Digitaler Wandel: Warum der Fachkräftemangel nicht das Problem ist

Stand der Digitalisierung bei deutschen Unternehmen 

Im Rahmen einer Umfrage, welche von der Personalberatung Careerteam, eine Personalberatungsgesellschaft, die insbesondere auf digtale Wirtschaft spezialisiert ist, wurden Chief Digital Officer verschiedener Unternehmen befragt. In Summe wurden 65 CDOs aus kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie aus Konzernen befragt. Ziel der Umfrage war die Analyse von Hemmnissen, welche einen negativen Einfluss auf den digitalen Wandel haben. Zudem sollte der aktuelle Status Quo bewertet werden. Als Resümee sollten die CDOs die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Mitarbeiterzahlen prognostizieren.

Insgesamt gibt es laut den Befragten fünf Hauptarbeitsfelder, die im Rahmen des digitalen Wandels eine Rolle spielen. Hierzu nannten 86 der Befragten die Digitalisierung von Geschäftsprozessen und werteten dieses Arbeitsfeld auf Platz eins der Liste. Nachfolgend landeten die Cloudlösungen auf Platz 2. Immerhin 75 Prozent der befragten Digitalisierungsexperten gaben an, dass dies ein relevantes Arbeitsfeld ist. Auch die Digitalisierung der internen Kommunikation landete bei 75 Prozent der Befragten auf der relevanten Liste. Nachfolgend wurde die externe Kommunikation aufgeführt, die eine Relevanz von 74 Prozent erreichte. Auf dem letzten Platz der wichtigsten digitalen Arbeitsfelder landeten die digitalen Vertriebskanäle mit einem Anteil von 68 Prozent.


Digitalisierungsexperten sehen Verbesserungspotenzial bei der Digitalisierung 

Auf Anfrage gaben lediglich fünf Prozent der CDOs an, dass sie mit dem aktuellen Stand der Digitalisierung sehr zufrieden seien. Weitere 40 Prozent der Experten gaben immerhin an, dass die Digitalisierung zufriedenstellend vorangehe. Allerdings ist jeder fünfte Digitalisierungsexperte in Bezug auf den digitalen Wandel unzufrieden. Dabei spielen vor allem die Vorgesetzten und das Management eine entscheidende Rolle ein, wenn es nach der Meinung der Digitalexperten geht. Zwei Drittel der Befragten geben zudem an, dass es dem Stammpersonal an Qualifikationen und an Änderungsbereitschaft fehle. Auch die Unternehmenskultur nimmt laut 59 Prozent der Befragten eine wichtige Rolle bei der Verhinderung des digitalen Wandels ein. Weitere 54 Prozent der Digitalstrategen sehen dahingegen eine fehlende Änderungsbereitschaft beim Management. Lediglich 51 Prozent der Befragten sehen im Fachkräftemangel ein Hemmnis für den digitalen Wandel. 

Bei der fehlenden digitalen Qualifikation handelt es sich zudem nicht um mangelnde Spezialkenntnisse wie Programmierfähigkeiten. Vielmehr werden hierbei die grundsätzlichen und übergreifenden Digitalkenntnisse beschrieben.

Der Gründer und CEO von Careerteam, Ole Mensching, bestätigt, dass fehlende Unterstützung durch das Management und das Festhalten an alten Gepflogenheiten den digitalen Wandel ausbremsen würden. Auch eine fehlende Qualifikation sei ein Demotivationsfaktor von Digitalstrategen. Insbesondere die hohe Relevanz des digitalen Wandels ist erstaunlich, denn die Experten gaben an, dass rund 80 Prozent der Mitarbeiter vom digitalen Wandel beeinflusst werden. Dabei sei die Digitalisierung jedoch kein Prozess, der massiv zum Stellenabbau führen würde. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn die Einstellungsabsichten von Unternehmen berücksichtigt werden, denn zwei Drittel der Befragten gaben an, dass bis 2023 neue Mitarbeiter eingestellt werden sollen. Dahingegen will jedes dritte Unternehmen Stellen streichen. Allerdings soll nur bei 14 Prozent der befragten Unternehmen ein realer Stellenabbau stattfinden. Vor allem mittelständische Unternehmen mit weniger als 5.000 Arbeitnehmer wollen innerhalb der nächsten Jahre neue Arbeitsplätze schaffen.