Die größten Mythen zu CoCos, Teil 4: Von CoCo-Bonds profitieren nur die Emittenten

Convertible Contingent Bonds wurden für Banken und Finanzdienstleister konzipiert. Heißt das, dass daran auch nur sie als Emittenten profitieren? Oder kann sich deren Beimischung auch für Anleger lohnen?

Selbstverständlich bietet die Emission von Pflichtwandelanleihen, kurz CoCo-Bonds genannt, den Banken Vorteile. So sind insbesondere die Kosten für den Emittenten nur etwa halb so hoch wie bei der Emission von Eigenkapital. In Anbetracht dessen werden sich viele Anleger fragen, ob diese Wertpapiere auch für einen Investor Vorteile bieten. „Natürlich ist es wahr, dass es gute Gründe für Banken gibt, solche Wertpapiere zu emittieren", bestätigt Lloyd Harris, Co-Fondsmanager des Merian Global Investors Financials Contingent Capital Fund. „Allerdings können auch Anleger von dieser Anlageklasse profitieren.“ Ein erstes gewichtiges Argument ist beispielsweise der Ertrag. „Denn der durchschnittliche Zinssatz für diese Wertpapiere liegt bei rund sechs Prozent“, erklärt der Experte.

Ein weiterer Faktor ist, dass CoCos diese Rendite mit einer geringeren Volatilität bieten als Senior Debt von Banken oder Bankaktien. „Der Hauptgrund liegt darin, dass die Anleihen über eine Reset-Eigenschaft verfügen. Wird die Anleihe zu den optionalen Rückzahlungsterminen nicht vom Emittenten zurückgezahlt, dann wird der Kupon zurücksetzt und zwar über den geltenden risikofreien Zinssatz, womit sie eine hohe Ähnlichkeit zu variablen Anleihen aufweisen“, erklärt Harris.

 

CoCos: Gewisser Schutz vor Zinsänderungen

Dies bedeutet, dass Veränderungen bei den Zinssätzen keinen so signifikanten Einfluss auf den Preis des bedingten Kapitals haben. „Somit bietet die relativ kurze Duration dem Anleger einen gewissen Schutz vor Zinsänderungen“, so der Experte weiter. Darüber hinaus weisen CoCos eine geringe oder sogar negative Korrelation zu den wichtigsten Anlageklassen auf. Im Vergleich zum Bloomberg Barclays US Treasury Index zum Beispiel liegt die Korrelation bei -0,25. Das heißt, sie entwickeln sich gegenläufig zu amerikanischen Staatsanleihen.

Aber auch gegenüber dem US-Aktienindex S&P 500 beträgt der Gleichlauf nur 0,51. Damit bieten sie auch gegenüber Aktien einen gewissen Diversifikationsvorteil. Dazu kommt noch ein weiterer Faktor, der CoCos attraktiv machen könnte: Nämlich, dass es sich um relativ neue Finanzprodukte handelt, bei denen das Nettoemissionsvolumen in den vergangenen fünf Jahren stetig gestiegen ist. Das bedeutet: Das Angebot übersteigt die Nachfrage. „Und genau das ist ein Grund, warum sie derzeit sehr günstig bewertet werden", sagt Harris.

 

CoCo-Bond der Deutschen Bank derzeit nicht investierbar

Allerdings weist er auch darauf hin, dass Banken nur eine bestimmte Menge dieser Papiere emittieren dürfen. „Und das bedeutet, dass die gesamte Nettoemission in den kommenden Jahren ihren Höhepunkt erreichen wird, unserer Einschätzung nach höchstwahrscheinlich Anfang 2020“, folgert der Co-Fondsmanager. „Das macht es wahrscheinlicher, dass in Zukunft die Nachfrage höher sein wird als das Angebot. Und das wiederum würde zu steigenden Preisen für CoCos oder sicherlich zu einer Verringerung der Spreads gegenüber anderen festverzinslichen Wertpapieren führen.“

Ein Selbstläufer sind CoCos für Investoren deshalb aber nicht. Denn zwischen den Papieren gibt es große Unterschiede und deshalb müssen sich Anleger die einzelnen Emittenten sehr genau ansehen. „Die CoCo-Anleihe der Deutschen Bank zum Beispiel ist unserer Meinung nach derzeit aufgrund des grundsätzlich schwachen Geschäftsmodells des Kreditinstituts nicht investierbar“, warnt der Experte.

Darüber hinaus gibt es eine weitere Hürde für Investoren: nämlich die sehr hohe Stückelung. Aus diesem Grund ist es für Investoren kaum möglich, selbst ein gut diversifiziertes Portfolio aufzubauen. Wer CoCos in sein Portfolio aufnehmen will, sollte dies deshalb besser über aktiv verwaltete und breit diversifizierte Fonds tun, bei denen ein Manager eine kontinuierliche und strenge Beurteilung der Bonität der Bank vornimmt.


Bisher erschienen:

Die größten Mythen zu CoCos, Teil 1: CoCo-Bonds sind zu kompliziert

Die größten Mythen zu CoCos, Teil 2: Banken sind noch so riskant wie vor der Finanzkrise

Die größten Mythen zu CoCos, Teil 3: Andere Anlageklassen sind zur Portfoliobeimischung besser geeignet


 

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