Die Visionen der Automanager für unsere Fortbewegung

In Hamburg tauschen Fachleute aus der Autobranche ihre Meinungen über die Zukunft der Mobilität aus und gehen dabei auf unterschiedlichste Aspekte ein. So ist die Barrierefreiheit ein wichtiger Gesichtspunkt. Natürlich spielt die Digitalisierung genauso eine Rolle. Durch diese ändert sich das Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer. Zusätzlich steigt die Sicherheit.

Wer schlecht sehen oder hören kann, dem bleibt die Teilnahme am Straßenverkehr verwehrt, da er nicht über die notwendigen Voraussetzungen verfügt, damit er sich hier sicher fortbewegt und keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellt. Mütter oder Väter mit Kindern stehen oftmals vor dem Problem, dass die Kleinen den Fahrer ablenken, weshalb die Gefahr eines Verkehrsunfalls steigt. Wer vom Einkauf nach Hause möchte und selbst kein eigenes Auto besitzt, der hat nur wenige Optionen, wie ein Transport möglich ist. Die öffentlichen Verkehrsmittel oder ein Taxi stehen dafür zur Verfügung. Beide sind mit Nachteilen behaftet. Busfahrpläne richten sich nicht nach dem Einzelnen und in vielen Fällen muss der Nutzer umsteigen, damit er zu Hause ankommt. Viel Zeit geht daher verloren und Kosten entstehen ebenfalls. Taxen sind zwar schnell vor Ort, doch die Preise für eine Fahrt sind hoch und stehen in keiner Relation zur Nutzung des eigenen Pkws.


Dies sieht auch Johann Jungwirth so. Er ist Executive Vice President of Mobility bei Volkswagen und setzt sich mit diesen Problemen auseinander. Er stellte beim MobilityCircle in der Hansestadt eine neue Herangehensweise vor. Das „Inclusive Design“ löst, seiner Meinung nach, viele dieser Fragen. Übersetzt bedeutet der Begriff, dass durch die Ausgestaltung von Produkten Menschen mit Defiziten oder speziellen Bedürfnissen ebenfalls ein Teilnehmen ermöglicht wird.


Erste Projekte stehen vor dem Abschluss

„oneButton“ ist eine mögliche Lösung. Hierbei fordert der Nutzer mit einem Knopfdruck ein selbstfahrendes Auto für sich an und gelangt mit diesem an das gewünschte Ziel. Die dafür notwendige Gerätschaft ähnelt einer TV-Fernbedienung. Sie ist simpel aufgebaut und die Tasten sind leicht erkennbar. Durch eingebaute Lämpchen ist eine gute Sichtbarkeit garantiert. Per Fingerabdruck bestätigt der Interessierte die einzelnen Vorgänge, weshalb diese innerhalb kürzester Zeit ablaufen. Für Sehbehinderte sind zusätzlich kleine Vibrationsmotoren verbaut. Außer dem Bestellen eines Fahrzeugs führt das Gerät seinen Besitzer zum Parkplatz des angeforderten Gefährtes. Die Leuchten und das Vibrieren helfen beim Finden des Wegs. Der Alltag vereinfacht sich auf diese Weise, da die Mobilität steigt, ohne dass man selbst über einen Führerschein verfügen muss.


Weitere Ansätze, die eine entscheidende Rolle spielen

Neben der Funktionalität gibt es weitere Dinge, welche Jungwirth berücksichtigt. So möchte er, dass sich nicht der Mensch nach den Angeboten richtet, sondern diese nach dem Endverbraucher. Angebote sollen leicht nutzbar und verständlich sein, damit eine Ansprache der unterschiedlichsten Kundenkreise und Altersgruppen möglichst unkompliziert ist. Eine Lösung soll nicht nur vorhanden sein, sie soll den Lebensstandard gezielt erhöhen und damit zu Verbesserungen führen. Neben der Funktionalität steht die Optik im Mittelpunkt. Schön gestaltete Fahrzeugmodelle führen beispielsweise zu einer höheren Attraktivität, weshalb die Nachfrage steigt. Zusätzlich bieten diese mehr Komfort. Der Interessent fühlt sich wohler und baut eine positive Beziehung zu Dienstleistung auf. Er nutzt diese daher öfter, was sich vorteilhaft auf die Bilanzen der Anbieter auswirkt.


Erfahrungswerte, die Jungwirth im Verlauf seiner Karriere sammelte

Diesen Denkansatz brachte Jungwirth aus den USA mit, wo er lange tätig war. Bevor er zu Volkswagen stieß, war er beim Konkurrenten Daimler angestellt. Auch bei Apple bekleidete er eine führende Position und verfügt daher über einen hervorragenden Überblick. Potenziale, die sich bieten, erkennt er umgehend und weiß, wie er diese vorteilhaft für seinen neuen Arbeitgeber einsetzen kann. Im legendären Silicon Valley lernte er einen neuen Gesellschaftsansatz kennen, der weitaus offener ist als in anderen Regionen oder Kontinenten. Nachteile möchte man hier ausgleichen, damit jeder über die gleichen Chancen verfügt.


Doch er erkennt zugleich die Gefahren, welche diese Veränderungen mit sich bringen. So vergaßen die Verantwortlichen dort vor lauter Begeisterung, dass sie die Gemeinden und Städte in ihre Ideen einbinden mussten, um diese vorzubereiteten. So überschwemmten E-Scooter die Region und sorgten für ein Verkehrschaos. Diese verringerten zwar die Luftverschmutzung, doch die verstopften Straßen und das Fehlen von Parkmöglichkeiten glichen jenen Vorteil wieder aus.


Daher ist es für Jungwirth unerlässlich, dass er die Gesellschaft und Entscheidungsträger umfassend über seine Ideen informiert und davon begeistert. Diese sind nun in der Lage, dass sie die Infrastruktur den neuen Gegebenheiten anpassen und Vorurteile innerhalb der Bevölkerung abbauen. Nur so gibt es weniger Vorbehalte oder gar Proteste. Außerdem verstehen die Bürger das Angebot besser und können abschätzen, ob dieses ihr Leben verbessert.