Die Elektroschiffe kommen

Der Verkehr nimmt überall weiter zu, so auch auf den Weltmeeren. Der Schiffsverkehr verursacht weltweit fast zehn Prozent aller Schwefeldioxidemissionen und ungefähr vier Prozent des Kohlendioxidausstoßes. Eine wesentliche Ursache dafür ist in der Verwendung von Schwerölen als Energieträger für die Schiffsmotoren auszumachen. Viele Reedereien schwenken nun auf Elektroschiffe um.

Die „Internationale Seeschifffahrtsorganisation“ IMO (International Maritime Organization) hat das Problem erkannt und ist seit Ende 2016 fest entschlossen, einzugreifen. So wurde der Beschluss gefasst, dass ab 2020 nur noch Treibstoffe mit maximal 0,5 Prozent Schwefelgehalt eingesetzt werden dürfen. Zurzeit liegt die Obergrenze noch bei dem Siebenfachen. Mit den billigen Schweröl-Treibstoffen soll und wird es dann endgültig vorbei sein. Daher sind endlich neue Technologien dringend gefragt. Eine gute Idee zielt dabei auf Elektroschiffe ab.

 

Das Aus für die Dreckschleudern der Meere ist überfällig

Der Welthandel wurde und wird in erster Linie mit Schiffen mit großen Dieselmotoren erledigt. In die gleiche Kerbe schlägt zusätzlich die boomende Kreuzfahrtbranche. Allein aus Deutschland unternahmen letztes Jahr mehr als zwei Millionen Menschen eine Kreuzfahrt. Die leistungsstarken Verbrennungsmotoren verwenden in aller Regel Schweröle, das sind Rückstandsprodukte aus der Rohölverarbeitung mit besonders hohem Anteil an Schwefel und weiteren umweltschädlichen Elementen und Verbindungen. Über eine kostspielige Filteranlage haben die meisten Schiffseigner noch nicht einmal nachgedacht. Die Folge ist ein Giftcocktail von massiven Emissionen aus Ruß und Feinstaub, Schwefeloxide und Stickoxide.

 

Norwegen erweist sich als Vorreiter in Sachen Umweltschutz

Immer mehr Staaten bemühen sich nun darum, die Entwicklung elektrischer Schiffsantriebe durch die Subvention entsprechender Forschungen zu befördern. In ganz Europa sind an Institutionen der Universitäten und großer Unternehmen derart ausgerichtete Forschungsarbeiten angelaufen. Ausgerechnet Rolls Royce, der für große, schwere Luxuskarossen bekannt ist, will sein Image als Motoren- und Triebwerkshersteller ins rechte Licht rücken und arbeitet an autonomen Containerschiffen und dem Batteriesystem mit der Bezeichnung „SAVe Energy“, das auf der bekannten Lithium-Ionen-Technologie aufsetzt.

Ältere Schiffe, die damit nachgerüstet werden können, sollen zunächst noch als Hybrid-Lösung unterwegs sein. SAVe würde dann beim Bedarf von Spitzenleistungen anspringen, während bei moderatem Dauerbetrieb eher der bisherige Hauptantrieb weiterhin genutzt würde. Die Entwicklungsarbeiten dazu wurden zum Teil durch den Forschungsrat des norwegischen ENERGIX-Programms mitfinanziert.

Eine erste norwegische Reederei nutzt das System bereits. Seit Mai 2015 pendelt die Fähre „Ampere“ zwischen den Orten Oppedal und Lavik beschaulich hin und her, wobei sie jeweils 120 Fahrzeuge und 350 Passagiere befördern kann. Der Betreiber Norled AS rechnete aus, dass sein Schiff während der zwanzigminütigen Fahrt nun circa 80 Prozent der Betriebskosten einspart und sogar 95 Prozent weniger CO2-Emissionen aufweist.

