Die Erosion der Mittelschicht ist näher denn je

Die 2020er Jahre könnten sich, ähnlich dem extrem Jahrzehnt der 1920er Jahre, zu einer Zäsur für die modernen Volkswirtschaften in der Welt entwickeln. Viele Probleme, die bereits jetzt absehbar sind, werden endgültig spür- und sichtbar werden. Vor allem der gesellschaftliche Wandel dürfte eine Herausforderung werden.


Die drei großen Hürden des kommenden Jahrzehnts

Während im derzeitigen Jahrzehnt vor allem die Flüchtlingskrise, die wirtschaftlichen Krisen und der Aufstieg von Nationen wie China zu dominierenden Ländern den Ton angegeben haben, dürfte sich das kommende Jahrzehnt in den wichtigen Volkswirtschaften vor allem mit dem Wandel in der eigenen Bevölkerung beschäftigen. Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt, Digitalisierung und die Veränderung der Altersstrukturen in vielen führenden Industrienationen dürfte für weitere gesellschaftliche Umschichtungen sorgen. Zudem geht die Schere zwischen extremen Reichtum und extremer Armut immer weiter auseinander. Der klassische Mittelstand scheint zu verschwinden.

Viele der möglichen Probleme sind in Ansätzen bereits jetzt zu sehen. Die meisten Unternehmen beginnen mit der Digitalisierung ihre Prozesse umzustellen - oftmals auf Kosten der menschlichen Mitarbeiter, die unter zunehmender Automatisierung nicht mehr gebraucht werden. Gleichzeitig sorgt der Alterswandel dafür, dass immer mehr Menschen mit einer spezifischen Berufserfahrung und hohem Fachwissen in wichtigen Bereichen nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Nachwuchs fehlt in vielen Industrieländern - die Bevölkerung wird immer älter. Das führt natürlich auch dazu, dass die Sozialsysteme und Rentenkassen unter zunehmender Belastung leiden werden.

Erste Konflikte über die deutliche Schere zwischen den Einkünften waren bereits in diesem Jahrzehnt zu bemerken. Laut Analyse der Experten dürfte die zunehmende Ungleich-Verteilung der Einkünfte und Vermögen dafür sorgen, dass über 80 Prozent der Menschen theoretisch in Armut landen - während 20 Prozent von ihnen als besonders reich gelten werden. Die klassische Mittelschicht, die das 20. Jahrhundert dominiert hat, wird nach und nach verschwinden und von dem neuen Status Quo ersetzt.


Die Ausblicke für Deutschland sind weniger schlimm

Dass es in Deutschland vergleichsweise glimpflich ausgehen wird, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass das deutsche Know-how in der Welt gefragt ist. Viele Maschinen für die Automatisierung und viel Fachwissen aus dem Land wird in der Welt gebraucht, um die Prozesse für die Digitalisierung umzusetzen. Zudem hat man hier bereits frühzeitig dafür gesorgt, dass immer mehr Menschen in die Berufe finden, die in der Zukunft eine so wichtige Rolle spielen werden. Entsprechend vorteilhaft ist es auch, dass viele Handwerker und klassische Fließbandarbeiter in den nächsten Jahren in Rente gehen werden - jedenfalls dann, wenn eine Lösung für die Rentenproblematik gefunden werden kann.

Alles in allem wird es wohl einige Jahre dauern, ehe sich die Weltwirtschaft auf die neuen Entwicklungen eingestellt hat und mehr Menschen die neuen Berufe und Qualifikationen erlernt haben. Die Ausblicke sind wenig rosig - es ist aber anzunehmen, dass der Wandel bereits in den kommenden Jahren starten wird.