Die ersten Aldi- Tankstellen sprudeln schon

Wenn Sie das nächste Mal tanken müssen und über der Tankstelle das Emblem von Aldi Süd prangert, müssen Sie sich nicht wundern. Seine ersten Tankstellen betreibt der Discounter bereits in Stuttgart-Obertürkheim und in Ludwigsburg in Baden-Württemberg. In dieser Region testet Aldi Süd die Akzeptanz für günstige Automatentankstellen. Wenn sich dort „im Ländle“ ein Erfolg abzeichnet, folgt die Offensive, nicht ohne Ängste in der Branche.

Die Wirtschaftswoche informiert dahin gehend, dass die beiden neu eröffneten Tankstellen zu einem Pilotprojekt gehören, in dessen Rahmen zunächst zehn Automatentankstellen vorgesehen sind. Aldi weiß, dass viele seiner Kunden mit dem Auto kommen, und diese Fahrzeuge brauchen Sprit. Bezahlt wird der verbilligte Kraftstoff an den Automatentankstellen einfach mit der Kreditkarte.

Tatsächlich sieht die Planung aber nicht vor, dass Aldi Süd geradewegs ins Kraftstoffgeschäft einsteigt. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass das Unternehmen seine Parkplatzflächen an die „FE-Trading Deutschland GmbH“ verpachtet. Diese ist wiederum eine Tochter der österreichischen OMV, die in ihrem Heimatland schon längst nahezu 80 Discount-Tankstellen der Marke Avanti direkt neben den Geschäften der Aldi-Tochter Hofer betreibt. Es geht also um nicht mehr und nicht weniger als den Import/Export eines erfolgreichen Geschäftsmodells. Die fruchtbare Kooperation zwischen Hofer und FE-Trading besteht in Österreich übrigens schon seit 2009.

Als Hofer damit 2009 in Salzburg mit einem Dieselpreis um 50 Cent begann, bildeten sich umgehend lange Schlangen vor jeder Zapfsäule. Natürlich wurden die Preise nach dieser Werbeaktion schnell „normalisiert“, allerdings durchgehend etwas unter den Preisen der Konkurrenz. In Obertürkheim sind zwar die Schlangen noch ausgeblieben, aber die Kunde vom Billigsprit macht in der Region sehr wohl ihre Runde. Immerhin liegt der Preisunterschied beim Diesel zur benachbarten Shell-Tankstelle durchaus mal bei 9 Cent pro Liter.

 

Die Entwicklung genauer betrachtet

Eigentlich ist die Idee in Deutschland nicht ganz neu: Schon Anfang der 1990er Jahre hatte die Supermarktkette Allkauf eigene Tankstellen nahe seiner Filialen installiert. Doch als branchenfremder Anbieter konnte Allkauf auf Dauer mit den großen Wettbewerbern nicht konkurrieren. Aldi hat daraus gelernt und hält sich bewusst aus dem operativen „Ölgeschäft“ heraus. Stattdessen beabsichtigt der Discounter lediglich, sehr wahrscheinlich an zehn Standorten im Münchener, Nürnberger und Stuttgarter Raum Grundstücksteilflächen an Avanti Deutschland zu verpachten. Später sollen dann noch weitere Standorte bei Fürstenfeldbruck, Forchheim und Wasserburg hinzukommen. Auch im hessischen Hattersheim am Main wird demnächst eine Avanti-Tankstelle eröffnet. Bei Bewährung wird die FE-Trading deutschlandweit um die 200 Automatenstationen errichten.

Wenn dies geschieht, würde das Aldi-Netz zu den 15 größten Tankstellen-Betreibern in Deutschland zählen. Dennoch bleiben Aral mit 2.300 und Shell mit 2.000 Tankstellen die unangefochten größten Mineralölriesen in unserem Lande, in dem es insgesamt 14.500 Tankstellen gibt.

 

Tankstellenpächter sind alarmiert

Die Tankstellenpächter im Stuttgarter Raum sind zurecht ziemlich besorgt. Gerade kleineren Tankstellen droht ernsthaft der Verlust von Arbeitsplätzen, der sich geradezu automatisch aus dem zu erwartenden Preiskampf ergeben wird, so jedenfalls sieht es Thomas Drott, der Geschäftsführer des „Bundesverbandes Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche“.

 

Sogar die Sonne hat Aldi angezapft

Aldi Süd zieht zugleich noch ein weiteres Werberegister, indem nicht nur Fahrzeuge mit dem klassischen Verbrennungsmotor ihre Energie tanken können, sondern auch Elektroautos ihre Akkus bei Aldi Süd beladen können. Dieser Schritt erfolgt sogar völlig unabhängig von der Zusammenarbeit mit FE-Trading. Im Moment mutet das alles noch sehr bescheiden an, wenn nur 53 kostenlos nutzbare Ladestationen den bundesweit 1.890 Aldi-Filialen gegenüberstehen. Schon Ende dieses Jahres wird das Upgrade mindestens 80 solcher Ladesäulen umfassen, wobei der Strom dafür nicht aus der Steckdose, sondern umweltfreundlich und werbewirksam von den Photovoltaikanlagen auf den Filialdächern kommt.

Noch wird die auffällig blau markierte Fläche für Elektroautos in Stuttgart-Obertürkheim eher selten genutzt, während die vier Zapfsäulen für die fossilen Brennstoffe sehr wohl immer besser frequentiert sind. Wir sehen, das Geschäft rollt an, das Pilotprojekt wird sehr wahrscheinlich als Erfolg verbucht werden können.