Die British-Airways-Mutter IAG fasst eine Übernahme von Norwegian Airlines ins Auge

Die International Airline Group (IAG) überlegt über eine Komplettübernahme des norwegischen Mitbewerbers Norwegian. Der Konzern gab kürzlich bekannt, dass die bereits vorhandene Minderheitsbeteiligung von 4,6 % der Stärkung der Verhandlungsposition dient. Wie die Nachrichtengagentur Bloomberg veröffentlichte, würde die Bewertung des Billigfliegers rund 2,5 Milliarden Euro ausmachen. Zum Vergleich: der Börsenwert lag vor den Übernahmegerüchten bei rund einer Milliarde.

Billigflüge auf der Langstrecke

Das Geschäftsmodell von Norwegian unterscheidet sich von vielen anderen Low-Cost-Carriern dadurch, dass sich die norwegische Airline auf Langstreckenflüge spezialisiert hat. Der Grundgedanke ist dabei derselbe: Kurze Standzeiten und Geld durch möglichst viel Zeit in der Luft verdienen. Dies ist jedoch aufgrund der höheren Komplexität auf der Langstrecke deutlich schwieriger als auf der Kurzstrecke. So verlängert sich bei großen Flugzeugen beispielsweise die Beladungszeit, was sich wiederum negativ auf die Standzeit auswirkt. Hinzu kommen gesetzliche Vorschriften bezüglich Ruhezeiten, die die benötigten Crews pro Flugzeug vergrößern.

Norwegian verfügt derzeit über eine Flotte von 144 Flugzeugen, wobei die 27 "Dreamliner" (Boeing 787) auf der Langstrecke zum Einsatz kommen. Auf der Mittelstrecke baut die Airline auf den Typ Boeing 737-800. Bis Ende des Jahres 2018 soll die Flugzeugflotte auf 165, bis Ende 2019 sogar auf 193 wachsen. Auf der Langstrecke plant Norwegian möglichst rasch 50 Flugzeuge einzusetzen.

Erreichen der kritischen Masse

Die hohe Anzahl an Langstreckenfliegern dient dem Erreichen der kritischen Masse, bei der das Geschäftsmodell anfängt rentabel zu sein. Einerseits kann dadurch von positiven Skaleneffekt profitiert werden, andererseits belastet die Menge an Bestellungen das Unternehmen. Generell hat Norwegian noch nicht bewiesen, dass die Airline auf der Langstrecke Geld verdienen kann. Im Vorjahr wurde ein Vorsteuerergebnis (EBIT) von etwa minus 207 Millionen Euro verzeichnet. Die Nettofinanzverschuldung liegt bei rund 2,3 Milliarden Euro und beträgt das Fünffache des Eigenkapitals. Die schlechten Zahlen hatten Auswirkungen auf die Norwegian-Aktie, die noch im August 2015 bei über 40 Euro lag und vor den Übernahmegerüchten um rund 18 Euro zu haben war. 

Was plant IAG?

IAG, zu der neben British Airways und Iberia auch Vueling und Air Lingus gehören, konzentriert sich in nächster Zeit vor allem auf das Billigsegment. Erst kürzlich wurde zu diesem Zweck die Fluglinie Level gegründet, die günstige Flüge auf der Langstrecke anbietet. Eine Übernahme von Norwegian wäre ein eindeutiges Signal zur Stärkung dieses Bereichs. Außerdem könnte sich die IAG eines harten Konkurrenten auf den Nordatlantikrouten entledigen. Schließlich hat Norwegian unter anderem Flüge nach New York, Los Angeles und Florida im Programm. Die Übernahme dürfte die finanzkräftige IAG vor keine allzu großen Probleme stellen, wurde doch im Jahr 2017 ein Mittelzufluss von über 2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das Ergebnis lag bei etwa 3 Milliarden Euro, der Umsatz stieg auf knapp 23 Milliarden Euro. Im Gegensatz zur stark verschuldeten Norwegian, machen die Nettofinanzschulden der IAG nur circa 50 % des Eigenkapitals aus.