Die größten Anlegerfehler, Teil 1: Warum Anleger sich häufig selbst täuschen

Immer wieder ist zu beobachten, dass Investoren viel zu lange an einer Verliereraktie festhalten. Das hat vor allem zu tun mit der sogenannten kognitiven Dissonanz.

Der Mensch braucht nicht viel zum Glücklichsein, heißt es. Doch wann sind wir glücklich? Glücklich sind wir zum Beispiel, wenn unser Weltbild konsistent ist. Es ist unangenehm, wenn wir Informationen erhalten, die von unserem eigenen Weltbild abweichen. Das gilt auch für Finanz-Entscheidungen. Häufig reden sich Anleger Verluste schön und trennen sich nicht oder viel zu spät von schwächelnden Aktien.

Hier kommt der Begriff der kognitiven Dissonanz ins Spiel: Menschen neigen dazu, möglichen Unstimmigkeiten im eigenen Denken, in der Informationswahrnehmung, in Meinungen oder auch Wünschen entgegenzuwirken und diese zu beheben. Möglichst rasch soll unser Weltbild wieder im Gleichgewicht sein.

Die Theorie der kognitiven Dissonanz geht zurück auf die Arbeiten von Leon Festinger aus den Jahren 1957 und 1978. Demnach tritt kognitive Dissonanz auf, wenn Informationen, die in Relation zueinanderstehen, nicht miteinander vereinbar sind. Wahrnehmungen, Meinungen oder Wünsche, die in Verbindung zueinanderstehen, aber nicht miteinander vereinbar sind, sind die Ursache für das Entstehen kognitiver Dissonanz – also für ein gedankliches Spannungsfeld, einen inneren Konflikt, der uns nun so gar nicht gefällt. Als Konsequenz streben wir danach, die Konsistenz wiederherzustellen und so unser eigenes Weltbild möglichst schnell wieder in Einklang zu bringen.

Gedankliches Spannungsfeld

Folgendes Beispiel soll das verdeutlichen. Ein Anleger trägt sich mit dem Gedanken, in eine spezielle Aktie aus dem Pharmasektor zu investieren, die gerade günstig bewertet scheint. Er zögert aber viel zu lange und er kauft die Aktie nicht, da er gleichzeitig negative Analystenberichte zur allgemeinen Beurteilung des Pharmasektor liest. Der Aktienkurs steigt jedoch kräftig. Es kommt zu einem gedanklichen Spannungsfeld. Weil der Anleger die Aktie nicht rechtzeitig gekauft hat, redet er sich nun seinen Misserfolg schön. Im Nachhinein behauptet er nun, er habe die Aktie gar nicht gewollt, das Unternehmen gefalle ihm sowieso nicht. Das ist ein klassischer Fall von kognitiver Dissonanz.

An einer Aktie, die sich bereits im Portfolio befindet, hält er dagegen fest, auch wenn die Verluste immer größer werden. Der Anleger versucht stattdessen, gute Gründe zu finden, weshalb er an seiner Entscheidung festhalten sollte. Alle neuen Informationen, die zu seinem Entschluss in Widerspruch stehen, werden ignoriert.

Weltbild aufrecht erhalten

Kognitive Dissonanz beschreibt demnach ein unangenehmes Gefühl, das durch subjektiv miteinander verbundene, aber nicht miteinander vereinbarende Informationen erzeugt wird. Unser Gefühl und unser Weltbild halten uns demnach in manchen Situationen davon ab, rationale Entscheidungen zu treffen. Bei einigen Entscheidungen geht es demnach gar nicht darum, die rational beste Entscheidung zu treffen, sondern vielmehr darum, unser Weltbild aufrecht zu erhalten.

 

Strongbox Capital entwickelt regelbasierte Anlagestrategien auf Basis der Behavioral Finance-Forschung. Die Gesellschaft wurde im Jahr 2016 als unabhängige und innovative Asset Management Boutique in Zürich gegründet. Zu den Kunden zählen Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter. Der langfristige Kapitalerhalt steht im Zentrum der Anlagestrategien.