 

Innovative Technologien sind gefragt

Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat ausgerechnet, dass die internationale Schifffahrt bis zum Jahre 2050 in etwa 17 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursachen wird, falls wir nicht bald einlenken. Daher schlägt die Umweltagentur vor, dass Hafenanlagen unbedingt mit elektrischen Versorgungseinrichtungen ausgestattet werden sollten. Nur so könnten die Schiffe darauf verzichten, an der Kaimauer ständig die Motoren laufen zu lassen.

 

Elektrisch und autonom schließen sich nicht aus

In den Niederlanden ist Ton van Meegen, Reederei-Chef seines Zeichens, damit beschäftigt, spezielle elektrische Schiffe zu entwickeln, die die Container von den Nordsee-Häfen Antwerpen und Rotterdam weiter ins Landesinnere transportieren sollen. Die ersten beiden Elektro-Frachtschiffe werden schon in diesem Herbst ihre Jungfernfahrt auf dem niederländischen Wilhelminakanal begehen. Nicht zuletzt wegen ihres Designs werden die Frachter gern als „Tesla-Schiffe“ bezeichnet. Ihre Route wird dann zwischen dem Hafen von Rotterdam und dem Industriepark Vossenberg-West verlaufen. Ihre Akkus, die einen ganzen Container füllen, müssen immerhin 35 Stunden durchhalten. Der Bau dieser Elektro-Frachter konnte zum Teil durch das EU-geförderte Projekt „Port-Liner“ finanziert werden.

Auch China ist dicht am Thema Elektro-Frachtschiffe dran. Jenes, das dort kürzlich vom Stapel lief, ist aber kurioserweise mit der konservativen Aufgabe betraut, Kohle zu transportieren. 

Ein elektrisches Kurzstrecken-Containerschiff will ab 2019 das Chemieunternehmen Yara in Norwegen einsetzen. Der völlig autonome Warentransport vom Ort der Produktion bis zu den beiden Häfen, wo die weltweite Verschiffung startet, wird jeden Tag 100 LKW-Fahrten über Land ersetzen. Aus Sicherheitsgründen soll das Schiff allerdings trotz der fehlenden Brücke die ersten zwei Jahre noch bemannt bleiben.

 

Können Elektrofrachter auf Fernstrecken jemals wettbewerbsfähig sein?

Zunächst geht es erst einmal um bessere Luft in den Hafenstädten, die mit elektrisch angetriebenen Schiffen leicht zu haben ist. Hybride Antriebe ermöglichen das Zurücklegen großer Entfernungen, wobei sich diese geradezu für den Test von Biotreibstoffen anbieten. Das Hamburger Unternehmen „Skysails“ scheint sich auf die Wurzeln der Schifffahrt zu besinnen. Es arbeitet schon seit geraumer Zeit an Containerschiffen, die durch große Segel angetrieben werden. Ihr Bemühen, den Autobauer VW mit ins Boot zu holen, blieb allerdings erfolglos, was dem Unternehmen leider einen herben Rückschlag versetzte.

Die Siemens-Tochter „Siemens Norge“ testet zurzeit eine Fertigungslinie für schiffstaugliche Batterien. Auf Anfrage teilte die Firma mit, dass die automatisierte Fertigung etwas verzögert erst Ende dieses Jahres anlaufen kann. Aber dann verfüge die Fabrik über die Kapazität, jedes Jahr Batterien für mehrere Hundert Schiffe zu produzieren.

 

Fazit: 

Mit der notwendigen Elektrifizierung der großen Ozeanriesen steht man heute leider erst ganz am Anfang. Die „Elefanten“ unter ihnen sind nach wie vor mit Dieselmotoren ausgestattet, die die Höhe eines vierstöckigen Hauses und den Verbrauch von 64.000 Autos erreichen. Wäre man dazu bereit, sich etwas von der Gigantomanie zu verabschieden, käme man dem Elektroantrieb bei Schiffen deutlich entgegen.