Die Facebook-Währung Libra fegt den Markt für Staatsanleihen leer

Facebook plant die Einführung einer eigenen Digitalwährung. Libra könnte extreme Auswirkungen für den globalen Rentenmarkt bedeuten.

Die Facebook-Währung Libra hat nicht nur das Potenzial, eine Infrastruktur zu stellen, die weltweit Zahlungen per Smartphone ganz ohne Zugang zu Bankdienstleistungen ermöglicht, sie droht auch den Markt für kurzfristige Staatsanleihen in den nächsten Jahren quasi leer zu fegen und könnte kleine und mittlere Staaten in die Gefahr einer direkten Abhängigkeit von den Entscheidungen der sogenannten Libra „Association“ bringen, also den Unternehmen, die die neue Krypto-Währung kontrollieren sollen.
 

Libra wird größter Käufer von kurzfristigen Staatsanleihen

Der Clou von Libra als Währungsersatz ist ihr Ansatz als sogenannter „Stable Coin“. Anders als Bitcoin und andere spekulative Krypto-Währungen, die vor allem auf eine Wertsteigerung setzen, wird die Libra-Währung tatsächlich mit echten Währungen bzw. Staatsanleihen so hinterlegt, dass möglichst wenig Schwankungen gegenüber dem Euro und dem Dollar zu erwarten sind. 

Libra soll also möglichst schwankungsfrei sein, um damit besonders attraktiv als Ersatzwährung zu werden. Faktisch bedeutet dies aber auch, dass mit steigender Anwendung auch ein immer größeres Volumen von Libra im Wert durch Staatsanleihen hinterlegt werden muss. Umso erfolgreicher Libra wird, desto höher wird ihr Bedarf an Staatsanleihen, vor allem aus den großen stabilen Wirtschaftsräumen von Dollar, Euro und Yen.

 

Libra könnte in den nächsten Jahren einen Bedarf von über 1.500 Milliarden Euro an kurzfristigen Staatsanleihen erreichen

Bei einer Anwendung des Coins von nur 30% aller Whats App, Instragram und Facebook Nutzer könnten über die nächsten Jahre so insgesamt 750 Millionen Menschen Libra nutzen. Bei einem jährlichen Volumen im Gegenwert von jeweils 2000 Euro wären dies etwa 1.500 Milliarden Euro an kurzfristigen Staatsanleihen, die als Folge benötigt würden. 

Zum Vergleich: Die Bundesrepublik Deutschland hat insgesamt nur ungefähr 500 Milliarden Euro an kurzfristigen Anleihen überhaupt im Umlauf. Die Libra hätte also einen Bedarf, der dreimal höher ist als alle verfügbaren deutschen Papiere mit kurzfristiger Laufzeit. Anzunehmen ist, dass die Währung noch deutlich erfolgreicher werden wird, da insbesondere sämtliche Länder in Afrika, Osteuropa, Asien und Lateinamerika quasi über Nacht eine sehr stabile Alternative zu ihren Heimatwährungen hätten. 

 

Staaten droht die Abhängigkeit von der Libra „Association“

Die Entscheidung darüber, welche Staatsanleihen angekauft werden, soll laut Facebook die Libra Association fällen. Dieser Zusammenschluss privater Unternehmen, dem unter anderem Visa, MasterCard, PayPal, Uber und Spotify angehören, würde dann ohne jede staatliche Aufsicht eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung von Staaten zukommen. Hierdurch würde, quasi über Nacht, eine neue Form der Staatenfinanzierung entstehen, die gerade bei kleineren Staaten zu einer direkten Abhängigkeit führen kann. Gleichzeitig wird Libra vielen kleinen Währungen, insbesondere in Afrika und in Entwicklungsländern, massiv Liquidität entziehen, was wiederum zu einer Entwertungsspirale der betreffenden Währungen und damit gleichzeitig zu einem Finanzierungsnotstand der betreffenden Staaten führen könnte. 

 

Bei allem Potenzial, das Libra für die Menschen in diesen Ländern birgt, wird klar, dass hier auch eine neue, private Weltbank entstehen könnte, mit teilweise extremen Einflussmöglichkeiten auf die Politik, die über den nationalen Zentralbanken und Staaten stünde.