Die Vermögensverwaltende GmbH: Eine (Steuer-)Spardose für Anleger
4 Min.
24.09.2021
Jessica Schwarzer
Journalistin, Moderatorin, BuchautorinNachricht senden

Die Vermögensverwaltende GmbH: Eine (Steuer-)Spardose für Anleger

Steuersparen war in Deutschland einmal ein Volkssport, doch es wird immer schwieriger – auch für Anleger. Die Möglichkeit, Gewinne und Verluste aus Wertpapiergeschäften zu verrechnen, ist zuletzt noch einmal deutlich eingeschränkt worden. Doch es gibt einen Ausweg: Die Gründung einer Vermögensverwaltenden GmbH hilft beim Steuersparen.

Für Börsianer ist und bleibt es ein leidiges Thema: die Steuern. Deutsche Investoren streichen pro Jahr 801 Euro Kapitaleinkünfte aus Dividenden, Zinsen und Gewinnen aus Wertpapierveräußerungen steuerfrei ein. Jeder weitere Euro wird mit 26,38 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag belastet, gegebenenfalls kommt noch Kirchensteuer oben drauf. Und es wird noch schlimmer: Seit diesem Jahr dürfen Verluste aus Termingeschäften wie Optionen, Futures und Differenzkontrakten (CFD) nicht mehr mit Gewinnen aus anderen Wertpapieren verrechnet werden, sondern nur noch untereinander. Außerdem gibt es nun eine Verrechnungsobergrenze von 20.000 Euro. Höhere Verluste müssen auf das Folgejahr vorgetragen werden.

Viele Trading-Strategien gehen dadurch nicht mehr auf oder funktionieren nur noch erheblich schlechter. Eine Vermögensverwaltende GmbH könnte ein Ausweg sein, nicht nur für Trader, sondern auch für weniger waghalsige Investoren. Die GmbH ist ein Vehikel zur Strukturierung des eigenen Vermögens. Ziel ist es über die GmbH Investments zu tätigen, deren Gewinne zu einem geringeren Steuersatz versteuert werden, als dies privat der Fall wäre. „Steuern sind die größte Ausgabenposition der Bürger und damit auch der größte Hebel, um mehr Kapital für Reinvestitionen freizusetzen“, sagt Christine Kiefer, Mitgründerin des Berliner Fintechs Ride Capital, das die GmbH-Gründung und -Verwaltung automatisiert. „Die Rolle, die die Steuern beim Vermögensaufbau spielen, wird oft unterschätzt“, sagt auch Jan-Henrik Leifeld, Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht bei der HSP RECHT Raddatz & Leifeld. „Durch den Zinseszinseffekt kann eine moderate Steuerersparnis über viele Jahre zu einer erheblichen Summe anwachsen, wenn sie gewinnbringend investiert wird.“ Der Plan, eine Vermögensverwaltende GmbH zu gründen, sollte in der Regel einschließen, dass Gewinne über einen langen Zeitraum für Investitionszwecke in der GmbH verbleiben und daher nicht für den privaten Konsum zur Verfügung stehen.


Optimierung von Kosten- und Steuern 

Dann ist die Vermögensverwaltende GmbH ist eine Art „Sparschwein“. Vermögen wird in die Gesellschaft eingebracht und investiert. Die Gewinne werden reinvestiert, Kosten können geltend gemacht werden, Steuern werden gespart und die Rendite erhöht sich. Es geht also um Steuer- und Kostenoptimierung. Vor allem die Steuerersparnis kann enorm sein. Der Steuerberater nennt Beispiele: Auf Gewinne aus Aktieninvestments zahlt die GmbH kaum Steuern, nämlich knapp 1,5 Prozent im Gegensatz von gut 26 Prozent im Privatvermögen. Auch bei Investitionen in Fonds gibt es Steuervergünstigungen für die GmbH. Gewinne aus Aktienfonds sind nach dem Investmentsteuergesetz für eine GmbH zu 80 Prozent steuerfrei, während für eine natürliche Person nur eine Freistellung von 30 Prozent der Gewinne gilt. „Damit sich eine Vermögensverwaltende GmbH allein aufgrund der genannten Steuervorteile bei Aktien und Fonds lohnt, ist ein hoher Gewinn aus diesen Investments Voraussetzung“, sagt Leifeld.

Für den Handel mit Derivaten gibt es eine solche höhere Freistellung für die GmbH hingegen nicht. „Auf den ersten Blick erscheint auch die Besteuerung von 30,83 Prozent auf Termingeschäfte in der GmbH nachteilig gegenüber den 26,38 Prozent Abgeltungsteuer des Privatanlegers“, sagt Kiefer. Da Anleger privat jedoch nur noch bis zu 20.000 Euro Verluste absetzen können, sind sie mit einer GmbH schnell deutlich besser gestellt und können profitabel weiter traden.“ Eine Vermögensverwaltende GmbH sei für Options-, Future- und CFD-Trader der Ausweg, um die Beschränkung der Verlustverrechnung zu umgehen.


