Die größten Anlegerfehler, Teil 3: Getrieben vom eigenen Selbstwertgefühl

Wer räumt schon gerne ein, dass er eine falsche Entscheidung getroffen hat? Um das zu kaschieren, verzerren Anleger häufig unbewusst und systematisch ihre Wahrnehmung.

Sie kennen es sicher auch von sich: Menschen streben grundsätzlich nach positiven emotionalen Zuständen. Das Erleben von einem geringen Selbstwertgefühl wird als emotional negativ betrachtet und vermieden. Und das bedeutet, dass man in der Folge das große Verlangen hat, sein Selbstwert zu steigern.

Unter Selbstwert ist das Ausmaß zu verstehen, mit dem wir uns selbst als gut, anständig oder kompetent betrachten können. Ein Beispiel aus dem Alltag: Gerne setzen wir uns niedrigere Ziele, um von vorne herein sicherzustellen, dass wir diese erreichen und so unser Selbstwert erhalten bleibt.

Dies ist von besonderer Relevanz, wenn es darum geht, Ursachen für bestimmte Ergebnisse zuzuordnen. Das Verlangen, den Selbstwert zu steigern, sorgt dafür, dass Menschen unbewusst und systematisch ihre Wahrnehmung verzerren, ganz unabhängig von den kognitiven Beschränkungen des Gehirns.

Bedingt durch unser Verlangen nach erhöhtem Selbstwert, kann es bei der Ursachenzuteilung von persönlichen Ergebnissen zu systematischen Verzerrungen kommen. Gerne urteilen wir so, dass der eigene Selbstwert möglichst hoch ist.

Misserfolg hat externe Gründe

Ebenso, wie sich die allermeisten Menschen für überdurchschnittlich gute Autofahrer halten, trauen sie sich auch als Anleger überdurchschnittlich viel zu. Wir schützen unser Selbstwertgefühl, indem wir Erfolge stärker wahrnehmen als Misserfolge und uns für Misserfolge zusätzlich noch externe Gründe bereitlegen.

So machen wir viel lieber unser eigenes Können für positive Ergebnisse verantwortlich als pures Glück. Bei negativen Ergebnissen machen wir lieber das Pech als die eigene Unfähigkeit verantwortlich. Wir sind also getrieben von unserem eigenen Selbstwert.

Angesichts dieser Erkenntnisse aus der Behavioral Finance kann es also durchaus Sinn machen, wichtige Entscheidungen wie zum Beispiel Anlageentscheidungen rationalen und regelbasierten Modellen zu überlassen, die nicht getrieben nach einem möglichst hohen Selbstwert sind.

 

Teil 1 der Serie: 

Die größten Anlegerfehler, Teil 1: Warum Anleger sich häufig selbst täuschen

Teil 2 der Serie: 

Die größten Anlegerfehler, Teil 2: Die Sache mit der Kontrolle und der Illusion

 

Strongbox Capital entwickelt regelbasierte Anlagestrategien auf Basis der Behavioral Finance-Forschung. Die Gesellschaft wurde im Jahr 2016 als unabhängige und innovative Asset Management Boutique in Zürich gegründet. Zu den Kunden zählen Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter. Der langfristige Kapitalerhalt steht im Zentrum der Anlagestrategien.