Die Family Office-Sichtweise: Unternehmer verstehen Unternehmer und investieren gerne in Unternehmer

Vom 25. bis 27. Juni findet das Fundforum International in Kopenhagen statt. Der unabhängige Branchenexperte und IPE D.A.CH-Autor Markus Hill moderiert dort auch in diesem Jahr wieder eine Family Office-Paneldiskussion. In diesem Panel werden Themen wie Due Diligence von Produkten, Fondsboutiquen, Real Assets, Trends im Family Office-Segment sowie scheinbare „Hype-Themen“ wie ESG, SRI und Impact Investing diskutiert. Kritische und ermutigende Diskussionen ergaben sich zum Thema Nachhaltigkeit auch bei der von ihm moderierten LRI Investment Summit vom 5. Juni in Frankfurt, einige Aspekte werden ebenso im Nachgang kurz angesprochen, passend zum Exkurs „Frankfurt for Beginners“ (Buch) und Networking.

Ende Juni werden Sie Ihre Family Office-Paneldiskussion zu den Themen Due Diligence, ESG, SRI und Impact Investing moderieren. Im letzten Jahr hatten Sie beim FundForum International in Berlin ein ähnliches Thema diskutiert. Auch beim LRI Investment Summit wurden ähnliche Themen behandelt.

Markus Hill, unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt am Main

 

Worüber werden Sie dieses Mal in Kopenhagen diskutieren?

Hill: Seit 2013 begleite ich beim FundForum International Panel-Diskussionen zu Themenkreisen wie Fondsboutiquen, Family Offices, Produktmanagement und Fondsselektion. Unabhängig von den gewählten Themen ist eine grundsätzliche Erfahrung, dass jedes Panel ein neues Panel ist, schon aufgrund der verschiedenen Kombination von Panelisten. In Kopenhagen freue ich mich auf das Gespräch mit Marcel Müller (HQ Trust), Christoph Kind (Marcard, Stein & Co.), Florian Schmitt (Schmitt Unternehmensgruppe) und Frederic Guibaud (AlphaBet Asset Management). Interessant ist in diesem Jahr, dass auch die Sicht von Single Family Offices stärker diskutiert wird. Natürlich werde ich dem Input der Teilnehmer hier nicht vorgreifen. Themen die sich immer anbieten sind die Auswahl von Produkten, die Spannbreite von liquiden, nicht-liquiden Investments und die Felder Direktinvestments versus „verpackten Produkten“ (Fonds etc.). Auch die traditionellen Investments werden diskutiert werden. Im Sinne von: Was ist hier aktuell interessant für Family Offices? Welche Themen stehen gegenwärtig für den Prinzipal im Vordergrund? Bei welchen Produkten engagieren sich Family Offices selbst, betreiben Produktmanagement, bieten eigene Lösungen an? Bedeutung von Club Deals und Co-Investments wurden auch im letzten Jahr in Berlin diskutiert, ebenso auf der LRI Group-Veranstaltung in Frankfurt vor zwei Wochen. Natürlich bieten hier die Themenfelder ESG, SRI und Impact Investing ein Einstiegsthema zur Diskussion dieser allgemeinen Entwicklungen. Mode, Hype oder Langfristtrend – eigentlich ist da hier nicht so entscheidend. Diese Themen wirken meiner Ansicht nach insofern positiv auf den Dialog von Investoren und Produktanbietern, weil das Thema Langfristdenke verstärkt in den Fokus der Diskussion rückt. Ein Kernthema, was mich über die Themenschiene Fondsboutiquen, unabhängige Vermögensverwaltung und Family Offices – Stichwort „Ownership Approach“ und Value Investing (Prof. Dr. Carlos Jarillo, Acatis, Shareholder Value und mehr) – schon seit 2004 intensiv beschäftigt. Private Vermögende, Unternehmer und auch Millenials wirken hier als Katalysatoren für einen fruchtbaren Dialog mit stärkerer Gemeinwohlorientierung. Als studierter Volkswirt beobachte ich diese Diskussion mit großem Vergnügen und Interesse. Auch die Regulierung arbeitet sozusagen nachhaltig in diese Richtung.



