Die größten Anlegerfehler, Teil 7: Wie die Verlustaversion das Anlageverhalten negativ beeinflusst

Viele Anleger sind vor allem darauf bedacht, Verluste zu vermeiden. Das kann sich jedoch langfristig negativ auf das Anlageergebnis auswirken.

Es ist ein Teufelskreis: Das anhaltende Niedrigzinsumfeld zwingt viele Anleger, stärker ins Risiko zu gehen und ihre Sicherheitspräferenzen an das veränderte Marktumfeld anzupassen. Gleichzeitig dominiert aber beim überwiegenden Großteil der Investoren der Wunsch, Verluste zu vermeiden. Das führt dazu, dass Anleger mit Gewinnen und Verlusten unterschiedlich umgehen.

Das menschliche Vorgehen, auf Verluste sensibler zu reagieren als auf Gewinne, wird als Verlustaversion bezeichnet. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bei positiven Erwartungen (Gewinnen) viele Menschen ein risikoaverses Verhalten zeigen. Sichere kleine Gewinne werden unsicheren größeren Gewinnen vorgezogen.

Empirisch ist zudem zu beobachten, dass Verluste gegenüber Gewinnen gleicher Höhe stärker gewichtet werden. Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn in gleicher Höhe erzielen.

Sichere Anlagen werden bevorzugt

Das Auftreten der Verlustaversion kann mithilfe der kognitiven Dissonanz und dem menschlichen Bedürfnis nach Dissonanzfreiheit erklärt werden. Gewinne werden grundsätzlich vom Entscheidungsträger als positiv und Verluste als negativ empfunden. Führt eine getroffene Entscheidung zu einem Gewinn, also zu einem positiven Ergebnis, so wird der Wunsch nach Dissonanzfreiheit erfüllt. Bei Verlusten kann es allerdings leicht zu kognitiver Dissonanz kommen. Die Rechtfertigung der Verluste gegenüber sich selbst tritt ein und psychologische Kosten entstehen. Dies kann dazu führen, dass Anleger eine stärkere Tendenz dazu haben, Gewinne zu früh zu realisieren und Verlustpositionen zu spät zu verkaufen.

Die Stärke der vorherrschenden Verlustaversion wird entscheidend durch die Höhe des vorliegenden Commitments beeinflusst: Mit zunehmendem Commitment steigt die Höhe der empfundenen Verlustaversion, da das Gefühl der Verantwortung gegenüber der Entscheidung zunimmt. Es kommt zu einem stärkeren Grad von Verlustaversion.

Weiter beeinflusst die Stärke des Commitments: Je größer das Commitment gegenüber einer Entscheidung ist, desto stärker werden die Wahrscheinlichkeiten für positive Ergebnisse (Gewinne) gewichtet. Handelt es sich allerdings um Zufallsgewinne, so wird diesen weniger Gewicht zugeschrieben als Gewinnen, für die sich der Entscheidungsträger selbst verantwortlich fühlt. Dies wird im Englischen als Pride Effect bezeichnet.

 

Teil 1 der Serie: 

Die größten Anlegerfehler, Teil 1: Warum Anleger sich häufig selbst täuschen

Teil 2 der Serie: 

Die größten Anlegerfehler, Teil 2: Die Sache mit der Kontrolle und der Illusion

Teil 3 der Serie:

Die größten Anlegerfehler, Teil 3: Getrieben vom eigenen Selbstwertgefühl

Teil 4 der Serie:

Die größten Anlegerfehler, Teil 4: Warum es auf die Reihenfolge der Informationen ankommt

Teil 5 der Serie:

Die größten Anlegerfehler, Teil 5: Der Tunnelblick

Teil 6 der Serie:

Die größten Anlegerfehler, Teil 6: Die Wahrnehmungsfalle

 

Strongbox Capital entwickelt regelbasierte Anlagestrategien auf Basis der Behavioral Finance-Forschung. Die Gesellschaft wurde im Jahr 2016 als unabhängige und innovative Asset Management Boutique in Zürich gegründet. Zu den Kunden zählen Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter. Der langfristige Kapitalerhalt steht im Zentrum der Anlagestrategien.