Die größten Mythen zu CoCos, Teil 1: CoCo-Bonds sind zu kompliziert

Convertible Contingent Bonds werden oft als kompliziert und riskant wahrgenommen. Doch wer sich näher damit auseinandersetzt, stellt fest, dass sie eine attraktive Ergänzung im Portfolio sein können.

„Grundsätzlich“, überlegt Huw Davies, Investment Director für Anleihen bei Merian Global Investors, „kann ich schon verstehen, wenn Anleger im ersten Augenblick Vorbehalte gegenüber CoCo-Bonds haben. Wie bei allen vorzeitig kündbaren oder wandelbaren Papiere müssen sich Investoren nämlich hier etwas Zeit nehmen, um die Entwicklungen zu verstehen, die zur Kündigung der Anleihe oder zur Wandlung führen.“ Dazu kommt, dass der Bankensektor seit der Finanzkrise nicht gerade den besten Ruf genießt. Aber sind die Vorbehalte gegenüber diesen Anleihen wirklich gerechtfertigt? Der erste Teil der Artikelserie über Convertible-Contingent-Anleihen, kurz CoCos genannt, befasst sich deshalb mit der Frage, ob diese tatsächlich so viel komplexer sind als andere Finanzprodukte.

Erstmals emittiert wurden CoCos nach der globalen Finanzkrise. Deren Idee:  Ähnlich wie Eigenkapital sollten sie Banken in die Lage versetzen, Verluste auszugleichen, wenn ein Kreditinstitut in große finanzielle Schwierigkeiten gerät. Aber sie sollten günstiger und schneller zu emittieren sein als Eigenkapital. Vor allem aber sollten sie zur Kapitalisierung der Banken beitragen. Damit sollen Banken künftige schwere Schocks für das globale Finanzsystem besser überstehen. Aus regulatorischer Sicht dienen sie damit als Instrument, um die Kosten im Fall einer Bankenrettung auch auf Investoren und Gläubiger zu verteilen, anstatt allein auf den Staat und damit letztlich den Steuerzahler. Zudem, so die Idealvorstellung, sollten sie bei den Emittenten Anreize für ein risikobewussteres Verhalten schaffen.

Laut der Wertpapieraufsicht BaFin dürfen sich Banken das aus CoCo-Bonds generierte Kapital dabei allerdings nur dann als zusätzliches Kernkapital anrechnen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. So müssen die Papiere zum Beispiel ein Wandlungs- oder Herabschreibungsverfahren vorsehen, zeitlich unbefristet sein und die Zinszahlungen in das Ermessen des Emittenten stellen. Außerdem dürfen Kündigung, Rückzahlung oder Rückkauf durch den Emittenten nur mit vorheriger Erlaubnis der Aufsicht erfolgen.

 

Ähnlichkeiten zu kündbaren Anleihen

Soweit es die CoCo-Bonds selbst betrifft, sind sie von Banken oder Versicherungen emittierte unendlich laufende, festverzinsliche Schuldverschreibungen, bei denen es ein vorzeitiges Kündigungsrecht zu zuvor festgelegten Terminen gibt. Damit weisen sie Ähnlichkeit zu anderen kündbaren Anleihen auf. Deren Idee ist schnell erklärt: Der Emittent hat die Möglichkeit, diese zu bestimmten Zeitpunkten während der Laufzeit zu kündigen. Das bedeutet für den Anleger Unsicherheit, da er sein investiertes Kapital früher zurückbekommen kann als erwartet.

Weil der Investor dem Emittenten somit eine Call-Option, also das vorzeitige Kündigungsrecht, verkauft, erhält er eine über die gesamte Laufzeit verteilte Prämie. Er bekommt bei kündbaren Anleihen also eine Verzinsung, die über dem marktüblichen Zinssatz liegt. Die entscheidende Frage ist bei Cocos wie bei jeder anderen kündbaren Anleihe somit, ob dieser Spread größer ist als es die damit verbundene Unsicherheit.

 

CoCos erfordern Kenntnisse der Bankenregulierung

Bei CoCos kommt es dann zur vorzeitigen Kündigung oder Abschreibung, wenn ein vordefiniertes Auslöseereignis, ein Trigger, eintritt, der wiederum in den Emissionsbedingungen der jeweiligen Anleihe festgelegt ist. Der Trigger ist in der Regel das Absinken der Eigenkapitalquote einer Bank unter ein bestimmtes regulatorisches Niveau. Damit erinnern sie an Wandelanleihen, bei denen der Anleger ebenfalls vom Fremd- zum Eigenkapitalgeber werden kann. Allerdings gibt es einen Unterschied: Während Investoren bei klassischen Wandelanleihen die Wahl haben, ob sie in die Aktien wandeln möchten oder nicht, kommt es bei CoCos zu einer Zwangsumwandlung, wenn die definierten Voraussetzungen erfüllt sind.

„Tatsächlich ist es durchaus gängig, dass Investoren vorzeitig kündbare Bonds oder Wandelanleihen ihrem Portfolio beimischen“, so Davies Fazit. „Auch wenn es, wie dargelegt, einige Unterschiede zu diesen Anleihearten gibt, so erscheinen die Vorbehalte bezüglich der Komplexität doch etwas überzogen.“ Für ihn besteht ein wesentlicher Unterschied lediglich darin, dass es bei CoCos sehr tiefe Kenntnisse über die Bankenregulierung, also über Basel III, braucht, um einschätzen zu können, wie attraktiv ein eine solche Anleihe bewertet ist.

Dies spricht jedoch nicht grundsätzlich gegen diese Anleiheart, sondern eher dafür, die Einzeltitelauswahl – ähnlich wie bei Wandelanleihen – einem Fondsmanager, der sich intensiv mit den Anleihebedingungen auseinandersetzt und tiefe Kenntnisse im Bereich der Regulierung hat, zu überlassen. Ob CoCo-Bonds tatsächlich so riskant sind wie viele glauben und welche Vorteile sie als Portfoliobeimischung bieten können, damit befassen sich die weiteren Folgen dieser Artikelserie.


 

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