Für wen sich eine Vermögensverwaltende GmbH lohnt

Klingt gut. Nur ist es recht mühsam und nicht ganz günstig, eine GmbH zu gründen. „Die GmbH-Gründung ist mit viel organisatorischem Aufwand und natürlich zusätzlichen Kosten verbunden“, gibt Christian Korte vom Onlinebroker CapTrader zu Bedenken. Hier könne ein Dienstleister wie Ride natürlich sehr gut helfen, wenn es um das Reporting und die Buchhaltung geht. „Nichtsdestotrotz sollten sich kleinere Privatanleger sehr gut überlegen, ob der Gründungsaufwand und die Folgekosten einer GmbH sinnvoll sind, wenn bisher lediglich ein kleines, privates Depot geführt wurde“, sagt der Head of Marketing bei CapTrader. „Für große Depots, in denen Optionen oder andere von der Steueränderung betroffene Assets gehandelt werde, kann die Gründung jedoch sehr wohl sinnvoll sein.“ Er rät Kunden immer, vorab mit dem Steuerberater ihres Vertrauens zu sprechen, um eine professionelle Einschätzung der persönlichen Lage einzuholen.

Dank Start-Ups, wie eben Ride, sind die Kosten zuletzt erheblich gesunken. Dass macht das Steuer-Sparschwein für immer kleinere Depots interessant wird. „Unser Gründungs-Service ist sicher, schnell, digital und der komplette Prozess kann jederzeit online im Ride-Konto verfolgt werden“, erklärt Kiefer. Auch nach der Gründung gibt es Hilfestellung, da einige anspruchsvolle Aufgaben erst bei der Einrichtung anfallen. Dazu zählt der steuerliche Erfassungsbogen, die Kapitalisierung der GmbH oder das Eröffnen von Konten und Depots. „Durch unser Netzwerk von Notariaten, Kanzleien und Steuerberatungen ist es uns möglich, diese Leistungen als Paket zu einem Fixpreis von 2.299 Euro netto anzubieten.“ Wer eine GmbH gründet, schlägt sich künftig mit der Buchhaltung, der Erstellung von Steuererklärung und Jahresabschluss, der Handels- und der Steuerbilanz herum, auch hier hilft das Start-Up.


Interesse von Privaten und Professionellen steigt

Für wen die Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je nachdem für welchen Zweck die GmbH gegründet wird, welche Kosten angesetzt werden und wie die individuelle Gesamtkonstellation aussieht, kann sich die GmbH laut Ride-Gründerin Kiefer schon ab einem Aktien-Depotwert von etwa 80.000 Euro und einem Anlagehorizont von 15 Jahren oder bei Verlusttöpfen größer als 25.000 Euro pro Jahr lohnen. Auch Immobilien und Firmenbeteiligungen können in eine Vermögensverwaltende GmbH verlagert werden. Vor allem bei Beteiligungen an Start-Ups könne das Sinn machen, „da bei einem Firmenverkauf auf die Gewinne nur 1,5 Prozent Steuern anfallen“. Grundsätzlich muss stets der individuelle Fall betrachtet werden. Erste Orientierung, ob sich eine GmbH lohnen würde, geben verschiedene Online-Aktienrechner sowie Verlustverrechnungs-Rechner.

Immer mehr Anleger sind davon aber mittlerweile überzeugt.  „Das Interesse nach Firmendepots und GmbH-Konten ist seit Jahresbeginn sehr deutlich angestiegen“, sagt Korte. Da ein Großteil der CapTrader-Kunden auch mit Optionen und Futures handelt, sind sie von der steuerlichen Neuregelung betroffen. Anleger sollten aber Vor- und Nachteile abwägen, rät Anwalt Leifeld. Ob sich ein angemessener Vermögensvorteil ergibt, lässt sich nur im Einzelfall solide entscheiden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die GmbH lohnt, ist aber generell dann höher, wenn man bereit und in der Lage ist, erzielte Gewinne und Vermögen für einen langen Zeitraum in der GmbH zu belassen“, sagt der Steuerexperte. Auch gilt natürlich, dass bei hohem Einkommen und derzeit hoher Steuerlast mehr Spielraum zur Verfügung steht, eine Steuerersparnis zu erzielen. Zudem bietet sich bei einem Einkommen aus unternehmerischer und freiberuflicher Tätigkeit in der Regel mehr Gestaltungspotenzial als bei einem Einkommen als Arbeitnehmer. „Vor der Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH bedarf es sorgfältiger und langfristig orientierter Planung, damit aus der Idee auch die gewünschten Ergebnisse entstehen“, so Leifeld.

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