Die größten Anlegerfehler, Teil 8: Was man hat, das hat man

Die Wertschätzung für ein Objekt steigt, sobald es sich in unserem Besitz befindet. Das hat allerdings nicht immer nur positive Folgen.

Der Besitztumseffekt, auch häufig Endowment Effect genannt, geht zurück auf Nobelpreisträger Thaler und beschreibt den Effekt, wonach Gegenstände, die sich im persönlichen Besitz einer Person befinden, subjektiv an Wert gewinnen. Das bedeutet, dass Dinge, die sich im Besitz der Menschen befinden, deutlich an Bedeutung gewinnen, als wenn dieselbe Sache nicht in ihrem Besitz wäre.

Der persönlich wahrgenommene Schaden, der durch die Aufgabe oder den Verkauf von Dingen (wie etwa einer Aktie), die sich bereits im persönlichen Besitz befinden, wird als größer empfunden als der Nutzen, der durch den Kauf ein und desselben Gegenstands entsteht. Der subjektiv wahrgenommene Wertverlust durch die Aufgabe eines Gegenstands wiegt folglich größer als der Nutzen durch den Erhalt desselben.

Der Besitztumseffekt ist tief im menschlichen Wesen verankert. Die Aufgabe eines Gegenstands wird mental als Verlust interpretiert und verursacht psychische Kosten. Die durch den Verlust verursachten Kosten werden dem Nutzen des Gegenstands hinzugerechnet. Darin ist ein Grund zusehen, weshalb ein Besitzer eines Gegenstands diesem einen höheren Wert beimisst als der Käufer, der nicht im Besitz des Gegenstands ist.

Verliereraktien zu lange im Depot

Auf den Aktienmarkt bezogen, bedeutet das: Es besteht häufig die Tendenz, Verliereraktien länger im Depot zu halten als Gewinneraktien. Aktien werden nur sehr zögerlich verkauft, auch wenn sie rational längst nichts mehr im Depot zu suchen haben.

Weiter kann auch der Effekt der mentalen Buchführung als Erklärung angeführt werden. So werden im Eigentum befindliche Gegenstände auf anderen mentalen Konten verwaltet als Gegenstände, die sich nicht im eigenen Besitz befinden. Für die unterschiedlichen Konten werden jeweils andere Methoden zur Bewertung angewendet; es kommt zu unterschiedlichen Gesamtbewertungen.

 

Teil 1 der Serie: 

Die größten Anlegerfehler, Teil 1: Warum Anleger sich häufig selbst täuschen

Teil 2 der Serie: 

Die größten Anlegerfehler, Teil 2: Die Sache mit der Kontrolle und der Illusion

Teil 3 der Serie:

Die größten Anlegerfehler, Teil 3: Getrieben vom eigenen Selbstwertgefühl

Teil 4 der Serie:

Die größten Anlegerfehler, Teil 4: Warum es auf die Reihenfolge der Informationen ankommt

Teil 5 der Serie:

Die größten Anlegerfehler, Teil 5: Der Tunnelblick

Teil 6 der Serie:

Die größten Anlegerfehler, Teil 6: Die Wahrnehmungsfalle

Strongbox Capital entwickelt regelbasierte Anlagestrategien auf Basis der Behavioral Finance-Forschung. Die Gesellschaft wurde im Jahr 2016 als unabhängige und innovative Asset Management Boutique in Zürich gegründet. Zu den Kunden zählen Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter. Der langfristige Kapitalerhalt steht im Zentrum der Anlagestrategien.