Die neue Steuererklärung - Das Ende der Belegpflicht

Bei der Abgabe der Steuererklärung gibt es dieses Jahr eine Neuerung, die für gehörigen Wirbel bei den Betroffenen sorgt, denn ab diesem Jahr müssen keinerlei Belege eingereicht werden. Dieser Umstand soll die Arbeit von Finanzbeamten erleichtern und die Steuererklärung für Ottonormalverbraucher erleichtern, lässt jedoch auch Spielraum für Betrügereien.

Neue Regelung zur Entlastung der Finanzämter

Seit diesem Jahr gibt es eine neue Regelung, welche die Finanzämter entlasten soll. Zudem können sich auch Steuerzahler über diese Regelung freuen, wobei insbesondere Betrüger eine Chance wittern könnten. Mussten im vergangenen Jahr noch Unmengen von Rechnungen per Post an das Finanzamt verschickt werden, so entfällt diese Auflage seit diesem Jahr. Somit soll die lange Wartezeit, welche normalerweise bis zur Übermittlung des Steuerbescheids anfiel, reduziert werden. Insbesondere das Fehlen einer einzelnen Quittung konnte demnach für extreme Wartezeiten sorgen. Bereits die alte Regierung hat beschlossen, dass diese Optimierung in Kraft treten soll, sodass eine nachhaltige Entlastung bewirkt wird.

Grundsätzlich bedeutet der Wegfall der Belegpflicht, dass die Finanzbeamten entlastet werden. Zudem können nur vollautomatische Softwareprogramme genutzt werden, welche die eingereichte Steuererklärung vollautomatisch überprüfen. Durch dieses Vorgehen soll die Prozessbearbeitung beschleunigt werden. Darüber hinaus können einzelne Steuererklärungen an andere Finanzämter übermittelt werden, sodass diese bei der Bearbeitung helfen. Dies ist eine besondere Optimierung, denn jede übermittelte Steuererklärung sorgte für einen enormen Mehraufwand, da einzelne Quittungen und Rechnungen übermittelt werden mussten.


Bearbeitungsdauer von Steuererklärungen wird reduziert 

Die Verkürzung der Bearbeitungsdauer soll auch dem Steuerzahler zugutekommen. Bei einem planmäßigen Ablauf soll der abschließende Steuerbescheid schneller beim Kunden ankommen. Auch die Gutschrift der Steuererstattung soll schneller beim Steuerzahler ankommen. Laut Uwe Rauhöft, dem Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine, gibt es bisher keine Erfahrungswerte über die schnellere und einfachere Bearbeitung der Steuererklärungen, da bisher noch nicht genügend Steuerbescheide zurückgekommen sind.

Bereits 2017 verzichtete das Bundesland Hessen auf die Einreichung von Belegen, sodass hier erste Erfahrungsberichte vorliegen. Diese lassen hoffen, dass sich der Bearbeitungsprozess beschleunigt und die Finanzbehörden einen niedrigen Verwaltungsaufwand haben. Zudem werden die meisten Nachweise für Elterngeld, Rentenzahlungen oder Versicherungsleistungen bereits vollautomatisch von den jeweiligen Einrichtungen an die Finanzämter weitergeleitet.

Doch auch dem durchschnittlichen Bürger soll durch diese Neuerung Arbeit angenommen werden. Allerdings müssen die Steuerpflichtigen auch in Zukunft Rechnungen zur Hand haben, um zu bestimmen, wie hoch die jeweiligen Ausgaben waren. So können die exakten Spendenbeträge oder Dienstreisen nur beim Vorliegen der entsprechenden Belege geltend gemacht werden. Die entsprechenden Belege müssen mindestens ein Jahr nach dem Eintritt der Rechtskräftigkeit des Steuerbescheids aufbewahrt werden. Allerdings fallen sowohl Porto, als auch Versandkosten weg und der Verlust eines einzelnen Belegs bringt keine negativen Auswirkungen mit sich.


Schummeln ist nur möglich, wenn der Algorithmus bekannt ist 

Nun mögen viele Steuerpflichtige denken, dass diese neue Regelung eine Einladung zum Betrug ist. Insbesondere der Gedanke, dass die Angaben nicht mehr genau sein müssen, ist schlichtweg fehlerhaft. Viele Bürger werden denken, dass eine Dienstreise oder ein Büro abgerechnet werden können, da lediglich kein Beleg mehr eingereicht werden muss. Selbstverständlich ist die Versuchung falsche Angaben zu machen groß. Allerdings hat das Finanzamt stets die Möglichkeit sämtliche Angaben zu überprüfen. Hierbei kommt ein elektronisches Risikomanagementsystem zum Einsatz, welches zur Plausibilitätsprüfung der gemachten Angaben genutzt werden kann. Insbesondere bei der Geltendmachung neuer Kosten oder bei starken Abweichungen zu den Angaben des Vorjahres alarmiert das System die Finanzbeamten. Sollte dies der Fall sein, so wird die gesamte Steuererklärung manuell geprüft. Existieren anschließend weiterhin Zweifel an der Korrektheit der Steuererklärung, so kann der Finanzbeamte sämtliche Unterlagen anfordern.

In der Regel basieren diese Risikomanagementverfahren auf regelbasierten Verfahren zur Aussteuerung von risikobehafteten Unterlagen. Dabei setzen die Finanzbehörden auf vielfältige Prüfkriterien, welche eine Aussteuerung der Steuererklärung bewirken. Wer beim Betrügen erwischt wird, der steigt in eine höhere Risikoklasse auf. Die höchste Risikoklasse trägt die Nummer eins und erfordert ein Einreichen von Belegen. Bürger der Klasse zwei müssen teilweise Belege einreichen, während Steuerzahler der Klasse drei eine weiße Weste haben und automatisiert bearbeitet werden.

Grundsätzlich ist die Neuerung eine Erleichterung für viele Menschen. Insbesondere Finanzbeamte werden hiervon profitieren, da mehr Arbeit vom Computer übernommen wird.