Wie waren Ihre Impressionen bezüglich des LRI Investment Summit hinsichtlich dieses Themenkreises? Gab es Unterschiede, andere Schwerpunkte der Diskussion?

Hill: In Frankfurt wurden verschiedene Themen diskutiert. Im ersten Block der Veranstaltung wurden bei kurzen Vorträgen von Frank Alexander de Boer (LRI Group), Prof. Dr. Martin Hellmich (Deloitte) und Anton Bonnländer (Bank für Sozialwirtschaft) die Klammer zu Themen wie Investmentmarkt, Künstliche Intelligenz (KI) sowie ESG, SRI und Impact Investing geschaffen. Luxemburg als Standort für die Fondsindustrie, die Bedeutung von KI für die Messung von Carbon-Risiken in Wertpapier-Portfolios und die Thematik Messkriterien in den Bereichen ESG und SRI wurden hier beispielsweise intensiver diskutiert. Im zweiten Teil der Veranstaltung gab es „mein“ Family Office-Panel mit Dr. Thomas Rüschen (Deutsche Oppenheim Family Office AG), Ralf von Ziegesar (FOCAM AG) und Christian Stadermann (Logos Patrimon). Das Thema Fondsboutiquen, das seit Jahren zunehmende Interesse an unabhängigen Asset Managern, wurden hier diskutiert. Unabhängig davon, ob über liquide oder weniger liquide Produkte gesprochen wurde – die Klammer für viele Entscheidungen schien der „Ownership Approach“ auf Investoren- und Anbieterseite zu sein. Kurz und grob gesagt: Die Family Office-Sichtweise: Unternehmer verstehen Unternehmer und investieren gerne in Unternehmer. Das Seeding von Produkten auf Family Office-Seite wurde nicht ausdrücklich ausgeschlossen, aber sehr kritisch gesehen. Beispiel: Lieber in einen Venture Capital-Fonds investieren, der für den Investor vom Underlying greifbar und verständlich erscheint (Realwirtschaft), als in einen liquiden Fonds, der ausschließlich aus „abstrakten“ Finanztiteln, Futures und Optionen etc. besteht. Da auch von der LRI Group diverse Fondsinitiatoren im Publikum vertreten waren, wurde nochmals die Qualität der Pitch-Paper bei Seeding und Vertrieb thematisiert. Konstanze von Ziegler (KPMG Luxemburg) moderierte im Anschluss ein Panel zum Thema Real Assets, Trends, Tendenzen und Ausblick für dieses Segment. Teilnehmer ihres Panels waren Dr. Alexandra von Bernstorff (Luxcara), Tobias Giesser (Partners Group) und Dr. Ralf Schnell (Siemens Fonds Invest). Auch hier war der Tenor der Diskussion, dass neben dem Interesse an den großen Playern im Markt auf Investorenseite auch verstärkt nach Angeboten von Boutiquen im Private Equity-Bereich gesucht wird. Themen waren hier auch die zunehmend länger werdenden Haltedauern von Investments und auch die steigende Bedeutung von Technologie bei der Entwicklung im Anlagesegment Private Equity sowie auch die steigende Nachfrage im Bereich Debt Finance. Auch bei dem Panel von Frau Dr. Ziegler wurde der Aspekt Nachhaltigkeit intensiv diskutiert. Die Diskussion belebend hat hier zusätzlich die Anmerkung von Frau Dr. von Bernsdorff, dass vielleicht viele Akteure im Markt nicht ausreichend über die Bedeutung des Wandels im Energiemarkt wissen, vielleicht auch nicht verstehen, was genau im Bereich ESG Relevanz besitzt. Im vorangegangenen Panel wurde dieser Sachverhalt weniger in den Vordergrund gestellt. Plakativ ausgedrückt, sinngemäß Family Office-Tenor, aber auch Aspekte beim Bonnländer-Vortrag (Bank für Sozialwirtschaft): „Über was sprechen wir hier, jeder mittelständische Unternehmer denkt nachhaltig!“. Der Eindruck entstand, dass vielleicht in Fachdiskussionen noch intensiver gerungen werden sollte um die präzise Definition von Begrifflichkeiten, Abgrenzungen und Bedeutung. Alles Aspekte, die den Diskussionswert solcher Veranstaltungsformate positiv beeinflussen können.


