Digitalisierung im Family Office: Den Erwartungen gerecht werden

Viele Vermögende kennen die Mehrwerte der Digitalisierung aus ihrem eigenen beruflichen und privaten Umfeld und fordern daher auch von ihrem Family Office entsprechende Strukturen.

In der Vermögensverwaltung und im Private Banking wird schon lange über die Digitalisierung und die Etablierung digitaler Strukturen für die Kundengewinnung, Kundenbindung, Kommunikation und das Handling von Vermögensverwaltungsdienstleistungen diskutiert, und nicht wenige Gesellschaften haben sich diesen Herausforderungen auch schon (erfolgreich) gestellt. Ob es sich um rein digitale Vermögensverwalter wie Growney oder Scalable handelt, um Privatbanken mit entsprechenden Angeboten wie die Quirin Privatbank oder die UBS oder auch um Private Equity-Anbieter wie Liqid oder Moonfare: Die Digitalisierung ist im Vermögensmanagement definitiv angekommen und wird von den Anlegern auch gerne genutzt.

Aber wie sieht es im Bereich der Family Offices aus? Sie sind keine Vermögensverwalter und bieten auch keine Investmentprodukte an (beziehungsweise sollten es nicht sein und tun!) – digitales Onboarding neuer Mandanten übers Internet ist also genauso wenig nötig wie eine Vermögensverwaltungsdienstleistung, die sich rein digital abspielt, inklusive der gesamten Kommunikation mit den Anlegern.


Stillstand ist Rückschritt

Bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO beispielsweise, die Family Office-Dienstleistungen anbietet und Family Offices berät, heißt es zu diesem Thema: „Für bestehende Family Offices besteht vor dem Hintergrund der Megatrends Digitalisierung und Globalisierung die Notwendigkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu optimieren. Dabei sind kreative und innovative Lösungen gefragt. Ein entscheidendes Element für die erfolgreiche Tätigkeit von Family Offices ist der Ausbau ihrer Infrastruktur zur Verwaltung, Kontrolle und Steuerung ihrer Vermögenswerte. Smart Data, intelligente Vernetzung oder Cloud Computing gehören heute zu einer modernen und effizienten Unternehmensorganisation. Die Infrastruktur der Family Offices und der durch sie gemanagten Vermögenswerte muss den Anforderungen an Flexibilität, Datenvolumen und -geschwindigkeit und auch den Erwartungen der Familienmitglieder gerecht werden.“

Die Erwartungen der Mandanten sind eines der Kernthemen bei allen Diskussionen über Sinn und Unsinn, Nutzen und Aufwand der Digitalisierung. Diese Erwartungen steigen einfach: Gerade die jüngere Generation kennt die Mehrwerte der Digitalisierung aus ihrem eigenen beruflichen und privaten Umfeld und will dementsprechend auch der Ebene des Wealth Managements, der Finanzplanung und Co. mit hoher digitaler Kompetenz abgeholt werden.


Die Digitale Herausforderung für Family Offices

Was bedeutet das jetzt für Family Offices und andere Organisationseinheiten? Sie stehen vor der grundsätzlichen Herausforderung, den gesellschaftlichen Übergang in die Digitale Moderne bewältigen zu müssen. Tun sie das nicht, müssen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, kurz- bis mittelfristig Wertverluste ihrer investierten Assets in Kauf nehmen zu müssen, da sich die Natur der Geschäftsmodelle im Zuge der Digitalisierung mehrheitlich ändert. Außerdem müssen sie damit rechnen, die personell getragene Kompetenz zu verlieren, den erforderlichen Wandel überhaupt bewerkstelligen zu können und sich schlussendlich nur noch mit denjenigen Chancen abgeben zu können, die von strategisch klüger aufgestellten Marktteilnehmern übrig gelassen werden.

Das stellen auch die Berater von BDO heraus. „Die Digitalisierung verändert die gesamte Wertschöpfungskette von Unternehmen, nicht nur den Vertrieb. Unternehmen aller Branchen sind gezwungen, die Kundenbedürfnisse zu analysieren und zu verstehen, um bedarfsorientierte Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können. Für die Kommunikation mit den Kunden sind dementsprechend auch die digitalen Kommunikationskanäle der Kunden zu nutzen.“


Ein Reporting-Tool als Innovationsbeispiel

Ein Beispiel für den Einsatz einer innovativen Technologie ist laut BDO ein einfach bedienbares und aussagefähiges Reporting-Tool, in dem alle Vermögenswerte übersichtlich und mit Hilfe von messbaren Kenngrößen dargestellt werden. Das folgt folgendem Ansatz: Familien erwarteten heute deutlich aktuellere und überall verfügbare Informationen über den Erfolg der Tätigkeit ihres Family Offices. Daher müssen in einem Reporting-Tool unterschiedliche Datenquellen verbunden und einheitlich dargestellt werden, sodass keine wertvollen Informationen verloren gehen und die Auftraggeber einen umfassenden Überblick erhalten, um strategische Entscheidungen auf einer guten Basis zu treffen.

Zur Herausforderung der Kommunikation passen auch einige Ergebnisse der „Next Generation Survey 2018“, die die Schweizer Großbank Credit Suisse gemeinsam mit der Young Investors Organization (YIO) veröffentlicht hat. Weit über die Hälfte der Befragten möchte offener über Vermögen sprechen (59 Prozent), während mehr als zwei Drittel (68 Prozent) erwarten, dass ihre Familie von gesteigerter Kommunikation profitieren würde.