So ist der jetzige Wahlfavorit offen homophob und ein begeisterter Anhänger der Militärdiktatur, die von 1964 bis 1985 für Angst und Schrecken sorgte. Er nennt diese Zeit sogar öffentlich eine „glorreiche Epoche“. Zusätzlich verliert er oftmals die Beherrschung und verwendet Ausdrücke sowie Vergleiche, die weder in der Politik noch in der Gesellschaft angebracht sind. So beschimpfte er einen linksgerichteten Abgeordneten öffentlich und rief im zu, dass er es nicht wert sei, der er von ihm vergewaltigt werde.

Daher bauen sich selbstverständlich Vorurteile gegenüber den Finanzprofis auf. Die Wahrnehmung, dass sie sich nicht mit den gesellschaftlichen Auswirkungen befassen, sondern sich nur auf ihr Geld und den Erfolg konzentrieren verfestigt sich.
 


Warum sind Personen wie Bolsonaro an den Märkten beliebt?

Ingesamt kann der Interessierte einen Trend zu Personen feststellen, die autokratisch oder populistisch regieren und dadurch Wahlen gewinnen. Hier ist der amerikanische Präsident ein gutes Beispiel. Er verfolgt eine nicht immer nachvollziehbare Politik und sorgt auf dem internationalen Parkett immer wieder für Verwunderungen und Befremdlichkeiten. Auch seine Weltansicht ist nicht fortschrittlich. Sie ist eher protektionistisch. Demokratische Grundwerte interessieren ihn nur am Rande und er ist in eine Vielzahl von Skandalen involviert. Schon vor seiner Vereidigung warnten Experten davor und es kam zu öffentlichen Protesten. Doch die Wall Street empfing ihn mit offenen Armen.

Es ist schwierig zu verstehen, warum dies so ist. Hierfür muss man sich genauer mit den Verhaltensweisen von Anlegern und deren Gedankenwelt beschäftigen. Sie müssen tägliche eine Vielzahl von Informationen aufnehmen und verwerten. Durch diese kommt es zur Entscheidungsfindung. Die Wahl eines neuen Staatsoberhaupts ist dabei ein wichtiger Faktor. Es kommt dabei auf das Programm an, das die neue Administration vorlegt. Ist dieses dem der Vorgängerregierung ähnlich, dann kommt es zu keinen Kursveränderungen. Ist es jedoch wirtschaftsfreundlich sowie liberal, dann freuen sich die Unternehmen und Investoren darüber, da sich nun neue Chancen zur Geldvermehrung bieten. Es kommt daher zu positiven Entwicklungen, die mit einem Kursanstieg verbunden sind. Dabei wissen die Marktteilnehmer, dass es nie die perfekten Voraussetzungen gibt. Doch kommen ihnen Regelungen oder Ideen entgegen, dann sind dies hervorragende Indikatoren für die Zukunft.

Diese Gesichtspunkte erklären, wieso Jair Messias Bolsonaro trotz seiner Weltanschauung für Firmen und Unternehmen kein Problem darstellt. Da er von Wirtschaft selbst keine Ahnung hat, hat er sich nach einem Berater umgesehen, der ihm bei der Entscheidungsfindung hilft. Hierbei handelt es sich um den Investmentbanker Paulo Guedes. Dieser soll sich als Minister um die Wirtschaft und die Finanzen des Landes kümmern. Seine Ausbildung genoss er an der University of Chicago, die für ihre marktliberalen Einstellungen bekannt ist. Erste Eckpunkte seines Programms sind schon an die Öffentlichkeit gelangt. So hat er vor, dass es zu einer Privatisierung von Staatskonzernen und zur Reduzierung der öffentlichen Ausgaben kommt. Somit sind ausgezeichnete Bedingungen für Investitionen geschaffen. Neue Chancen entstehen durch die Betriebe, die nun aus der öffentlichen Hand entlassen und an Unternehmer übergeben werden sollen. Solche Maßnahmen sind notwendig, da die Wirtschaftslage in Brasilien derzeit schlecht ist und die Staatskassen über wenig eigenes Geld verfügen. Die Auswirkungen der schwersten Rezession in der Geschichte des Landes sind noch spürbar. So verzeichnen die Fachleute ein hohes Haushaltsdefizit, das bei acht Prozent der Wirtschaftsleistung liegt.

Im Fall von Trump ist ebenfalls klar, warum die Reaktionen positiv waren. Er kündigte eine Steuerreform an, die Unternehmen entlasten soll und so den Körperschaftssteuersatz senkt. Dieser ist unter allen OECD-Ländern der Höchstwert.