Was beschäftigt Sie gerade in der täglichen Arbeit?

Hill: Aufgrund eines Mandats beschäftige ich mich beispielsweise intensiver mit dem Themen Fondsboutiquen, SRI- und ESG-Aspekte und der „Klammer“ Beauty Contest. Hier wird sich wohl ein spezielles Marktsegment entwickeln. Ein Ausfluss dieses Projektes bzw. Searches könnte sein, dass dieser Sachverhalt beim 2. Frankfurter Fondsboutiquen-Gedankenaustausch Thema sein könnte. Derzeit spreche ich mit Investoren verstärkt über das Thema Due Diligence in diesem Segment und habe „Erstaunliches“ zu hören bekommen, ich möchte an dieser Stelle aber nichts inhaltlich vorwegnehmen. Am 16. Oktober werde ich noch ein Panel beim Private Wealth Germany Forum (Marketsgroup) in München begleiten. Teilnehmen werden unter anderem Marcel Müller (HQ Trust), Antje Biber (FERI Trust) und Daniel Kerbach (Merck Finck Privatbankiers). Hier wird es eine Diskussion geben über die Bedeutung alternativer Anlageklassen und die Diskussion an den Schnittstellen von Family Office, Private Banking und High Networth Individuals (HNWIs). Private Equity, Real Estate, Hedgefonds, Cryptocurrency, Green Bonds und Impact Investing können Thema bei der Diskussion werden. Wie gesagt, die Diskussion an den Schnittstellen erscheint oft sehr interessant. Es macht Freude, oft auf Verbindungen zwischen den Zielgruppen und Produktanbietern hinzuweisen, die einem oft nicht zu Beginn so offensichtlich erscheinen mögen.


Veranstaltungen wie in Frankfurt, Kopenhagen und München führen oft zu einem fruchtbaren fachlichen Gedankenaustausch. Sie sind, obwohl „Exil-Rheinländer“, bekanntlich sehr befangen, was den Standort Frankfurt betrifft. Gibt es neue Impulse zur Stadt, Thema Networking und Über-den-Tellerrand-hinausblicken?

Hill: Die Welt besteht nicht nur aus Finanzen. Zurzeit lese ich das Buch „Frankfurt for Beginners“ (Eine Tour durch Frankfurt, Matthias Arning und Eva Feuchter). Zitat zu Frankfurt aus dem Buch: „People often end up in Frankfurt by chance – or to make money. It tends to start as unromantically as that. However, once they get over the initial shock, most realize: Life in Frankfurt is not just about work, it’s about enjoying a great place“. Um es etwas neutraler zu sagen – Frankfurt, Kopenhagen und München bieten viel Unterhaltungswert jenseits des jeweiligen „Fachkonferenzen-Flairs“. Es lohnt sich oft ein Streifzug durch die Geschichte der Standorte, die Betrachtung der Sehenswürdigkeiten vor Ort. Vielleicht gewinnt der eine oder andere beim Lesen solcher kurzweiligen Werke einen ganz anderen Blick auf einen Ort wie zum Beispiel Frankfurt (Bankfurt, Mainhattan & Trenchcoat City)!

 

Dieser Artikel erschien zuerst bei IPE D.A.CH.