Diese IPOs sollten Sie nicht verpassen

Die Zahl der Börsengänge ist aktuell zwar eher unterdurchschnittlich, und zuletzt wurden sogar bereits geplante Emissionen abgesagt. Aber gerade in den USA werden prominente IPOs erwartet.

Mehr als 1500 Börsengänge gab es weltweit im vergangenen Jahr. Und auch 2019 ist in Sachen IPOs (Initial Public Offering) einiges los. Vor allem in den USA wollen sich viele Unternehmen dem Kapitalmarkt öffnen. Darunter befinden sich gleich mehrere US-Technologie-Schwergewichte, namentlich der Office-Kommunikationsdienst Slack, das Vermietungsportal Airbnb und der Taxischreck Uber.

Experten rechnen damit, dass der Uber-Börsengang eines der bislang größten IPOs überhaupt werden könnte. Läuft alles planmäßig, könnte Uber zum Börsengang bis zu 120 Mrd. Dollar schwer sein, berichten Experten. Ebenso wird bei Palantir Technologies, ein privat geführter US-amerikanischer Anbieter von Software und Dienstleistungen, der sich auf die Analyse großer Datenmengen spezialisiert hat, für das IPO geplant. Der Wert des Startups wird durch die US-Großbank Morgan Stanley mittlerweile auf 41 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Apropos größter Börsengang aller Zeiten: Das sollte 2018 ursprünglich der Ölkonzern Saudi Aramco werden. Saudi-Kronprinz Mohammed bin Salman rechnete im vergangenen Jahr noch mit 100 Mrd. US-Dollar Erlös für einen Fünf-Prozent-Anteil, den er an ausländische Kapitalgeber abgeben wollte. Das hätte einen Börsenwert von zwei Billionen US-Dollar ergeben, mehr als das Doppelte des bisherigen Spitzenreiters Apple. Aber: Der Deal ist erst einmal geplatzt, weil es Streitigkeiten über die Wahl des Börsenplatzes und auch über die gigantische Bewertung des Unternehmens gab. Das IPO ist jetzt für 2021 geplant, aktuell soll zunächst eine Anleihe über zehn Mrd. US-Dollar ausgegeben werden.

 

Starkes Debüt von Tradeweb Markets

Ganz aktuell hat die US-Handelsplattform Tradeweb Markets ein sehr großes IPO in den USA hingelegt. Das Unternehmen sammelte Anfang April mit der Ausgabe neuer Aktien 1,1 Mrd. US-Dollar (979 Mio. Euro) ein und damit 27 Prozent mehr pro Aktie als der ursprüngliche Platzierungspreis.

Mit einem speziellen Konzept strebt Beyond Meat an die Börse. Beyond Meat ist ein US-amerikanischer Nahrungsmittelproduzent veganer Fleischersatzprodukte mit Sitz in Kalifornien. Board-Chef und Co-Investor Seth Goldman sagte kürzlich in einem Interview: „Wir müssen jetzt das richtige Börsenfenster, also den richtigen Zeitpunkt, finden.“

 Uber-Konkurrent Lyft hat die Glocke übrigens schon geläutet – und das mit ziemlichem Lärm. Anleger hatten sich bei der Premiere des Fahrdienstvermittlers Ende März an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq um die Aktien gerissen. Der erste Kurs lag bei 87,24 Dollar und damit gut 20 Prozent über dem Ausgabepreis von 72 US-Dollar. Das kalifornische Unternehmen sammelte mit dem größten US-Börsengang in 2019 rund 2,3 Mrd. US-Dollar bei Investoren ein und wurde insgesamt mit mehr als 24 Mrd. US-Dollar bewertet. Aber von dem Läuten ist nur noch ein leises Klingeln übrig: Die Aktie fiel in wenigen Tagen um fast 20 Prozent.

 

Immer noch unter dem Ausgabepreis

Mit viel Trara wollte auch der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi 2018 den Börsengang des Jahres mit einem Börsenwert von 100 Mrd. US-Dollar hinlegen. Das hat nicht geklappt: Die Aktien des chinesischen Smartphone-Herstellers verloren direkt nach dem Start zwischenzeitlich fast sechs Prozent und pendelten sich schließlich 1,2 Prozent unter dem Ausgabepreis ein. Dieser hatte mit rund 2,17 US-Dollar schon am unteren Ende der vorher genannten Preisspanne gelegen. Heute sind es nochmals fast 30 Prozent weniger.

Für Anleger gilt es dementsprechend, Börsenneulinge und Ankündigungen für Neuemissionen genau zu beobachten und sich zu fragen, ob ein Wert wirklich ins Depot und in die langfristige Strategie passt. Wenn sie großes Vertrauen in ein Unternehmen setzen, sie die Zukunftsaussichten und Marktpotenziale einschätzen können, ist der Weg über die Zeichnung direkt zum Börsenstart absolut denkbar und ein guter Weg, Gewinne einzustreichen.

Generell erwarten Experten nach den rund 1500 Börsengängen 2018 und mehr als 1700 im Jahr 2017, dass es in 2019 zunächst etwas ruhiger zur Sache geht. Laut dem "Global IPO Barometer der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hat sich mit einem schwachen vierten Quartal des vergangenen Jahres eine gewisse Zurückhaltung bei den Börsengängen bestätigt, nicht zuletzt wegen politischer Risiken wie dem US-chinesischen Handelsstreit und dem Brexit. EY erwartet indes für die zweite Jahreshälfte eine Steigerung der Aktivitäten.

 

IPO-Flaute in Deutschland

Das gilt insbesondere für Deutschland. „Im ersten Quartal 2019 hat kein einziges deutsches Unternehmen den Sprung aufs Parkett gewagt. Eine komplette IPO-Flaute erlebte die deutsche Börse zuletzt im ersten Quartal 2014. Im turbulenten Schlussquartal 2018 gingen immerhin noch vier deutsche Unternehmen an die Börse, im ersten Quartal des Vorjahres waren sechs Neuemissionen zu verzeichnen.“ Zu diesen Ergebnissen kommt die vierteljährliche Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“ des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens PwC.

Nadja Picard, IPO-Expertin und Capital Markets Leader für PwC Europe, sagt dazu: „Emittenten halten sich aktuell stark zurück mit Transaktionen. In dem äußerst schwierigen Marktumfeld Ende 2018 starteten verständlicherweise nur sehr wenige Unternehmen einen IPO-Prozess.“ So war beispielsweise der in der ersten Jahreshälfte erwartete Börsengang von Traton, der LKW-Sparte von VW, aufgrund des aktuellen Marktumfelds kurzfristig auf Eis gelegt worden. Vergangenes Jahr hatte der Wissenschaftsverlag Springer Nature kurz vor dem Start des IPO einen Rückzieher gemacht.

Dass ein IPO langfristig erfolgreich sein kann, zeigen einige Beispiele wie etwa Siemens Healthineers. Unter dem Markennamen sind die medizintechnischen Aktivitäten der Siemens AG zusammengefasst. Für das Unternehmen hat am 16. März 2018 die Glocke geläutet, seitdem hat es rund 20 Prozent an Wert hinzugewonnen. Auch andere Daten über 24 beziehungsweise 36 Monate zeigen, dass Börsenneulinge den Weg nach oben beschreiten können. So haben etwa der Online-Lieferdienst Delivery Hero (seit Mitte 2017 25 Prozent) oder auch das Energieunternehmen Uniper (seit Sommer 2016 rund 160 Prozent) die Anleger glücklich gemacht.