Die türkische Lira verliert nicht erst seit gestern

Die türkische Lira befindet sich im freien Fall und verliert dramatisch an Wert - und das schon seit Jahresbeginn. Dazu verschärft ein Konflikt mit den USA die Lage. Das könnte auch Folgen für die deutsche Wirtschaft haben. Deutsche Handelspartner der Türkei sind in Sorge.

Der Währungsverfall der türkischen Lira macht die Finanzmärkte nervös. Immerhin hat die Landeswährung der Türkei seit Anfang des Jahres fast die Hälfte an Wert verloren. Daneben verschärfen Strafzölle der USA die Situation noch. Das führte zu Turbulenzen an der türkischen Börse. Die Panik ging auch an den internationalen Märkten nicht spurlos vorbei. So hat der Dax schon knapp 250 Punkte verloren. Der Dow Jones kam mit 0,77 Prozent noch vergleichsweise gut weg.

 

Türkei ist kein großer Handelspartner Deutschlands

Doch welche Rolle spielt die Türkei als Handelspartner für Deutschland? Aus der Sicht von Deutschland ist die Türkei ein nicht allzu großer Wirtschaftspartner. Im Jahr 2017 rangierte die Türkei bei Export und Import auf Platz 16. Deutschland exportierte Waren im Wert von 21,5 Milliarden Euro in die Türkei. Betrachtet man die deutschen Ausfuhren in ihrer Gesamtheit, so ergibt sich ein Wert von 1,278 Billionen Euro. Hauptsächlich wurden Autos und Maschinen sowie chemische Produkte in das Land am Bosporus geliefert. Die ersten, die die Auswirkungen der Turbulenzen in der Türkei zu spüren bekamen, waren die Maschinenbauer. So gingen alleine im Zeitraum von Januar bis Mai 2018 die Ausfuhren in die Türkei um knapp 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Der Branchenverband VDMA geht von einer anhaltenden negativen Entwicklung für die nächsten Monate aus.

 

Deutsche Wirtschaft in Sorge

Dennoch schaut die deutsche Wirtschaft mit Sorgen in Richtung Türkei. Denn immerhin sind in der Türkei über 100.000 Beschäftigte bei rund 6.500 deutschen Unternehmen beschäftigt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag ist alarmiert. Denn viele deutsche Firmen überdenken ihr Engagement am Bosporus. Noch haben sich keine deutschen Unternehmen aus der Türkei zurückgezogen, aber sie warten die weitere Entwicklung zögernd ab.

 

Auswirkungen sind schon spürbar

Aber die Auswirkungen sind deutlich spürbar. So verteuerten sich die Waren die in das Land eingeführt werden - eine Konsequenz des Währungsverfalls der türkischen Lira. Das kann schließlich zu einem Rückgang der Nachfrage in der Türkei führen. Der Verfall der Lira kann so für deutsche Unternehmen in der Türkei problematisch werden. Waren und Leistungen, die für die Produktion in das Land am Bosporus einführt werden müssen, werden in der türkischen Landeswährung gerechnet jetzt teurer. Das kann zur Folge haben, dass die Preise steigen. Das wiederum kann die Chancen auf Absetzung der Waren und Dienstleistungen mindern.
 

Weiterer Währungsverfall erhöht den Druck

Geht der Währungsverfall weiter, so wird sich der Druck stetig erhöhen. Nichts ist wichtiger für die Attraktivität der Türkei als der Exportmarkt und für Investitionen die Rechtssicherheit und die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank sowie eine stabile Zahlungsbilanz. Doch alle drei wichtigen Faktoren sind momentan mit einem großen Fragezeichen versehen. Aber die deutsche Wirtschaft wird von der Krise in der Türkei nicht in den Abgrund gezogen. Davon ist jedenfalls Jörg Krämer, Volkswirt bei der Commerzbank, überzeugt. Nach seiner Auffassung ist der Export von Waren aus Deutschland in die Türkei viel zu niedrig. Das weitaus größere Problem sieht Krämer in den noch nicht vollständig abgewendeten Autozölle der USA gegen Deutschland. Denn die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Markt für deutsche Exportunternehmen.
Auch andere Wirtschaftsexperten gehen mit der Situation gelassen um und sehen keine ernsthafte Bedrohung für die deutsche Wirtschaft. Selbst wenn die Exporte aus dem Euroraum um 20 Prozent niedriger ausfallen würden, so hätte das lediglich ein Wachstumsverlust von 0,1 Prozentpunkte zur Folge.